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Warum man hinterher hungriger ist

14.02.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Was es so schwierig macht, nach einer erfolgreichen Gewichtsreduktion das Gewicht zu halten, haben nun norwegische Forscher herausbekommen: Ein Aspekt des sogenannten Jo-Jo-Effekts ist, dass der Magen nach einer Gewichtsreduktion vermehrt das appetitanregende Hormon Ghrelin ausschüttet. Das berichten Silvia Coutinho und ihre Kollegen von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim im »American Journal of Physiology, Endocrinology and Metabolism« (DOI: 10.1152/ajpendo.00322.2017).

 

Das Team untersuchte die Hunger- und Sättigungsbotenstoffe in einer Studie mit 35 adipösen Patienten, die an einem über zwei Jahre andauernden Programm zur Gewichtsreduktion teilnahmen. Die Probanden wogen zu Beginn der Studie im Durchschnitt 125 Kilogramm. Sie nahmen in den zwei Jahren durchschnittlich 11 Kilogramm ab, davon etwa 5 Kilogramm in den ersten drei Wochen, die sie in einem spezialisierten Adipositaszentrum verbrachten.

Neben Körpergewicht wurden unter anderem auch der gefühlte Appetit und die Plasmakonzentrationen von Insulin, Ghrelin und den sättigungsvermittelnden Botenstoffen Peptid YY und Cholecystokinin (CCK) zu vier Zeitpunkten ermittelt: zu Beginn der Studie, nach vier Wochen, einem Jahr und nach zwei Jahren. Hungergefühle waren nach einem und nach zwei Jahren deutlich stärker als zu Beginn, berichten die Forscher. Die Ghrelin- und die Peptid-YY-Werte waren zu allen Zeitpunkten stark erhöht und der Insulinspiegel erniedrigt im Vergleich zum Studienbeginn. Der CCK-Spiegel war nach zwei Jahren erhöht.

 

Wer deutlich an Gewicht verliert, muss über längere Zeit mit verstärkten Hungergefühlen und einem erhöhten Ghrelin-Level rechnen, so das Fazit der Forscher. Allerdings werden nach dem Essen auch verstärkt Sättigungshormone ausgeschüttet, wobei die Hungersignale wohl überwiegen. Aufgrund der Ergebnisse fordert Seniorautorin Professor Dr. Catia Martins Adipositas als chronische Erkrankung anzusehen. Man könne Übergewichtige nicht kurzfristig behandeln, sie bräuchten längerfristige Unterstützung. /

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