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Humane Papillomviren

Impfung auch für Jungen?

14.02.2018
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Von Brigitte M. Gensthaler / Seit zehn Jahren, empfiehlt die Ständige Impfkommission die Grundimmunisierung gegen humane Papillomaviren für alle Mädchen. Da die Impfstoffe geschlechter­unabhängig zugelassen sind, können auch Jungen geimpft werden. Die Kassen sind aber nicht verpflichtet, dies zu bezahlen.

Humane Papillomaviren (HPV) gelten als die weltweit am häufigsten sexuell übertragenen Viren; weltweit sind 5 bis 10 Prozent aller Krebserkrankung HPV-bedingt. Nur eine persistierende Infektion könne zu einem invasiven Tumor führen, berichtete der Münchner Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Fendel bei einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer.

 

Tumore bei Männern und Frauen

Im Fokus stehen Gebärmutterhals- Tumoren: Bei 99,7 Prozent werden HP-Viren, vor allem die Subtypen 16 und 18 gefunden. Allerdings seien Männer und Frauen gleichermaßen von HPV-assoziierten Karzinomen betroffen, nur an anderen Organen. Während bei Frauen das Zervixkarzinom dominiert, sind es bei Männern vor allem Kopf-Hals-, Anal- und Peniskarzinome. »Daher wird HPV-Impfung in vielen Ländern auch für Jungen empfohlen.« Zum Schutz vor HPV-induzierten Krebserkrankungen gibt es seit mehr als zehn Jahren entsprechende HPV-Impfstoffe. Während die STIKO zunächst die Impfung für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfahl, senkte sie im August 2014 das Impfalter auf 9 bis 14 Jahre und empfahl nur noch zwei statt vorher drei Dosen für eine vollständige Immunisierung. Die Durchimpfungsquote ist relativ niedrig: Sie liegt bei 15-jährigen Mädchen in Deutschland durchschnittlich bei 31 Prozent, berichtete Fendel.

 

Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren sollen zwei Impfungen im Abstand von 5 bis 13 Monaten erhalten. Wurde der zeitliche Mindestabstand unterschritten, ist eine dritte Dosis notwendig. Drei Impfstoffdosen (Abstand 0, zwei und sechs Monate) bekommen auch Frauen, die bei der ersten Impfung 15 Jahre oder älter ist. Die Gabe der neunvalenten HPV-Vakzine (Gardasil 9®) unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der des quadrivalenten oder bivalenten Impfstoffs (Gardasil® und Cervarix®). Eine Impfserie sollte aber möglichst mit dem Impfstoff vervollständigt werden, mit dem sie begonnen wurde, rät das Robert-Koch-Institut. Ist dies nicht möglich, kann zum Beispiel eine mit dem quadrivalenten Impfstoff begonnene Serie mit dem neunvalenten komplettiert werden.

HPV-Steckbrief

Bei HPV handelt es sich um kleine, unbehüllte Viren mit doppelsträngigem DNA-Genom aus der Familie der Papillomaviridae, die Haut und Schleimhäute besiedeln. Bislang sind etwa 170 verschiedene Sub­typen bekannt. 30 von ihnen rufen Infektionen im Genitalbereich hervor. Im Laufe des Lebens infiziert sich fast jeder Mensch mit HPV. Die Viren werden über Hautkontakt, ­Geschlechtsverkehr oder beim Geburtsvorgang von der Mutter auf das Kind übertragen.

Vermutlich schützt eine vollständige Grundimmunisierung lange vor Infektionen mit den Virus-Genotypen, die durch den jeweiligen Impfstoff abgedeckt werden. Eine Auffrisch- Impfung wird derzeit nicht empfohlen, sagte der Arzt.

 

Effektive Herdenimmunität

 

Studien zeigen, dass die HPV-Impfung auch bei Jungen und jungen Männern wirksam ist und hohe Antikörper-Titer erreicht werden. Nach Daten aus Aus­tralien, das Impfprogramme für beide Geschlechter anbietet, seien die Neu­infektionen an Genitalwarzen bei Frauen und heterosexuellen Männern unter 21 Jahren innerhalb kurzer Zeit um 90 sowie 87 Prozent zurückgegangen, berichtete der Arzt. Auch in puncto Herdenschutz ist die Impfung sehr effektiv. Dies bedeutet, dass ungeimpfte Männer und Frauen, die sexuelle Kontakte zu geimpften Personen haben, ebenfalls gegen HPV geschützt sind.

 

Fendel erwartet, dass die STIKO die HPV-Impfung bald auch für Jungen empfehlen wird. Derzeit untersucht sie die vorliegende Evidenz zur HPV- Jungen-Impfung, um die Einführung einer Routine-Empfehlung neu bewerten zu können. Die aktuellen Impfstoffe sind geschlechterunabhängig zugelassen, sodass Ärzte jetzt schon Jungen ab neun Jahren gegen HPV impfen dürfen. Allerdings müssen die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. /

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