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Gesundheitsexperte

28.02.2018
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Gesundheitsexperte

Gesundheitsminister kann man sich nicht backen. Egal wie sehr sich mancher Apotheker dies womöglich wünschen würde. Angesichts der ­Auswahl an Kandidaten gibt es auch wirklich keinen Grund sich zu ärgern. Mit Jens Spahn steht in den kommenden vier Jahren ein ausgewiesener Gesundheitsexperte an der Spitze des Gesundheitsministeriums, zumindest dann, wenn die SPD-Basis in den nächsten Tagen dem Koalitionsvertrag zustimmt. Natürlich ist es verständlich, dass sich Apotheker Sorgen über die Personalie machen, weil Spahn vor 12 Jahren gemeinsam mit Doc-Morris-Vorstand Max Müller eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet hatte.

 

Was viel schwerer wiegt als alte Geschichten ist Kompetenz. Davon hat Spahn viel. Sicher: Mit Spahns Vorgänger im Amt, Hermann Gröhe, wäre das von den Apothekern weiterhin zu Recht geforderte Rx-Versandverbot sicher einfacher umzusetzen als mit Spahn. Dieser hatte sich zu diesem Thema erstens selten und meistens vage geäußert. In dieser Angelegenheit müssten sich die Apotheker vermutlich an die CSU wenden, deren Gesundheitspolitiker im vergangenen Jahr mehrfach ihre Sympathie für das Rx-Versandverbot deutlich gemacht haben.

 

Für Spahn spricht eindeutig seine große Erfahrung im Gesundheitswesen. Mit Mitte 20 war er bereits ein erfahrener Gesundheitspolitiker. Seitdem sind 15 Jahre vergangen.

 

Spannend ist, welche Position der Minister in spe bei der Zusammen­arbeit von Ärzten und Apothekern hat. In einem PZ-Interview von 2014 ­hatte sich Spahn positiv geäußert. Die beiden Heilberufe seien unmittelbar aufeinander angewiesen, sagte er. Auch nicht unbedeutend: Bei einer Diskussionsrunde in der ARD Ende 2017 ließ Spahn durchblicken, dass er die Einrichtung der Versorgungswerke für sinnvoll hält.

 

Natürlich ist viel Kaffeesatzleserei dabei, was Spahn in seiner Amtszeit in den Mittelpunkt stellt. Schließlich agiert auch ein Bundesminister nicht schwerelos im Hier und Jetzt. Wahrscheinlich wird er versuchen, die Digitalisierung zu beschleunigen, er wird auf mehr Wettbewerb setzen und mehr Eigenverantwortung und wenn er noch so mutig ist wie im Jahr 2014, dann dürfte er auch den Krankenkassen ordentlich einheizen, damit sie das ihnen zur Verfügung gestellte Geld nicht nur dafür einsetzen, ihre Etats zu optimieren, sondern dafür sorgen, dass auch gesetzlich ver­sicherte Patienten hochpreisige Innovationen erhalten, wenn sie diese ­benötigen.

 

Daniel Rücker 

Chefredakteur

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