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IGeL-Leistungen

Oft nutzlos oder schädlich

22.02.2017
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Von Anna Pannen, Berlin / Patienten sollen beim Arzt zu viele nutzlose Untersuchungen selbst bezahlen. Darauf haben die Macher des IGeL-Monitors vergangene Woche hingewiesen. Seit fünf Jahren bewertet die Einrichtung Selbstzahlerleistungen. Ergebnis: Die meisten bringen nichts oder schaden sogar.

»Diese Untersuchung wird von Ihrer Krankenkasse leider nicht bezahlt«. Wenn Patienten beim Arzt diesen Satz hören, ist von einer Individuellen Gesundheitsleistung (IGeL) die Rede. Fast alle Ärzte bieten solche Selbstzahler-Untersuchungen an. 

 

Dass diese oft nichts bringen oder sogar schädlich sind, betonen immer wieder die Mitarbeiter des sogenannten IGeL-Monitors. Angesiedelt ist dieser beim medizinischen Dienst der Gesetzlichen Krankenversicherung (MDS). Seit 2012 bewertet er IGeL-Untersuchungen anhand wissenschaftlicher Studien. Nach fünf Jahren Monitor falle die Bilanz leider negativ aus, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick vergangene Woche. Nur ein Bruchteil der insgesamt 45 bewerteten IGeL-Verfahren habe für gesunde Patienten überhaupt einen Nutzen. Vier IGeL-Leistungen hätten eine negative, 17 eine tendenziell negative Bewertung erhalten. Bei diesen Untersuchungen sei der Schaden also größer als der Nutzen.

 

»Nutzen-Bilanz unklar«

 

15 weitere Verfahren hätten das Ergebnis »Nutzen-Bilanz unklar« erhalten. Nur drei IGeL-Verfahren hätten eine tendenziell positive Bewertung erlangt, so Pick. Dennoch nehme jeder zweite Bürger eine ihm angebotene IGeL-Leistung wahr. Dies liege auch daran, dass Praxismitarbeiter die Patienten unter Druck setzten, beklagte er. Häufig würden sie schon bei der Anmeldung von einer Sprechstundenhilfe zur Zustimmung gedrängt, kein Arzt erläutere ihnen die Risiken der Untersuchung und ihnen werde nicht genügend Bedenkzeit eingeräumt. Auch eine Kostenaufstellung bekämen Pa­tienten oft nicht. »Das ist nicht hinnehmbar«, so Pick.

 

Seine MDS-Kollegin Michaela Eikermann erklärte, warum bestimmte Untersuchungen zwar bei Verdacht auf eine Krankheit nützlich seien, gesunden Menschen jedoch schaden. Auf der einen Seite könnten gesunde Patienten gut auf die Anstrengung eines Belastungs-EKGs oder die wochenlangen Sorgen nach einem falsch-positiven Untersuchungs-Ergebnis verzichten, sagte sie. Andererseits befürchtet sie, dass Patienten sich nach einem erfreulichen Untersuchungsergebnis in falscher Sicherheit wiegen und etwa einen ungesunden Lebensstil beibehalten. Pick zufolge schätzen viele Ärzte die Arbeit des IGeL-Monitors. Dennoch sieht er Ärzteorganisationen in der Pflicht, ihre Mitglieder häufiger zum korrekten Umgang mit diesen Leistungen aufzuklären. /

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