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HIV nistet sich in Hirnzellen ein

08.04.2008  17:31 Uhr

HIV nistet sich in Hirnzellen ein

Von Christina Hohmann

 

Das humane Immundefizienzvirus HIV-1 verwendet neurale Vorläuferzellen im Gehirn als Reservoir. Dies berichten Professor Dr. Ruth Brack-Werner und ihre Kollegen vom Institut für Virologie am Helmholtz-Zentrum München im Fachjournal »Aids«.

 

Außer Immunzellen befällt der Aidserreger auch Zellen des ZNS und kann dort lebenslang persistieren. Daher leidet mehr als die Hälfte der HIV-Infizierten an langsam fortschreitenden neurologischen Störungen, die sich bis zu einer schweren Demenz entwickeln können.

 

Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass HI-Viren im Gehirn neben Makrophagen und Mikrogliazellen auch Astrozyten infizieren können. Astrozyten tolerieren auch eine Langzeitinfektion und dienen somit den Erregern als Reservoir. Dies trifft auch auf neurale Vorläuferzellen zu, wie Brack-Werner und ihre Mitarbeiter jetzt an Zellkulturuntersuchungen herausfanden. Diese Zellen können sich in alle neurale Zelltypen differenzieren und besitzen daher eine wichtige Funktion bei Selbstheilungsprozessen im Gehirn. Die Langzeitinfektion verursacht eine Reihe von Veränderungen in den Vorläuferzellen. So ändert sich zum Beispiel das Expressionsniveau bestimmter Proteine und die Morphologie der Zellen. Im vergangenen Jahr hatten US-amerikanische Forscher bereits berichtet, dass HIV die Neurogenese hemmt, indem sie die Teilungsfähigkeit der Vorläuferzellen behinderten.

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