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Escitalopram

Eutomer dockt doppelt an

08.03.2011
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Von Christiane Berg, Hamburg / Escitalopram, ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, weist eine hohe Affinität zum Serotonin­transporter auf. Das Antidepressivum bindet dabei an zwei verschiedenen Bindungsstellen.

Den »biologisch relevanten Vorteil« von Escitalopram im Vergleich zu anderen Selektiven Serotinin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) beschrieb der Psychiater und Neurologe Dr. Jens Kuhn, Köln, auf einer Lundbeck-Veranstaltung in Hamburg. Escitalopram (Cipralex®) ist das S-Enantiomer des chiralen Wirkstoffes Citalopram (zum Beispiel Cipramil®), der als Racemat seit Längerem zur Therapie affektiver beziehungsweise depressiver Störungen eingesetzt wird. Das hinsichtlich der gewünschten Wirkung aktivere Enantiomer (Eutomer) Escitalopram ist seit 2003 zur Therapie von Depressionen, sozialer Phobie, Panik-, Angst- und Zwangsstörungen zugelassen.

»Escitalopram als therapeutisch wirk­same Komponente der Leitsubstanz Citalo­pram zeichnet sich durch eine höhere Affinität und Spezifität am Serotonintransporter aus«, sagte Kuhn. Dabei docke der Wirkstoff an zwei Bindungsstellen des Serotonintransporters an, was die anti­depressive Wirkung verstärke. Der »dual serotonerge Effekt« gehe mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil, geringerem Interaktionspotenzial, gutem Rezidivschutz und einer geringeren Therapie- Abbruchquote einher, so Kuhn. Dabei wachse der Wirkvorteil des Eutomers gegenüber dem Racemat mit dem Schweregrad der Erkrankung.

 

Kuhn zitierte eine »Lancet«-Meta­analyse aus dem Jahr 2009, in der die Ergebnisse von mehr als 100 Studien zu zwölf verschiedenen Antidepressiva der neuen Generation ausgewertet worden waren. Neben Escitalopram und Cita­lopram waren das Sertralin, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Reboxetin, Mirtazapin, Venlafaxin, Duloxetin, Bupropion und Milnacipran (doi:10.1016/S0140-6736(09) 60046-5). Darin hatten die Autoren für die beiden SSRI Escitalopram und Sertralin das beste Akzeptanz-Profil und die niedrigsten Therapie-Abbruchquoten festgestellt. Escitalopram, aber auch Sertralin, Mirtazapin und Venlafaxin hatten in der erwähnten Studie die höchste Effektivität gezeigt.

 

Kuhn machte im weiteren Verlauf seiner Ausführungen deutlich, dass moderne Antidepressiva neueren Forschungen gemäß eine vermehrte Ausschüttung des Wachstumsfaktors BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) bewirken. Der BDNF sei essenziell für das Wachstum, die Aussprossung und Neubildung des zentralen Nervenssystems und somit mitverantwortlich für die Modifikation der synaptischen Plastizität. Bei Depressionen, Angst und Schmerz werde eine Downregulation des BDNF beobachtet. Serotonin sei maßgeblich in die Regulation und Synthese von BDNF involviert. Über die Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt tragen Antidepressiva zur Normalisierung der BDNF-Funktion bei, so Kuhn. / 

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