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Pille danach

Keine abtreibende Wirkung

26.02.2013
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Von Verena Arzbach / Die deutschen Bischöfe haben sich geeinigt: Katholische Kliniken dürfen vergewaltigten Frauen zukünftig die Pille danach verschreiben, wenn das Medikament die Befruchtung der Eizelle verhindert. Präparate, die die Einnistung eines bereits befruchteten Eis hemmen, lehnt die Kirche weiterhin ab. Doch diese Einschränkung ist unnötig: Beide in Deutschland zur Notfallkontrazeption zugelassenen Präparate haben keine abtreibende Wirkung.

Der genaue Wirkmechanismus von ellaOne® (Ulipristalacetat) und PiDaNa® (Levonorgestrel) ist nicht vollständig aufgeklärt. Als wissenschaftlich belegt gilt mittlerweile, dass beide Wirkstoffe hauptsächlich den Eisprung unterdrücken oder ihn so lange verzögern, bis die Überlebenszeit der Spermien von drei bis fünf Tagen überschritten ist. Das Gestagen Levonorgestrel verhindert – wenn mindestens zwei Tage vor dem Eisprung eingenommen – den Anstieg des Luteinisierenden Hormons, das den Eisprung einleitet.

Levonorgestrel kann zum Verhindern einer Schwangerschaft bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft schadet es nicht. Der seit 2009 zugelassene selektive Progesteronrezeptor-Modulator Ulipristalacetat wirkt bis wenige Stunden vor dem Eisprung, er kann bis zu fünf Tage nach dem Verkehr eingenommen werden. Vor einer Anwendung muss eine bestehende Schwangerschaft jedoch ausgeschlossen werden.

 

Je eher, desto besser

 

Frühere Annahmen, dass Levonorgestrel die Fähigkeit der Spermien zur Wanderung und Penetration der Eizelle vermindern könne, konnten neuere Untersuchungen nicht bestätigen. Als gesichert gilt zumindest, dass das Gestagen nicht mehr wirksam ist, sobald sich ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter eingenistet hat. Die Mehrheit der Wissenschaftler ist sich zudem einig, dass die beiden Präparate auch die Wanderung des Eis zur Gebärmutter und die anschließende Implantation nicht verhindern können. Studien konnten bislang keine Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut zeigen, die eine Einnistung möglicherweise stören könnten. Wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat, wirken beide Arzneimittel nicht mehr. Daher sollte die Pille danach möglichst früh nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

 

Der Berufsverband der Frauenärzte stuft die Präparate klar als Verhütungsmittel ein, nicht als Abtreibungsmittel. Eine Aufhebung der Verschreibungspflicht von Levornorgestrel, wie sie unter anderem der baden-württembergische Landtag fordert, lehnt der Verband jedoch ab. Der Wirkstoff sei veraltet und biete nicht die höchstmögliche Sicherheit als postkoitales Antikonzeptivum, heißt es in einer Stellungnahme vom Herbst 2012. Als neuer Standard gelte Ulipristalacetat mit höherer Wirksamkeit und längerer Einnahmemöglichkeit.

 

Rezeptfreier Zugang

 

Dem widerspricht der Bundesverband Pro Familia vehement. Für PiDaNa existiere eine langjährige, umfassende und zuverlässige Datenlage, heißt es in einer Pressemitteilung. Dagegen seien für die seit 2009 zugelassene Pille danach EllaOne deutlich weniger Sicherheitsdaten verfügbar und einige Fragen offen.

 

Inzwischen sei die Pille danach in 28 europäischen Ländern rezeptfrei und damit niedrigschwellig verfügbar ist. Alles spreche dafür, auch in Deutschland so zu verfahren. Schon 2003 habe das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfohlen, die Pille danach rezeptfrei zuzulassen. Das Institut beruft sich auf internationale wissenschaftliche Erkenntnisse, unter anderem die der Weltgesundheitsorganisation WHO. Pro Familia begrüße die Zusage der Apothekerschaft, im Falle der Rezeptfreiheit die erforderliche Beratung sicherzustellen. /

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