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So wirkt Ketamin antidepressiv

20.02.2018
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Von Annette Mende / Das Narkosemittel Ketamin wirkt antidepressiv, indem es bestimmte NMDA-Rezeptoren im ­sogenannten Zügelkern (Habenula) im Gehirn blockiert. Das hat eine Forschergruppe der Universität Zhejiang in Hangzhou in China in Tierexperimenten herausgefunden und im Fachjournal »Nature« publiziert (DOI: 10.1038/nature25509).

 

Ketamin hatte zuletzt für Furore gesorgt, weil es anders als die etablierten Antidepressiva sehr schnell zu einer Linderung der depressiven Verstimmung führen kann. Dabei handelt es sich um einen Off-Label-Gebrauch, denn Ketamin ist in dieser Indikation nicht zugelassen. 

 

Wie der Effekt zustande kommt, war bislang unklar. Das Verständnis des Wirk­mechanismus eröffnet nun die Möglichkeit, gezielt nach neuen, schnell wirkenden Antidepressiva zu suchen, schreiben die Forscher um Yan Yang.

 

Die Autoren bezeichnen die laterale ­Habenula, die sie als Wirkort des Ket­amins ausgemacht haben, als »Anti­belohnungszentrum«. Eine Stimulation bestimmter glutamaterger Neuronen in diesem Areal führe zu Hoffnungs­losigkeit und Anhedonie. Ketamin hemmt laut dem Artikel genau diese Neurone, die sich dadurch auszeichnen, dass sie mehrmals schnell hintereinander feuern, gefolgt von Ruhephasen. Um diese sogenannte phasische Aktivität auszulösen, braucht es sowohl die entsprechenden NMDA-Rezeptoren als auch spannungsabhängige Calcium­kanäle. Wird eine dieser beiden Komponenten medikamentös blockiert, setzt rasch ein antidepressiver Effekt ein.

 

Die Arbeit ist reine Grundlagenforschung, kann sich aber potenziell stark auf die klinische Praxis auswirken. Denn die lange Wirklatenz ist ein ­großes Manko der Antidepressiva. Um depressiven Patienten schnell eine Linderung ihrer Beschwerden zu ermög­lichen, werden Substanzen mit sofort einsetzender antidepressiver Wirkung dringend benötigt. /

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