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Geld oder Leben

Verzicht auf Tabletten wäre Patienten viel wert

11.02.2015
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PZ / Wie viel Geld oder Lebenszeit würden Menschen hergeben, um nicht täglich Medikamente einnehmen zu müssen? Dieser Frage gingen US-amerikanische Wissenschaftler um Professor Dr. Robert Hutchins von der University of California in San Francisco nach, die wissen wollten, was tägliches Tablettenschlucken für die Lebensqualität bedeutet.

 

Im Fachblatt »Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes« berichten sie, dass es einer von drei Befragten in Kauf nehmen würde, kürzer zu leben, wenn sich damit die tägliche Einnahme einer Tablette gegen Herzkrankheiten vermeiden ließe (DOI: 10.1161/CIRCOUTCOMES.114.001240).

Etwa jeder Fünfte würde eine Zeitspanne zwischen einer Woche und einem Jahr eintauschen, mehr als 8 Prozent der Studienteilnehmer würden sogar auf bis zu zwei Jahre ihrer Lebenszeit verzichten. Ebenfalls etwa jeder Fünfte gab an, dass er einen Betrag von 1000 US-Dollar (etwa 870 Euro) oder mehr bezahlen würde, um nicht für den Rest seines Lebens Tabletten schlucken zu müssen. 9 Prozent glaubten, sie würden dafür ein um 10 Prozent höheres Risiko für einen plötzlichen Tod hinnehmen.

 

Die lebenslange tägliche Einnahme von Herzmedikamenten sehen manche Menschen demnach skeptisch und vermuten, dass sie ihre Lebensqualität einschränken würde. Diese Patienten zu identifizieren und zu einer guten Ad­härenz zu motivieren, ist eine große Herausforderung für Ärzte und Apotheker. Doch empfinden offenbar längst nicht alle Betroffenen die Pflicht zur täglichen Tabletteneinnahme als so belastend, denn ein Großteil der Befragten sprach sich für die Medikamenteneinnahme aus. 62 Prozent würden nicht das geringste Risiko eingehen wollen, früher zu sterben, 70 Prozent würden nicht eine Woche ihrer Lebenszeit für ein pillenfreies Leben eintauschen und 43 Prozent würden dafür nicht einen Cent bezahlen.

 

Für ihre Arbeit hatten die Forscher 1000 Personen mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren über das Internet befragt. Die Fragestellung sei zwar rein hypothetisch gewesen und der Einfluss auf die Lebensqualität vielleicht nicht so groß, dennoch seien ihre Erkenntnisse wichtig, wenn man die große Zahl an Menschen bedenke, die ein Leben lang regelmäßig Herzmedikamente einnehmen müssten, so die Forscher. /

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