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Gluckernde Implantate

13.03.2006
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Plastische Chirurgie

Gluckernde Implantate

von Sven Siebenand, Berlin

 

Pamela Anderson, Victoria Beckham und Naddel haben es vorgemacht. Immer mehr Frauen tun es ihnen gleich: Mit rund 40.000 Eingriffen pro Jahr ist die Brustvergrößerung mittlerweile die zweithäufigste ästhetische Behandlung in Deutschland. Was viele nicht wissen: Fast ebenso viele Frauen lassen sich ihre Brüste verkleinern.

 

Mamma-Augmentationsplastik: So ist der Fachbegriff für die Brustvergrößerung. Plastischen Chirurgen stehen dazu unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Relativ neu im Gespräch ist die Eigenfettinjektion. Dabei wird zunächst Körperfett an einem Körperteil abgesaugt, um es anschließend in die Brust zu spritzen. Was nach dem Traum von Brustvergrößerung durch eigenes, vitales Gewebe klingt, ist im Ergebnis nicht ausreichend vorhersagbar. Denn das Einwachsen des Fettgewebes und damit der Volumengewinn können nicht prognostiziert werden. Zudem sind meist mehrere Operationen notwendig, da nur eine begrenzte Menge Fett eingespritzt werden kann. Auch die Verwendung von Eigengewebe zur Vergrößerung der Brust kann aúf Grund der dabei entstehenden Entnahmedefekte und der ausgedehnten Narben nur im Rahmen der Rekonstruktion nach einem Mammakarzinom eine angemessene Vorgehensweise sein.

 

In der Regel werden daher Implantate, deren Hülle aus Silikon besteht, zur Vergrößerung der Brust eingesetzt. Die verschiedenen Typen unterscheiden sich lediglich in ihren Füllmitten. Am gängigsten sind Silikongel und physiologische Kochsalzlösung.

 

Wenig formstabile Implantate

 

Die Kochsalzimplantate sind vor allem in den USA beliebt. Sie werden als leere Hüllen in die Brust eingebracht und danach mit der physiologischen Kochsalzlösung befüllt. Auf diesem Wege sind auch bei großen Implantaten nur kleine Operationsschnitte notwendig. Ein weiterer Vorteil ist die vollständige Resorption der Kochsalzlösung, falls die Implantathülle einmal reißen sollte. Von Nachteil ist dagegen, dass das Implantat wenig formstabil ist und die Brust so leicht durchhängen kann. Zudem fühlt sie sich kälter an als Normalgewebe und durch Luftbeimengungen kann sie »gluckern«.

 

Deshalb werden in Deutschland nach wie vor Silikongel-Implantate bevorzugt. Sie sind den anderen Implantaten in Bezug auf Konsistenz und Formenvielfalt deutlich überlegen. Die Entwicklung von kohäsivem Silikongel verhindert zum einen das Auslaufen des Gels, zum anderen ist dadurch auch eine stabile Formgebung möglich. Befürchtungen, dass Silikonöl Krebs, Rheuma oder Immunerkrankungen hervorrufe, hätten sich als unbegründet herausgestellt, so Dr. Hubert Stützle, Facharzt für Chirurgie und Plastische Chirurgie. Ein Implantatwechsel ist trotzdem alle 15 Jahre notwendig und damit kommen auch neue Kosten auf die Patientinnen zu. »Durchschnittlich 5000 bis 7000 Euro sollten pro Eingriff eingeplant werden«, sagte Dr. Marita Eisenmann-Klein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC).

 

Ganz ohne Narben geht es nicht

 

Die Oberfläche der Implantate kann glatt oder texturiert sein. Die jüngste Studie, die im Auftrag der amerikanischen Gesundheitsbehörden durchgeführt wurde, hatte keinen Unterschied zwischen glatten und texturierten Implantaten festgestellt. Eine Kapselverhärtung trete bei beiden Oberflächenbeschaffenheiten gleich häufig auf, informiert die DGPRÄC auf ihrer Homepage. Hierbei handelt es sich um eine übermäßige Narbenbildung um das Implantat herum. Ist diese sehr stark und führt zur schmerzhaften Verformung der Brust muss das Implantat eventuell sogar ausgetauscht werden.

