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Brustkrebs

Geht es auch ohne OP?

14.02.2018
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Von Judith Lorenz / Oft kann eine neo­adjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs alle Tumorzellen zerstören. Ist dann eine Operation wie derzeit üblich überhaupt noch nötig? Bei einigen ­Patientinnen in Zukunft vermutlich nicht, glauben Professor Dr. Jörg Heil vom Brustkrebszentrum der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg und Kollegen. In der Fachzeitschrift »Geburtshilfe und Frauenheilkunde« haben sie die aktuelle Studienlage zusammengefasst (DOI: 10.1055/s-0043-124082).

 

Schrumpft der Tumor nach der Zytostatika-Vorbehandlung, steigen die Chancen auf eine anschließende brust­erhaltende chirurgische Therapie. Häufig wirkt die Chemotherapie sogar so gut, dass bei der nachfolgenden Untersuchung des entfernten Gewebes gar keine Tumorzellen mehr nachweisbar sind: Bei bis zu 60 Prozent der dreifach negativen und HER2-positiven Karzinome tritt eine solche pathologische Komplettremission ein.

»Die Patientinnen und auch wir fragen uns, ob nicht in manchen Fällen nach einer neoadjuvanten Chemotherapie auf eine Operation sowie vielleicht auch auf eine Bestrahlung verzichtet werden könnte«, so Heil in einer Pressemitteilung des Georg Thieme Verlags.

 

Auf die Operation könnte allerdings nur dann verzichtet werden, wenn sich dieses Vorgehen nicht ungünstig auf die Prognose auswirkt und wenn das Tumoransprechen auf die Chemotherapie sicher beurteilt werden kann. Das Problem: Die gängigen bildgebenden Verfahren – MRT, Mammografie, Sonografie, PET/CT – sind hierzu gegenwärtig nicht in der Lage, sodass eine Operation bislang aus diagnostischen Gründen unverzichtbar ist.

 

Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit der Frage, ob durch eine minimalinvasive Biopsie des ehemaligen Tumorareals eine pathologische Komplettremission zuverlässig nachgewiesen werden kann. Die höchste Diagnosegenauigkeit im Vergleich zur Stanz- und Feinnadelbiopsie scheint die Vakuumbiopsie zu haben: Eine erste Pilotstudie an der Universität Heidelberg bescheinigt dem ultraschallgesteuerten Verfahren einen hohen negativen Vorhersagewert von 94,4 Prozent sowie eine Falsch-negativ-Rate von 4,8 Prozent. Ähnliche Ergebnisse berichten US-Wissenschaftler vom MD Anderson Cancer Center in Houston.

 

Zurzeit befindet sich eine große prospektive Bestätigungsstudie in der Rekru­tierungsphase: Bei 600 Mammakarzinom-Patientinnen soll mittels Vakuum­biopsie das Tumoransprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie überprüft werden. Alle werden nach der Chemo noch operiert, um die ­Zuverlässigkeit der Biopsie zu prüfen. Die Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen. Bewährt sich die Methode, könnten ausgewählte Patientinnen in einer Folgestudie nur mit Chemotherapie behandelt werden. /

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