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E-Health

Nägel mit Köpfen

22.02.2017
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Von Ev Tebroke, Berlin / Der Aufbau einer Netzstruktur für digitale Gesundheitsdaten geht zwar langsam voran. Die Techniker Krankenkasse möchte aber nicht tatenlos abwarten. Sie will ihren Versicherten als Satzungsleistung die freiwillige Nutzung einer elektronischen Patientenakte anbieten. Auch Verbraucherschützer mahnen den Aufbau von patientenzentrierte Lösungen an.

Um die Umsetzung von E-Health zumindest für ihre Versicherten zu beschleunigen, treibt die Techniker Krankenkasse (TK) in Zusammenarbeit mit dem IT-Unternehmen IBM den Aufbau einer elektronischen Gesundheitsakte (EGA) voran. Das verkündete TK-Chef Jens Baas im Rahmen eines Symposiums der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen am 17. Februar in Berlin. Die Nutzung der EGA ist für die Versicherten freiwillig und kostenlos.

 

Der Patient bestimmt

 

Baas zufolge bedarf es eines gesicherten, zentralen Datenpools für alle Patientendaten, auf den Patienten, Heilberufler und Kasse bei Bedarf zugreifen können. Die Datensouveränität soll dabei stets beim Patienten liegen: Er bestimmt, wer wann auf welche Daten zugreifen darf. Auch die TK selbst habe keinen Zugriff auf die Daten, so Baas. Die Akte wird von IBM als »neutralem Dritten« auf einem Server in Deutschland gespeichert. Über eine spezielle App, soll der Patient auf seine Daten jederzeit zugreifen können.

 

»Statt zahlreicher Insellösungen brauchen wir eine zentrale Stelle, an der alle Daten über Patienten gespeichert sind«, betonte Baas. Deutschland drohe, das Thema Digitalisierung zu verschlafen. »Wenn wir weiter so langsam sind, laufen wir Gefahr, den Anschluss zu verlieren.« Die Situation zurzeit: Während der Markt der Gesundheits-Apps und Wearables boomt und immer mehr Menschen digitale Gesundheitsdaten erstellen, kann das Gesundheitswesen diese Daten bislang kaum nutzen, da ein gemeinsames Netz zum Datenaustausch fehlt. Erst ab 2018 soll eine entsprechende Telematik-Infrastruktur die flächendeckende Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) möglich machen. Solange will die TK nicht warten. Es gelte, dann an gute Lösungen andocken zu können und diese zu vernetzen. »Anknüpfungspunkt kann dabei die EGA sein«, sagte Baas.

 

Die Erwartungen der Öffentlichkeit bezüglich E-Health sind hoch. Einer Studie der TK zufolge geht die Mehrheit der Bevölkerung (72 Prozent) davon aus, dass in zehn Jahren alle behandelnden Personen im Gesundheitswesen auf wichtige Gesundheitsdaten zugreifen. Dementsprechend gibt es laut Studie auch große Zustimmung zur EGA. 28 Prozent der Befragten halten diese für sehr gut, 48 Prozent für gut. Die große Mehrheit möchte dabei selbst bestimmen, welche Daten in der EGA gespeichert werden und wer da­rauf zugreifen darf. Nach Ansicht von Baas kann nur die Gesetzliche Krankenversicherung als regulierte Institution den Aufbau und die Sicherung eines solchen Datenpools leisten.

 

Problem Transparenz

 

Das Problem sei, dass Digitalisierung Transparenz verlange. Interessengruppen wie etwa die Ärzte fürchteten dies oft, so der TK-Chef. Die beschwerliche Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) scheint diese Einschätzung zu untermauern. Mehr als fünf Jahre nach ihrer Einführung kann sie bislang nicht mehr als die Vorgängerkarte ohne Chip. Das E-Health-Gesetz hat zwar sanktionsbewehrte Fristen zur Umsetzung gesetzt. Wer nicht mitzieht, muss Strafe zahlen. Doch die Zeit, bis endlich ein flächendeckendes Netz zum Datenaustausch steht, sollte nicht ungenutzt verstreichen. Das mahnen auch Verbraucherschützer und fordern den Aufbau von Lösungen mit versichertenzentriertem Ansatz.

 

»Nutzer verlieren zurzeit die Kontrolle über ihre Daten«, mahnte der Leiter Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Ingmar Streese, angesichts mangelnder Transparenz vieler Gesundheits-Apps. Neben zertifizierten Qualitätsstandards für Sicherheitssiegel seien auch Angebote zu echter Patientenorientierung dringend vonnöten. So fordert der vzbv unter anderem den Aufbau eines nationalen Gesundheitsportals, in dem hochwertige Gesundheitsinfos gebündelt abrufbar sind. /

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