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Asthmatherapie sollte früh beginnen

21.02.2006
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Pharmacon Davos 2006

Asthmatherapie sollte früh beginnen

 

Frühzeitig diagnostizieren, frühzeitig therapieren, lautete die Empfehlung von Professor Dr. Michael Kabesch vom Dr.-von-Haunerschen-Kinderspital, München, zur Therapie von Atemwegserkrankungen im Kindesalter.

 

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Etwa 10 Prozent der deutschen Kinder sind von der entzündlichen Erkrankung, die durch eine Enge der Atemwege und Atemnot gekennzeichnet ist, betroffen. Insgesamt haben allergische Erkrankungen in den letzten Jahren dramatisch zugenommen, wobei Daten einer internationalen Studie (ISAAC) darauf hinweisen, dass etwa 1999 eventuell ein »Prävalenz-Gipfel« erreicht wurde.

 

Fest steht, dass an der Entstehung eines allergischen Asthmas sowohl Gene als auch Umweltfaktoren beteiligt sind. Weniger klar ist, welche Ursachen entscheidend an der Entwicklung beteiligt sind. So werden zum Beispiel der Einfluss von Stillen oder Nicht-Stillen oder sowie von einer Haustierhaltung oder dem Verzicht darauf als auslösende Faktoren kontrovers diskutiert. »Ganz entscheidend ist hier eine positive Familienanamnese«, so der Pädiater.

 

Einigkeit herrscht in der Fachwelt dagegen bei dem Faktor Passivrauchen, der nachweislich einen negativen Einfluss schon vor der Geburt hat. Dadurch wird zum Beispiel das Risiko für die Entwicklung von Asthma bronchiale von 1 auf das 1,3fache erhöht und die Lungenfunktion von 100 auf 98 Prozent erniedrigt. »Dies mag auf den ersten Blick fast vernachlässigbar erscheinen, sagte Kabesch. Dramatisch wird es jedoch bei Kindern, die einen Mangel an dem Enzym Gluthation-S-Transferase und dem Proteaseinhibitor Alpha-1-Antitrypsin (A1AT) aufweisen. Bei ihnen nimmt die Lungenfunktion durch Passivrauchen um 20 bis 30 Prozent ab.

 

Ein schützender Einfluss vor allergischen Erkrankungen wird dem so genannten »Bauernleben« zugeschrieben. Kinder von Bauern haben deutlich weniger Asthma, Heuschnupfen oder atopische Allergien als Kinder, die zwar auch auf dem Land, aber nicht auf einem Hof aufwachsen. Dabei scheint der protektive Effekt vor allem im ersten Lebensjahr stark ausgeprägt zu sein. Welche Exposition genau den schützenden Effekt ausmacht, ist noch unklar. Diskutiert werden Schimmelpilze, Tierprodukte, pflanzliche Produkte, Haare, Staub, anorganische Materialien und Bakterien.

 

»Was die Diagnostik betrifft, befinden wir uns in einem Dilemma, da es keine eindeutigen Bestimmungsparameter gibt«, sagte Kabesch. Dabei hängt der Erfolg der Therapie ganz entscheidend von deren Beginn ab: Bei einem ein- bis zweijährigen Kind könne man nur noch die Hälfte des Therapieerfolgs, verglichen mit einen halbjährigem Kind, erreichen. Die frühzeitige antientzündliche Therapie im Kleinkindalter wird inzwischen auch in internationalen Richtlinien empfohlen.

 

Zur Therapie stehen für Kinder Beta-Agonisten, Corticosteroide und Leukotrienantagonisten zur Verfügung. »Bewährt haben sich vor allem Kombinationen wie Budesonid und Formoterol«, so Kabesch. Entscheidend sei, dass die Therapie kindgerecht ist. So sei eine richtige Inhalationstechnik ausschließlich mit Inhalationshilfen möglich. Eine Studie zeigte, dass zum Beispiel bei nicht dicht anliegender Maske nur 0,1 Prozent des Wirkstoffs die Lunge erreichen. Der Hauptanteil verblieb im Nasen-Rachen-Raum. Weint das Kind während des Inhalierens, erreichen etwa 1 Prozent die Lunge, der Hauptteil verbleibt im Magen. Selbst bei ruhiger Atmung betrug die Lungendeposition nur 5 Prozent.

 

Einen neuen Ansatz biete zum Beispiel Ciclesonid, das durch Esterasen vor Ort zum aktiven Wirkstoff gespalten wird (On-site-Aktivierung). In England ist das Präparat bereits für Kinder zugelassen, in Deutschland wird die Zulassung für Patienten unter 18 Jahren noch in diesem Jahr erwartet.

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