 

Ob ein Implantat unter den Brustmuskel oder darüber eingelegt wird, ist von der Statur der Patientin abhängig. Ein natürlicheres Ergebnis erreiche man mit der Lage unter dem Brustmuskel, wenn die Frau schlank ist oder ein sehr viel größeres Brustvolumen wünscht, so Stützle.

 

Ein etwa vier Zentimeter langer Hautschnitt ist unumgänglich, um das Implantat einzusetzen. Die kürzesten Operationswege bietet der Schnitt in der Brustfalte. Der Schnitt in der Achselfalte ist auf Dauer nachteilig, sagte Stützle. Denn die Narben in den Achselhöhlen werden durch die Bewegung der Arme im Laufe der Zeit breiter und auffälliger. Auch der Schnitt an der Brustwarze ist keine echte Alternative: Er ist mit einer höheren Rate an Sensibilitätsstörungen beziehungsweise Beeinträchtigung der Stillfähigkeit verbunden.

 

Brustverkleinerung oft angebracht

 

Während manche Frauen von Körbchengröße C träumen, leiden andere unter zu großen, schweren oder stark hängenden Brüsten. Nacken-, Rücken-, Kopfschmerzen sowie Schmerzen durch einschneidende Büstenhalterträger, Hautirritationen und nicht zuletzt verletzende Bemerkungen beeinträchtigen die Frauen in ihrer Lebensführung. »Etwa 30.000 Frauen pro Jahr lassen sich deshalb die Brüste verkleinern. Das ist nur ein Bruchteil derer, die betroffen sind«, vermutet Eisenmann-Klein.

 

Durch die Einführung einer narbenarmen Operationstechnik konnte die Gesamtkomplikationsrate auf etwa 15 Prozent gesenkt werden. Dazu zählen vor allem Sensibilitätsstörungen und Wundheilungsstörungen. In Ausnahmefällen, vor allem wenn die Operation nicht von einem Experten durchgeführt wird (siehe Kasten), kann es zum Absterben des Brustgewebes kommen.

 

Bedauerlich sei, dass sich die Krankenkassen zunehmend aus der Erstattung der Brustverkleinerung zurückziehen. Nach internationalen Standards liegt dann eine medizinische Notwendigkeit vor, wenn das Resektionsgewicht pro Seite 300 Gramm oder mehr beträgt. Bis vor wenigen Jahren haben die Krankenkassen in nahezu allen Fällen die Kosten übernommen. »Heute bekommt nur noch jede dritte Frau eine Kostenzusage, die anderen Frauen bleiben auf Kosten von rund 3000 Euro sitzen«, so Eisenmann-Klein. Stattdessen zahlen die Kassen den Frauen Massagen gegen Rückenschmerzen und Kuraufenthalte - eine unwirtschaftliche Vorgehensweise.

Mehr Verbraucherschutz bei ästhetischen Operationen

Ab dem 1. April 2006 gilt das Heilmittelwerbegesetz auch für den Bereich der plastisch-chirurgischen Eingriffe. Danach ist irreführende Werbung unzulässig. Überwiegend wird die Auffassung vertreten, dass Werbung mit Preisen unter diesen Passus fällt, da sie den Anschein erweckt, dass das Ergebnis der Operation erkauft werden kann. Eine weitere wichtige Änderung ergibt sich durch das »Verbot bildlicher Darstellungen des Körperzustandes oder des Aussehens vor und nach Anwendungen«. Damit sind auch Vorher-Nachher-Abbildungen Geschichte.

 

Bedauerlicherweise dürfen sich selbst ernannte Schönheitschirurgen, die keinen einzigen Tag chirurgische Ausbildung durchlaufen haben oder sogar Heilpraktiker, weiterhin so nennen und gefährliche Operationen durchführen. Beispielsweise bieten allein in München 300 Institute »Schönheitsoperationen« an. Mit nur 50 Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie haben in München weniger als 20 Prozent der in der ästhetischen Chirurgie tätigen Ärzte tatsächlich eine abgeschlossene Ausbildung in diesem Gebiet. Allein der Titel »Facharzt für Plastische Chirurgie« ist geschützt. Eine Auflistung der Plastischen Chirurgen befindet sich auf der Homepage der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen unter www.vdaepc.de.

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