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Typ-1-Diabetes kostet Frauen mehr Lebensjahre als Männer

11.02.2015
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Von Annette Mende / Frauen, die an Typ-1-Diabetes leiden, verlieren durch ihre Erkrankung mehr Lebenszeit als Männer in der gleichen Situation. Das hat eine jetzt im Fachjournal »The Lancet Diabetes & Endocrinology« veröffentlichte Studie ergeben (DOI: 10.1016/S2213-8587(14)70248-7).

 

Die Autoren um Professor Dr. Rachel Huxley von der University of Queensland in Australien kommen zu diesem Schluss nach Auswertung von 26 Langzeitstudien mit insgesamt 214 114 männlichen und weiblichen Typ-1-Diabetikern. Demnach fällt der Anstieg des Risikos für einen vorzeitigen Tod bei Frauen mit der Erkrankung um fast 40 Prozent größer aus als bei Männern. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Herz-Kreislauf-assoziierten Todesursachen.

 

Typ-1-Diabetiker haben wegen der akuten und chronischen Folgen von Hyper- oder Hypoglykämien eine niedrigere Lebenserwartung als Menschen ohne die Erkrankung. So ist die Sterblichkeit betroffener Kinder und Jugendlicher etwa doppelt so hoch wie die stoffwechselgesunder Gleichaltriger, vor allem aufgrund akuter metabolischer Komplikationen wie Ketoazidose und Hyperglykämie. Im höheren Lebensalter stehen Schäden am Herz-Kreislauf-System im Vordergrund: Die kardiovaskuläre Mortalität von Senioren mit Typ-1-Diabetes liegt mehr als zehnfach über der der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung. Frühere Studien hatten Hinweise darauf ergeben, dass dieser Risikoanstieg nicht für beide Geschlechter gleich ausfällt; genaue Zahlen sollte die jetzt vorgelegte Metaanalyse liefern.

 

Sie bestätigte die Hinweise eindrucksvoll: Die Autoren fanden einen um 37 Prozent größeren Anstieg des Sterberisikos bei Frauen mit Typ-1-Diabetes als bei Männern. Auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bezogen fiel der Risikoanstieg bei Frauen sogar rund doppelt so groß aus wie bei Männern. »Üblicherweise leben Frauen eigentlich länger als Männer. Offenbar ist dieser weibliche Schutz bei Typ-1-Diabetikern aber aufgehoben«, kommentiert Huxley die Ergebnisse in einer Pressemitteilung.

 

Wie lässt sich das erklären? Die Autoren halten Probleme mit der Insulin-Therapie, mit denen Frauen häufiger zu kämpfen hätten als Männer, für eine wahrscheinliche Ursache. Infolgedessen komme es häufiger zu Hyperglyk­ämien – mit den bekannten Folgen für das Herz-Kreislauf-System. Studien zufolge hätten insbesondere junge Mädchen und Frauen meist deutlich schlechtere HbA1c-Werte als Jungen und junge Männer, obwohl weibliche Typ-1-Diabetiker häufiger mit Insulinpumpen versorgt würden. Vermutlich sei die Insulinsensitivität pubertierender Mädchen schlechter als die gleichaltriger Jungen, zudem litten Mädchen häufiger unter Essstörungen und würden Insulin öfter unterdosieren. Als eine andere mögliche Erklärung für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko nennen die Autoren Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse, die bei Typ-1-Diabetes nachweislich vorliegen. Sie können unter anderem ein verspätetes Eintreten der ersten Regelblutung in der Pubertät (Menarche), Zyklusstörungen und eine frühzeitige Menopause zur Folge haben.

 

Woran auch immer es liegen mag: Die Ursachen für den beobachteten Unterschied zwischen den Geschlechtern sollten so schnell wie möglich aufgeklärt und daraus nach Möglichkeit spezifische Behandlungsansätze für Frauen mit Typ-1-Diabetes abgeleitet werden. /

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