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Altersbezogene Gesundheitsprophylaxe

07.03.2006  10:05 Uhr

Seniorenberatung

Altersbezogene Gesundheitsprophylaxe

von Christiane Berg, Oldenburg

 

Auf dem so genannten Anti-Aging-Markt steigt die Zahl unseriöser Anbieter und Produkte. Dieser Bewegung müssen die Apotheker durch fachliche und sachliche Informationen zu einer altersbezogenen Gesundheitsprophylaxe entgegensteuern. 

 

»Egal, ob Seniorenberatung unter der Überschrift Anti-Aging, Well-Being oder Prävention läuft: Wir Apotheker dürfen dieses Feld nicht anderen überlassen. Wir müssen uns auf diesem großen Beratungsgelände qualifizieren und positionieren«, sagte Dr. Lutz Schneider, Wuppertal, auf einer Veranstaltung der Apothekerkammer Niedersachsen.

 

Zu den »tatsächlichen Anti-Aging-Strategien« gehören Stressregulierung, regelmäßige Bewegung bei einem Body-Mass-Index unter 25, eine optimale Einstellung des Blutdrucks auf unter 140/90 mmHg sowie eine effektive Osteoporoseprophylaxe und Arterioskleroseprävention. Ebenso zählt eine »bunte« Ernährung dazu, das heißt die tägliche Zufuhr von Antioxidantien wie Vitamin C (200 mg) und E (200 mg), Carotinoiden (6 mg), Selen (100 µg), Zink (7 bis 10 mg) oder Chrom (30 bis 100 µg).

 

In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an Osteoporose. Als Risikofaktoren für eine niedrige Knochenmasse nannte Schneider unter anderem die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, das Alter, Untergewicht, übermäßigen Nikotinkonsum und Bewegungsmangel.

Generell sei ab dem 45. bis 50. Lebensjahr die Nahrungsergänzung mit mindestens 1000 mg Calcium in Kombination mit Vitamin D (circa 1000 I.E.) angezeigt. Als osteoprotektive Medikamente, über deren Bedeutung der Patient und Kunde aufgeklärt werden muss, hob Schneider selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren wie Raloxifen sowie Bisphosphonate wie Alendronat und Risedronat hervor.

 

Je niedriger, desto besser

 

Die früher gängige Vorbeugung der Osteoporose als altersassoziierte Erkrankung der Frau durch postmenopausale Hormonsubstitution werde seit den Ergebnissen der amerikanischen »Women`s Health Initiative« (WHI) nicht mehr praktiziert. In der Studie wurde ein Therapiearm frühzeitig abgebrochen, da sich durch die Gabe von Estrogen/Gestagen-Kombinationen ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Mammakarzinome abzeichnete. Auch die Gabe von Calcitonin, Fluoriden und Anabolika gelte als obsolet.

 

Als »hoch interessante Therapieansätze« bezeichnete Schneider die pulsatile tägliche Zufuhr von 20 µg des rekombinanten humanen Parathormons Teriparatid zur Vermehrung der Osteoblasten und Neubildung sowohl des kortikalen als auch trabekulären Knochens, die Gabe von Strontiumranelat zur erhöhten Mineralisation des Knochens sowie von Vitamin D-Analoga bei gestörter Nierenfunktion und gestörtem Vitamin D-Metabolismus.

 

Risikofaktoren der Arteriosklerose als Vorläufer von Herzinfarkt und Schlaganfall seien neben der familiären Disposition (circa 50 Prozent des Gesamtrisikos) ein übermäßiger Nikotinkonsum, arterielle Hypertonie, Dyslipid- und Hypertriglyceridämie sowie Diabetes mellitus. Der Anpassung des Körpergewichtes durch mediterrane Ernährung und körperliche Aktivität komme in der Vorbeugung eine bedeutende Rolle zu. Erhöhte LDL-Werte gelten als ursächliche Faktoren für atherogene Erkrankungen. Bei geringem kardiovaskulärem Risiko sei in der Primärprävention ein LDL-Cholesterol-Zielwert < 160 mg/dl anzustreben, bei erhöhtem Risiko < 130 mg/dl. In der Sekundärprävention müssen LDL-Zielwerte < 100 mg/dl erreicht werden. »Je niedriger, desto besser«: Schneider hob den Stellenwert der Statine zur Lipidsenkung und Reduktion der Gesamtmortalität hervor. 

 

Zudem gehöre eine generelle Stärkung des Immunsystems zur Basis altersbezogener Gesundheitsprophylaxe. Von besonderer Bedeutung sei hier die Thymusrückbildung als Phänomen der immunologischen Alterung mit verminderter zellulärer und humoraler Leistung. Tetanus-, Diphtherie-, Influenza- und Pneumokokken-Impfungen seien Möglichkeiten der »spezifischen Prävention« im Alter. Die gezielte Nahrungsergänzung mit Antioxidantien zur Steigerung der Abwehrkräfte sei sinnvoll.

 

Stärkung des Immunsystems

 

Zwar werde die Möglichkeit der Stärkung des Immunsystems im Alter auch durch die Gabe von Dehydroepiandrosteron (DHEA) diskutiert. Als Prohormon für Testosteron und Estradiol geht DHEA bei Männern mit einer Verbesserung der Stresstoleranz, einer Steigerung der Vitalität und des Muskelauf- und Fettabbaus sowie einer reduzierten Infektanfälligkeit und Zunahme kognitiver Leistungen einher. Bei Frauen wird unter anderem eine stimmungsaufhellende Wirkung, die Minderung von Spannungskopfschmerz und Migräne sowie die Steigerung der Knochendichte beobachtet. »Die Vorteile der Gabe von DHEA sind jedoch wesentlich geringer als erwartet«, so Schneider. Er begrüße, dass der erschwerte Bezug von DHEA die Verbreitung der »Modedroge« gemäß amerikanischem Vorbild in Deutschland verhindert. Nicht zuletzt angesichts möglicher Nebenwirkungen wie Hyperestrogenismus mit Libidostörungen und erhöhter Körperfettbildung beim Mann sowie Seborrhö, Akne, Hirsutismus, veränderter Stimmlage und verstärktem Haarausfall bei der Frau sei eine Substitution in Dosierungen von 25 bis 50 mg nur bei gesichertem DHEA-Mangel angezeigt.

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