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Brustkrebs

Schutz vor Rezidiv

08.04.2008  17:28 Uhr

Brustkrebs

Schutz vor Rezidiv

Von Claudia Borchard-Tuch

 

Auch vier Jahre nach Therapieende ist der Aromatasehemmer Anastrozol in der adjuvanten Therapie des Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinoms wirksamer und verträglicher als das Antiestrogen Tamoxifen. Dies zeigt die neueste Analyse der ATAC-Studie.

 

»Anastrozol (Arimidex®) schützt auch nach Ende der Therapie wirksam vor Brustkrebs«, sagte Professor Dr. Andreas Schneeweiss, Leiter der Universitätsfrauenklinik Heidelberg, im Gespräch mit der PZ. Dies belegen die aktuellen Ergebnisse der ATAC (Arimidex Tamoxifen alone or in Combination)-Studie (1). Nach fünf Jahren Therapie und vier Jahren Nachuntersuchung waren bei den mit Anastrozol therapierten Frauen absolut 4,8 Prozent weniger Rezidive aufgetreten als unter Tamoxifen. Die relative Reduktion der Rückfallquote lag bei 24 Prozent.

 

Anastrozol ist ein Aromatasehemmer der dritten Generation. Die Substanz blockiert das Enzym Aromatase, das für die Estrogensynthese essenziell ist: Es katalysiert die oxidative Entfernung der C19-Methylgruppe und damit die Aromatisierung des Ringes A im Estrogen-Molekül. Tamoxifen hingegen blockiert die peripheren Wirkungen der Estrogene durch Bindung an Estrogen-Rezeptoren (2).

 

Das Nebenwirkungsprofil unter Anastrozol unterscheidet sich von demjenigen unter Tamoxifen, insbesondere treten unter Anastrozol weniger Endometriumkarzinome oder thromboembolische Ereignisse auf (1). »Während der Behandlungsphase lagen die Frakturraten bei Patientinnen, die Anastrozol erhielten, um ein Drittel höher als bei Frauen, die mit Tamoxifen behandelt wurden«, stellte Schneeweiß fest. »Sie unterschieden sich jedoch nicht, nachdem die Behandlung beendet wurde.«

Anscheinend besitzt Anastrozol einen starken Carry-over-Effekt. Dies bedeutet, dass die Therapie nach Behandlungsende noch nachwirkt (3). Dieser Nachwirkeffekt fällt für Anastrozol signifikant größer aus als für Tamoxifen. »Dies ist von großer Bedeutung, da bei Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen ein hohes Risiko besteht, auch nach einem längeren Zeitraum ein Rezidiv zu entwickeln«, sagte Schneeweiss.

 

Die neue ATAC-Analyse ergab zudem, dass es unter Therapie mit Anastrozol zu weniger Fernmetastasen kam: Die Inzidenz war relativ um 16 Prozent niedriger und absolut um 2,4 Prozent. Auch verhinderte Anastrozol wirksamer das Auftreten eines kontralateralen Mammakarzinoms. »Die aktuelle Datenanalyse ergab, dass das relative Risiko um 40 Prozent geringer war«, sagte Schneeweiss.

 

Trotz all dieser Vorteile konnte die Analyse bislang keinen signifikanten Überlebensvorteil nachweisen. Dies sei, sagte Schneeweiss, auf mehrere Gründe zurückzuführen. Insgesamt sei »erst« ein Fünftel der Studienteilnehmerinnen verstorben. »Hierbei waren nahezu die Hälfte der Todesfälle nicht auf den Brustkrebs zurückzuführen, viele ältere Frauen verstarben aus anderen Gründen«, sagte der Mediziner. Ein längeres Follow-up müsse daher noch abgewartet werden.

ATAC-Studie

Die ATAC-Studie startete im Juli 1996 in Großbritannien. Es nahmen 9366 Patientinnen an 381 Krebszentren in 21 Ländern teil. Diese waren in der Postmenopause an einem invasiven Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom erkrankt und der Tumor entfernt worden. Im Anschluss an die Operation wurden die Patientinnen zu einer adjuvanten endokrinen Behandlung mit Anastrozol 1 mg täglich, Tamoxifen 20 mg täglich oder mit den beiden Substanzen in Kombination randomisiert. Die erste Hauptanalyse von ATAC wurde im Dezember 2001 vorgestellt, nachdem die Patientinnen im Durchschnitt 33 Monate beobachtet worden waren (4). Die Analyse zeigte, dass Anastrozol effektiver als Tamoxifen Krankheitsrückfälle verhindern konnte und daneben eine Anzahl wichtiger Verträglichkeitsvorteile gegenüber Tamoxifen zeigte. Im Jahre 2004, das heißt nach Abschluss der fünfjährigen medikamentösen Therapie, wurde eine zweite Analyse vorgestellt. Auch diese zeigte, dass Anastrozol wirksamer als Tamoxifen alle Arten von Rückfällen verhindert und darüber hinaus verträglicher ist (5).

Literatur

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The ATAC Trialistsí Group, Effect of anastrozole and tamoxifen as adjuvant tratment for early-stage breast cancer: 100-month analysis of the ATAC trial, Lancet Oncol 9 (2008) 45-53.

Mutschler, E., Geisslinger, G., Kroemer, H. K., Ruth, P., Schäfer-Korting, M., Mutschler Arzneimittelwirkungen kompakt. Basiswissen Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2005.

Ärzte-Zeitung, Anastrozol schützt nachhaltig vor Brustkrebs-Rezidiv. www.aerztezeitung.de/suchen/?sid=479313&query=atac, 28.01.2008.

The ATAC Trialists‹ Group, Anastrozole alone or in combination with tamoxifen versus tamoxifen alone for adjuvant treatment of postmenopausal women with early breast cancer: first results of the ATAC randomised trial. Lancet 359 (2002) 2131-393.

ATAC Trialists‹ Group, Results of the ATAC (Arimidex, Tamoxifen, Alone or in Combination) trial after completion of 5 years adjuvant treatment for breast cancer, Lancet 365 (2005) 60-62.

 

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