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Erkältung bei Kindern

Sekretstau verhindern

12.03.2014  10:06 Uhr

Von Helga Vollmer, München / Eine Schniefnase haben Kinder sehr viel häufiger als Erwachsene. Denn ihr Immunsystem reift noch und muss erst lernen, mit dem Ansturm der Viren zurechtzukommen. Abschwellende Nasentropfen sind wichtiger Bestandteil der Therapie.

Von den rund 200 Schnupfenviren zählt etwa die Hälfte zu den Rhino­viren. Diese RNA-Viren werden durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen und lösen Erkältungskrankheiten aus. Eine Impfung gegen die bislang 102 bekannten Rhinovirus-Sero­typen gibt es nicht. 

Aufgrund der Varianten kann man immer wieder da­ran erkranken, was die Häufigkeit dieser Erkältungen erklärt: Erwachsene sind ein- bis zweimal, Schulkinder zwei- bis dreimal pro Jahr betroffen; im Kindergartenalter kommt es sechs- bis achtmal im Jahr zu einem Schnupfen, im Säuglingsalter sogar bis zu zehnmal. »Gerade in Familien mit Kindern kann das richtig anstrengend sein«, sagte der Münchner Pädiater Dr. Reinhard Erdl auf einer von Merck unterstützten Veranstaltung in München. »Die Familienmitglieder stecken sich ständig gegenseitig an. Zudem kursierten häufig über Wochen mehrere Erreger in einer Familie gleichzeitig«.

 

Typische Symptome des Schnupfens sind eine laufende und/oder verstopfte Nase, Niesen, Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmackssinns und des allgemeinen Befindens. Die Schwellung der Nasenschleimhaut ist zu 90 Prozent auf eine Dilatation der nasalen Blutgefäße zurückzuführen, weniger auf ein lokales Ödem. Ursache dieser Vasodilatation ist ein entzündliches Geschehen, wie Untersuchungen des Nasensekrets von Patienten mit Rhinoviren-Infektion zeigen. Darin finden sich erhöhte Konzentrationen von Albumin, Kininen, Immunglobulin G und proinflammatorischen Zytokinen, Zeichen für die Immunantwort des Infizierten auf die Infektion.

 

Folgeerscheinung Mittelohrentzündung

 

Besonders störend für das Allgemeinbefinden ist die verstopfte Nase. Die gestörte Nasenatmung zwingt dazu, durch den Mund Luft zu holen, was wiederum die Bronchien reizt. Wenn jedoch Sekret nicht aus der Nase und den benachbarten Strukturen abfließt, können sich die Bakterien vermehren und nach einer primären Virusinfektion zu einer bakteriellen Superinfektion führen. Besonders gefährdet ist die Tuba auditiva, die Eustachische Röhre. Sie verbindet die Nasenhaupthöhle mit dem Mittelohr und sorgt so für einen Abfluss des Sekrets. Ist aufgrund einer zugeschwollenen Nase dieser Abfluss nicht mehr möglich, kann sich als Komplikation des Schnupfens rasch eine Mittelohrentzündung entwickeln, diese wiederum zu einer Mastoditis, einer Entzündung der Schädelbasis um das Mittelohr. Bei Kindern bilden sich etwa im Vorschulalter die Nasennebenhöhlen. Ähnlich wie bei einer Mittelohrentzündung können bei fehlender Sekretdrainage aus diesen Bereichen bakterielle Superinfektionen, chronische Infektionen und damit auch starke Schmerzen entstehen.

 

Keine Sprays für Kinder unter zwei Jahren

 

Für Säuglinge beispielsweise ist eine freie Nase zwingend notwendig, erklärte der Kinderpneumologe Dr. Michael Gerstlauer, Augsburg, denn sie sind obligate Nasenatmer. Sie halten den Mund geschlossen und atmen nur durch die Nase ein und aus, um Nahrungsaufnahme und Atmung koordinieren zu können. Schnäuzen können sie nicht und das Absaugen des Schleims wird von ihnen als äußerst schmerzhaft empfunden. Es muss also ein Weg gefunden werden, das Sekret aus der Nase zu bekommen und die Schleimhaut abschwellen zu lassen.

 

Abhilfe schaffen können hier abschwellende Nasentropfen mit den Wirkstoffen Oxymetazolin oder Xylometazolin. Beides sind Imidazolderivate, die primär über eine Stimulation peripherer α2-adrenerger Rezeptoren vasokonstriktorisch wirken und somit die Schleimhautschwellung vermindern. »In den letzten Jahren konnte zusätzlich eine kausale Wirkung von Oxymetazolin gegen Rhinitis nachgewiesen werden. Es wirkt direkt antiviral und antientzündlich, es reduziert die Expression von ICAM-1, einem Rezeptor für das humane Rhinovirus«, ergänzte Gerstlauer. Infrage kommen die Wirkstoffe in altersgerechter Dosierung:

 

  • Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren: Oxymetazolin 0,01 Prozent, Xylometazolin 0,025 Prozent. In dieser Altersgruppe sind Sprays kontra­indiziert, da sie zu Atemstörungen und komatösen Zuständen infolge von systemischen Nebenwirkungen führen können.
  • Kleinkinder und Kinder von zwei bis sechs Jahren (Tropfen oder Spray): Oxymetazolin 0,025 Prozent (ein bis sechs Jahre), Xylometazolin 0,05 Prozent.
  • ab sechs Jahren (Schulkinder; Tropfen oder Spray): Oxymetazolin 0,05 Prozent, Xylometazolin 0,1 Prozent. /

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