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Arzneimittelumsatz

Die große Stagnation

26.02.2007
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Arzneimittelumsatz

Die große Stagnation

Von Thomas Bellartz

 

Von einer Ausgabenexplosion bei den Arzneimitteln kann schon lange keine Rede mehr sein. Während die Krankenkassen im Jahr 2006 Überschüsse erwirtschaftet haben, muss der deutsche Pharmamarkt eine Stagnation verkraften.

 

2006 summierte sich der Umsatz mit Arzneimitteln im GKV-Markt ohne Berücksichtigung der gesetzlich vorgeschriebenen Zwangsrabatte für Hersteller und Apotheken auf 26,4 Milliarden Euro zu Apothekenverkaufspreisen (AVP). Das war ein Zuwachs von 2,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Nach Abzug der gesetzlich vorgeschriebenen Rabatte verblieb bei einem Umsatz von 24,3 Milliarden Euro lediglich ein Zuwachs von 0,7 Prozent. Dies ergeben die Zahlen von IMS Health. Nach Menge war der Markt um 1,7 Prozent auf 635 Millionen verkaufte Packungen rückläufig. Die Entwicklung ergibt sich laut der Analyse wesentlich durch kostendämpfende Maßnahmen des im Mai 2006 in Kraft getretenen Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes (AVWG).

 

Wesentlichen Einfluss auf die Marktentwicklung hatten die Maßnahmen des AVWG. Infolgedessen kam es bei immer mehr Präparaten zu Preissenkungen auf oder unter diese Trennlinie und zu Preisanpassungen der Hersteller. Im generikafähigen Markt entstand ein verschärfter Wettbewerb. Ferner wurden Naturalrabatte generell verboten und ab April ein zweijähriges Preismoratorium mit Preisstand November 2005 als Berechnungsbasis eingeführt. Dass es einen Trend zum kostengünstigen Verordnen gibt, zeigt sich daran, dass lediglich Generika ein Mengenwachstum (+5,2 Prozent) aufweisen konnten. Demgegenüber verloren andere Arz-neisegmente wie Alt-Originale mit abgelaufenem Patentschutz (-19,6 Prozent) und nachahmerfreie Originale (-1,6 Prozent). Im Jahr 2006 erhielten die Kassen einen Rabatt in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,1 Milliarden Euro auf die Apotheken und rund 980 Millionen Euro auf die Hersteller. Generikaunternehmen leisteten einen Anteil von 26 Prozent am gesamten Rabattvolumen der Hersteller. Wachstumstreiber bei einer insgesamt gedämpften GKV-Marktentwicklung waren nachahmerfreie Präparate (+8,8 Prozent).

Kommentar: Boom ausgeschlossen

Täglich werden die Deutschen beseelt von Meldungen über die in Fahrt kommende Wirtschaft. Man liest es, hört es und doch fällt der Glaube schwer.

 

Der Apotheken- und Arzneimittelmarkt ist ein gutes Beispiel dafür. Überreguliert und in Strukturen gezwängt, die der Politik nutzen, aber nicht denen, die in diesem Markt Leistungen erbringen und abfragen, bleiben Chancen dieses Marktes ungenutzt.

 

Die deutsche Politik hat sich entschieden, einer boomenden Branche Fesseln anzulegen. Das schmälert Innovationskraft, senkt den Mut zu Investitionen und tötet die Fantasie derjenigen ab, die sich für diesen Markt entschieden haben. Die Stagnation der Arzneiumsätze spricht nicht für eine Fortentwicklung des Marktes. Denn auch hier gilt: Stagnation ist Rückschritt.

 

Thomas Bellartz

Leiter der Hauptstadtredaktion

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