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Antibiotika

Malacidine wirken gegen multiresistente Keime

14.02.2018
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Von Judith Lorenz / Bakterielle Krankheitserreger entwickeln zunehmend Resistenzen gegen gängige Antibiotika. Doch es gibt Hoffnung: Wissenschaftler um Dr. Sean Brady von der Rockefeller Universität in New York haben eine neue Antibiotika-Klasse isoliert, die auch gegen multiresistente Keime wirkt und unter Laborbedingungen ­offenbar selbst keine Resistenzentwicklung induziert. Ihre Forschungs­ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal »Nature Microbiology« (DOI: 10.1038/s41564-018-0110-1).

 

Entdeckt wurde die neue Antibiotika-Familie durch ein systematisches Screening von mehr als 2000 Bodenproben aus verschiedenen Regionen der USA. Vielversprechende Gen­sequenzen der darin enthaltenen Mikroorganismen wurden extrahiert und anschließend von Bakterienkulturen synthetisiert.

Bei den auf diese Weise gefundenen Wirkstoffen Malacidin A und B handelt es sich um zyklische Lipopeptide, die ihre antibakterielle Wirkung nur in Anwesenheit von Calciumionen entfalten. Sie interagieren mit dem Vorläufermolekül Lipid II, das bei der Synthese der Bakterien­zellwand eine Schlüsselrolle spielt, und zeigen ein breites Wirkungsspektrum gegen eine Reihe grampositiver Erreger. Auch Keime mit Resistenzen gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Antibiotika-Klassen, darunter das Reserveantibiotikum Vancomycin, erwiesen sich als Malacidin-sensibel. Ferner konnten die US-Forscher an Ratten zeigen, dass Malacidin A zu einer Keim-Eradikation in mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) infizierten Hautwunden führt. Alle Versuche, bakterielle Resistenzen gegenüber den Malacidinen zu erzeugen, scheiterten. Dabei hatten auch hohe Wirkstoffdosen keine zytotoxischen Effekte auf Säugetierzellen.

 

Nur ein Bruchteil der von Umwelt­organismen produzierten antimikro­biell wirksamen Substanzen ist bislang erforscht, so das Fazit von Brady. Weltweit warten im Erdboden viele noch unbekannte, aber hochpotente Wirkstoffe auf ihre Entdeckung. /

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