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Diastolische Herzinsuffizienz

Sport effektiver als Medikamente

01.03.2016
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz sind schwer krank, sprechen aber kaum auf eine Arzneitherapie an. Ihre Option: Bewegung und Sport.

Eine chronische Herzschwäche führt zu belastenden und kräftezehrenden Beschwerden: Atemnot, Ödeme und damit verbunden Gewichtszunahme, mangelnde Belastbarkeit und schwere Erschöpfung. Bei der Diagnostik unterscheiden Ärzte zwischen einer systolischen und einer diastolischen Herz­insuffizienz. Letztere wurde lange Zeit vernachlässigt.

 

Während die systolische Variante durch eine reduzierte Auswurfleistung des Herzens charakterisiert ist, ist die Pumpfunktion bei diastolischer Herzschwäche normal. Aber der Bluteinstrom in der Diastole ist gestört. Die Wand des Herzens ist verdickt, der Blutdruck etwas erhöht und die linke Herzkammer kann sich nicht richtig entspannen. »Das Herz pumpt super, aber es saugt das Blut nicht richtig an«, erklärte Professor Dr. Martin Halle, München, beim Kongress »Diabetologie grenzenlos« in München-Unterhaching. Experten sprechen daher von linksventrikulärer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (heart failure with preserved ejection fraction, HFpEF).

 

Auch die Patienten unterscheiden sich. Eine systolische Herzinsuffizienz ist oft die Folge von Herzinfarkt, jahrelangem Bluthochdruck, Alkoholmissbrauch oder Myokarditis. »Risikofaktoren für eine diastolische Herzinsuffizienz sind höheres Alter, weibliches Geschlecht, erhöhter Blutdruck, Adipositas und Diabetes«, berichtete Halle, der am Klinikum rechts der Isar der TU München das Zentrum für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin leitet.

 

»Patienten mit HFpEF haben eine endotheliale Dysfunktion, eine chronotrope Insuffizienz, das heißt, dass ihr Puls bei Belastung nicht ansteigt, eine vermehrte Sympathikusaktivität und meist Vorhofflimmern.« Die Prognose bei diastolischer Herzschwäche sei ähnlich schlecht wie bei systolischer Dysfunktion.

 

Es gibt keine spezifische Therapie, die Morbidität und Mortalität dieser Patienten senken könnte. Die bei systolischer Herzinsuffizienz eingesetzten Arzneistoffe wie ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorenblocker und Betablocker wirken bei der diastolischen Form nicht. Auch die neue Wirkstoffkombination Sacubitril/Valsartan ist nur bei reduzierter Auswurfleistung zugelassen. Mitunter werden Aldosteron-Antagonisten wie Spironolacton oder Diuretika eingesetzt.

 

Training moderat beginnen

 

Der Mediziner empfahl Diabetes-Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz dringend körperliches Training. Innerhalb von drei Monaten sollte ein moderates Ausdauertraining von anfangs zweimal 10 bis 20 Minuten pro Woche auf tägliches Training gesteigert und durch einmal wöchentlich Krafttraining ergänzt werden. Nach drei Monaten erhöhen sich laut Halle die Ausdauerfitness und die Maximalbelastung. Außerdem bessere sich die diastolische Funktion und der linke Vorhof werde kleiner. »Das kann kein Medikament erreichen, das kann nur körperliches Training.« Bewegung und vor allem Ausdauertraining seien essenziell für Diabetes-Patienten, resümierte Halle. Der Arzt solle zunächst die medikamentöse Therapie optimieren und dann die Trainingsherzfrequenz festlegen. Goldene Regel: »Start low – go slow«, also niedrig beginnen und langsam steigern. /

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