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Akzeptanz der Vorsorge wächst

07.03.2006  13:58 Uhr

Darmkrebs

Akzeptanz der Vorsorge wächst

von Gudrun Heyn, Berlin

 

Früherkennung kann Leben retten, so lautet auch dieses Jahr wieder die Botschaft der Felix-Burda-Stiftung zum Darmkrebsmonat März. Seit Beginn der jährlichen Kampagnen im Jahr 2001 ist die Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchungen in der Bevölkerung stetig gestiegen. Von mehr als 530.000 Koloskopien liegt nun die Auswertung vor.

 

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 60.000 Menschen an Darmkrebs. »Dies ist ein trauriger Rekord«, sagte Ulrich Weigelt vom Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf einer Pressekonferenz in Berlin. Im europäischen Vergleich nimmt die Bundesrepublik damit eine Spitzenstellung ein. Noch immer stirbt etwa die Hälfte der Patienten jährlich an den Folgen der Erkrankung. Doch die Zahl der Neuerkrankungen und die Zahl der Todesfälle könnte auf ein Minimum reduziert werden, wenn sehr viel mehr Menschen die Möglichkeiten der Prävention wahrnehmen würden.

 

Kein anderer Tumor kann in seinen Vorstufen so gut erkannt werden, wie der Darmkrebs. Mehr als 90 Prozent aller kolorektalen Karzinome entwickeln sich aus gutartigen Darmpolypen (Adenome). Wird solch ein Adenom noch vor seiner malignen Entartung entfernt, sinkt das Risiko an Darmkrebs zu erkranken nahezu auf null. Zum Handeln bleibt viel Zeit, denn bis aus einem kleinen Polypen ein invasiv wachsender und metastasierender Tumor entsteht, vergehen im Durchschnitt 10 bis 14 Jahre.

 

Seit Oktober 2002 ist die Darmkrebsfrüherkennung eine gesetzliche Kassenleistung. Alle Versicherten können ab dem 55. Lebensjahr das Koloskopie-Screening kostenlos in Anspruch nehmen. Wiederholungsuntersuchungen sind im Abstand von zehn Jahren möglich. Bis heute haben insgesamt 1,2 Millionen GKV-Mitglieder das Angebot wahrgenommen. Von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der Teilnehmer. So beteiligten sich 2004 rund 638.000 Menschen an dem Vorsorgeprogramm und damit etwa 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei war der Anteil der Männer und Frauen etwa gleich hoch.

 

Die Daten von 538.000 Früherkennungs-Koloskopien aus 2004 sind nun ausgewertet. Bei rund einem Drittel der Untersuchten entdeckten die Ärzte Veränderungen in der Darmschleimhaut. 33.000 Personen wiesen bereits fortgeschrittene Adenome auf. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung wurden die fortgeschrittenen Adenome, aber auch sonstige Polypen, sofort entfernt. Zumindest in den nächsten fünf Jahren können diese Menschen beruhigt davon ausgehen, dass sie kein Rektum- oder Kolonkarzinom bekommen.

 

Etwa 4000 Personen erhielten jedoch die Diagnose Darmkrebs. Allerdings befanden sich über 70 Prozent der Karzinome noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Durch die frühzeitige Entdeckung haben die Betroffenen gute Heilungschancen. So überleben bei entsprechender Therapie mehr als 90 Prozent der Darmkrebspatienten die nächsten fünf Jahre, wenn die Krebszellen nur in der obersten Schicht der Darmschleimhaut zu finden sind.

 

Weniger Komplikationen

 

Wesentlich verbessert hat sich in Deutschland die Qualität der durchgeführten Koloskopien. So müssen heute die Fachärzte eine spezielle Schulung nachweisen und mindestens 200 Darmspiegelungen im Jahr durchführen, um die Leistungen mit der GKV abrechnen zu können. Regelmäßig wird außerdem die Einhaltung von Hygienestandards in den Praxen kontrolliert. So konnte die Komplikationsrate 2004 im Vergleich zu 2003 von 3,9 auf 2,8 Promille gesenkt werden. Blutungen und kardiopulmonale Probleme waren die häufigsten Komplikationen, Perforationen traten sehr selten auf. Doch auch zwei Todesfälle mussten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung in Kauf genommen werden.

 

Noch immer sind die Wartezeiten auf einen Vorsorge-Termin in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. In der Regel dauert es 25 Tage von einer Terminabsprache bis zur Koloskopie. In den östlichen Bundesländern müssen jedoch etwa 13 Prozent der Untersuchungswilligen mehr als acht Wochen Wartezeit in Kauf nehmen, im Westen sind es nur etwa sieben Prozent. Den Rekord halten allerdings die Praxen in Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 42 Wartetagen.

 

Alternative zur Koloskopie

 

Alternativ zur Koloskopie können Versicherte alle zwei Jahre testen lassen, ob in ihrem Stuhl okkultes Blut vorhanden ist. Der so genannte Okkultbluttest (FOBT) zu Lasten der GKV ist bereits ab einem Alter von 50 Jahren möglich. Doch kleine Polypen bleiben dabei meist unentdeckt. Kommt es zu einem positiven Nachweis, muss der Befund dennoch mit einer Koloskopie abgesichert werden. Nur so ist eine genaue Diagnose möglich. Im Rahmen der Untersuchung können dann gleichzeitig Polypen und verändertes Gewebe entfernt werden.

 

Die kassenärztliche Bundesvereinigung, die Innungskrankenkassen und die Felix-Burda-Stiftung setzen daher weiterhin auf Aufklärung. Noch ist viel zu tun. In einer bundesweiten Umfrage konnte etwa ein Viertel der Sprechstundenhilfen in den Facharztpraxen keine Auskunft darüber geben, ob der FOBT als Vorsorgeuntersuchung ausreicht. »Unbefriedigend sind auch die Angaben zur Vorbereitung einer Koloskopie, die man in den Praxen erhält«, sagte Dr. Christa Maar von der Felix-Burda-Stiftung. In der Umfrage reichten beispielsweise die Auskünfte von einem bis zu sechs Litern Flüssigkeit, die ein Patient zur Darmentleerung trinken soll. Neben den Aktivitäten zur Patientenaufklärung im Darmkrebsmonat März wird sich daher die Felix-Burda-Stiftung in nächster Zeit auch für die Vereinheitlichung der Koloskopie-Vorbereitung einsetzen.

Informationen im Netz

Weitere Informationen zur Kampagne sind unter www.darmkrebsmonat.de zu finden.

Ausführliche Informationen zu Darmkrebs bietet das DKFZ unter www.krebsinformationsdienst.de/Krebsarten/darmkrebs.html.

 

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