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Insulin aspart

Kleinere Insulinlücke dank neuer Lösung

08.03.2017
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Vor 18 Jahren kam Insulin aspart (NovoRapid®) auf den Markt. Nun hat Hersteller Novo Nordisk eine neue Lösung des Insulinanalogons entwickelt. Dieses Insulin flutet schneller an und kann dadurch dazu beitragen, dass der Blutzuckerspiegel bei Diabetikern nach einer Mahlzeit nicht so stark ansteigt. Im ersten Halbjahr 2017 soll das Präparat Fiasp® auf den deutschen Markt kommen.

Bei Diabetikern besteht die Herausforderung darin, die Insulinsekretion von Gesunden so gut wie möglich per Insulin­applikationen nachzunahmen. Darauf wies Professor Dr. Thomas Forst vom Profil Institut für Stoffwechselforschung Neuss auf einer Presseveranstaltung von Novo Nordisk in Frankfurt am Main hin. Subkutan injiziertes Human­insulin werde zu langsam aus dem Gewebe absorbiert, da Insulin-Hexamere zunächst in Monomere zerfallen müssen, um in den Blutstrom übergehen zu können.

Die schnell wirksamen Insulin­analoga Insulin aspart, Insulin lispro und Insulin glulisin hätten einen wichtigen Therapiefortschritt gebracht. »Sie werden schneller absorbiert und man ist näher am physiologischen Bedarf nach einer Mahlzeit«, sagte Forst. Durch Fiasp könne die sogenannte Insulinlücke, die zwischen der Wirkung von Insulinanaloga und natürlichem Insulin besteht, nun weiter verkleinert werden.

 

Die noch schnellere Wirkung des neuen Präparats gegenüber NovoRapid wird durch Hinzugabe von zwei Hilfsstoffen erreicht: Niacinamid und L-Arginin. Während L-Arginin als Stabilisator dient, bewirkt Niacinamid eine schnellere anfängliche Resorption durch eine beschleunigte Dissoziation der Insulin-aspart-Hexamere in Monomere. Bei Typ-1-Diabetikern zeigte Fiasp im Vergleich zu NovoRapid ein doppelt so schnelles erstes Auftreten im Blut, eine doppelt so hohe Insulinkonzentration und eine 74 Prozent höhere Insulinwirkung in den ersten 30 Minuten bei gleicher Gesamtexposition. »Ein Mahlzeiteninsulin, das zehn bis zwölf Minuten schneller da ist, macht einen großen Unterschied«, so Forst.

Die postprandialen Blutzuckerwerte verbesserten sich dadurch. Zwar könne man noch nicht final sagen, ob eine bessere postprandiale Glucosekontrolle sich tatsächlich positiv hinsichtlich der Verhinderung von diabetischen Folgeerkrankungen auswirkt. Eine 2000 im Fachjournal »Diabetes Care« erschienene Studie habe aber gezeigt, dass das Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen ab einem post­prandialen Zuckerwert von 180 mg/dl stark ansteigt (23 Suppl 2:B21-9).

 

Professor Dr. Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover stellte Ergebnisse aus dem Onset-Studienprogramm vor. In der Studie Onset1 erhielten 1143 Typ-1-Diabetiker entweder Fiasp oder NovoRapid zur Mahlzeit oder Fiasp 20 Minuten nach Beginn der Mahlzeit jeweils in Kombination mit einem Basalinsulin. Unter Fiasp kam es – wenn es zum Essen gespritzt wurde – im Vergleich zu Novo­Rapid zu einer geringeren Zunahme der postprandialen Plasmaglucose innerhalb von einer beziehungsweise zwei Stunden. Der Unterschied betrug im Durchschnitt etwa 21 beziehungsweise 12 mg/dl.

 

Wie Danne informierte, gab es nach 26 Behandlungswochen auch einen Unterschied zwischen den Gruppen beim HbA1c-Wert. Dieser sank in der NovoRapid-Gruppe um 0,17 Prozent. In der Gruppe, die Fiasp zum Essen gespritzt hatte, ging er dagegen um 0,32 Prozent zurück. Selbst jene Gruppe, die Fiasp erst 20 Minuten nach dem Essen injiziert hatte, erreichte eine Senkung des HbA1c-Werts von 0,13 Prozent.

 

Kein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien

 

In der Onset2-Studie erhielten 689 Typ-2-Diabetiker über 26 Wochen entweder Fiasp oder NovoRapid jeweils zu den Mahlzeiten in Kombination mit einem Basalinsulin und Metformin. Auch in dieser Studie war die HBA1c-Senkung in beiden Gruppen vergleichbar. In Mahlzeitentests reduzierte Fiasp auch in dieser Studie die postprandialen Zuckerwerte nach einer Stunde sowie nach zwei Stunden stärker als NovoRapid. »In beiden Studien kam es unter Fiasp nicht zu vermehrten Unterzuckerungen«, betonte Danne. Zudem habe eine weitere Studie belegt, dass Fiasp auch pumpenkompatibel ist. /

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