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Metformin in der Schwangerschaft erhöht Körpergewicht des Kindes

07.03.2018
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Von Kerstin A. Gräfe / Bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft das Antidiabetikum Metformin eingenommen haben, besteht womöglich ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas. Zu diesem Ergebnis kommen norwegische Forscher von der Universität Trondheim anhand einer Nachbeobachtung von zwei randomisierten Studien im Fachmagazin »Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism« (DOI: 10.1210/jc.2017-02419).

 

Das Ergebnis sei überraschend, da frühere Forschungen nahegelegt hätten, dass Metformin einen protektiven Effekt auf den metabolischen Stoffwechsel habe, schreibt Erstautorin Liv Guro Engen Hanem in einer Pressemitteilung der Universität.

 

Die Wissenschaftler befragten die Eltern von 161 inzwischen vierjährigen Kindern, deren Mütter zuvor an zwei randomisierten kontrollierten Studien teilgenommen hatten. Darin hatten sie während ihrer Schwangerschaft aufgrund eines polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) einmal täglich entweder 1700 mg oder 2000 mg Metformin oder Placebo eingenommen.

Das PCOS ist eine der häufigsten Hormonstörungen bei jungen Frauen, die häufig mit Übergewicht, Zyklusunregelmäßigkeiten, Insulinresistenz, Damenbart und Unfruchtbarkeit einhergeht. Die Ursache ist bislang unbekannt. Unter anderem wird eine Insulinresistenz als ein wichtiger Faktor in der Pathogenese diskutiert, sodass off Label Metformin eingesetzt wird. Da das Biguanid plazentagängig ist, ist sein Einsatz umstritten.

 

Die Befragung ergab, dass 26 Kinder aus der Metformin-Gruppe (32 Prozent) im Alter von vier Jahren übergewichtig oder adipös waren. In der Placebogruppe war dies bei 14 Kindern (18 Prozent) der Fall. Einen Einfluss auf das Geburtsgewicht habe Metformin nicht gezeigt, so die Forscher. Jedoch habe sich die Tendenz zu einem höheren Gewicht bei den intrauterin exponierten Kindern bereits ab einem Alter von sechs Monaten abgezeichnet.

 

Hanem räumt ein, dass die Studie Schwächen aufweist. So fehlten zum Beispiel Angaben zur Ernährung der Kinder und dazu, wie lange sie gestillt wurden. Dennoch sieht sie aufgrund der Ergebnisse einen zwingenden Bedarf an weiterer Forschung. Geplant seien Untersuchungen der Kinder ab einem Alter von acht Jahren, die unter anderem kognitive Tests beinhalten sollen. /

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