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In Geiselhaft

24.02.2016
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Vergangene Woche im »Stern« und in »Panorama«: Zwei Apotheker und ein einschlägig bekannter Pharmahändler, die mit Zytostatika handeln, bieten einem Arzt 250 000 Euro an. Als Gegenleistung soll dieser seine Zytostatika-Rezepte an die drei weiterleiten (lesen Sie dazu Zytostatika-Versorgung: Unter Korruptionsverdacht). Der Arzt geht allerdings nur zum Schein auf den Bestechungsversuch ein. Deshalb fliegen die drei auf. Das illegale Geschäftsmodell ist nicht neu. Der Pharmahändler hatte es 2009 mit seiner Firma Zyopharm bereits ausprobiert. Damals berichtete der »Spiegel« unter der Überschrift »Die Krebsmafia« darüber. Der Artikel im »Stern« trägt denselben Titel.

 

Es kann keinen Zweifel daran geben, dass sich die Apotheker und der Pharmahändler mit ihrem Plan weit jenseits geltenden Rechts bewegten. Wenn einem Arzt für sein Verschreibungsverhalten eine Viertel Million Euro geboten werden, dann braucht es kein Antikorruptionsgesetz, um diesen Rechtsbruch zu bestrafen. Die juristische Bewertung des Falls ist aber natürlich Aufgabe der Justiz.

 

Mit ihrem kriminellen Handeln haben die beiden Pharmazeuten und der Pharmahändler den Apothekern einen deutlichen Imageschaden beschert. Die wenigen schwarzen Schafe nehmen wieder einmal den Berufsstand in Geiselhaft. Wer weiß schon, wie wenige der knapp 20 000 Apotheken in Deutschland sich an der Zytostatikaversorgung beteiligen? Und natürlich ist nur ein Bruchteil dieser Apotheker auf Abwegen. Der Präsident der Zytostatika-herstellenden Apotheker, Klaus Peterseim, spricht gegenüber der PZ von Einzelfällen. Tatsache ist aber auch, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder Einzelfälle gab, unter denen das Image der Apotheker insgesamt litt. Noch mehr Einzelfälle können sich die Apotheker nicht leisten.

 

Peterseim setzt jetzt auf das Antikorruptionsgesetz, das solche Verfehlungen schärfer ahnden soll als bislang. Wenn es diese Erwartung erfüllt, dann wäre das schon ein Erfolg. Ob dem so ist, muss sich allerdings noch zeigen. Schön wäre es auch, wenn Heilberufler gar keine Drohkulisse brauchen, um bei etwas so Sensiblem wie der Versorgung von Tumorpatienten auf dem rechten Weg zu bleiben.

Daniel Rücker 

Chefredakteur

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