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Drogerien

dm will auch in Österreich zuschlagen

26.02.2007
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Drogerien

dm will auch in Österreich zuschlagen

Von Patrick Hollstein

 

Der österreichische Ableger der Drogeriemarktkette dm hat erneut öffentlich mehr Teilhabe am Geschäft mit OTC-Arzneimitteln gefordert. Im Nachgang zu den Reformen in Italien und Ungarn soll nach dem Willen der Drogisten nun auch in der Alpenrepublik der OTC-Markt freigegeben werden.

 

Man prüfe die Möglichkeiten, mehr Arzneien zu verkaufen, und suche das Gespräch mit den Politikern, sagte ein Unternehmenssprecher. Bereits vor zwei Jahren hatte sich der österreichische dm-Chef Günter Bauer öffentlich für eine Marktfreigabe ausgesprochen und dabei illusorische Einsparpotenziale für Gesundheitssystem und Verbraucher in Aussicht gestellt. Trotz zahlreicher gemeinsamer Gesundheitsaktionen konnte Bauer die Gunst von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat nicht für das dm-Anliegen gewinnen.

 

Jetzt versucht der österreichische dm-Chef, im Rahmen der allgemeinen Liberalisierungsdiskussion Boden gut zu machen. In Italien und Ungarn waren in den letzten Monaten zahlreiche OTC-Arzneimittel aus der Apothekenpflicht entlassen worden; Supermarktketten wie Coop und Tankstellenkonzerne wie MOL waren in der Folge ins Geschäft eingestiegen.

 

Ministerin gegen Liberalisierung

 

Bauer würde gerne das Portfolio an OTC-Produkten seiner österreichen dm-Filialen von derzeit 40 Medikamenten aufstocken. Dazu müsste allerdings erst einmal das Arzneimittelgesetz geändert werden, ein Anliegen, das die neue Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky prompt zurückwies. Das Einsparpotenzial sei minimal; außerdem bestehe die Gefahr, dass sich durch eine Liberalisierung des Marktes die Qualität der Versorgung verschlechtere.

 

Damit geht die Ministerin auf direkten Konfrontationskurs mit Brüssel. Im vergangenen Juni hatte die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich und andere Länder eingeleitet. Insbesondere im bestehenden Fremdbesitzverbot sowie zahlreichen Niederlassungsbeschränkungen stand die Alpenrepublik auf der Agenda der EU-Politiker. Dabei sind in Österreich Konzernen Minderheitsbeteiligungen an Apotheken bereits erlaubt; Celesio, Phoenix und der österreichische Grossist Jacoby haben bereits investiert.

 

dm könnte für die österreichischen Apotheken zu einer ernsten Konkurrenz werden: Im Durchschnitt kommt auf vier Apotheken eine dm-Filiale; in Deutschland liegt das Verhältnis bei eins zu dreißig. Eine Zusammenarbeit mit einer Versandapotheke, wie sie das deutsche Mutterunternehmen betreibt, kommt für dm laut Bauer vorerst aber nicht infrage.

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