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Morbus Parkinson

Chance auf ein langes Leben

12.02.2014
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Morbus Parkinson ist nach Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Beide Krankheiten können bis heute nicht kausal behandelt werden. Allerdings gibt es für Parkinson-Patienten deutlich bessere therapeutische Optionen.

»Rechtzeitig diagnostizierte Menschen mit Morbus Parkinson haben heute eine normale Lebenserwartung«, konstatierte Professor Dr. Holger Stark, pharmazeutischer Chemiker an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. In Deutschland leben bis zu 400.000 Parkinsonpatienten. 

Das Erkrankungsrisiko korreliert mit dem Lebensalter. Rund 3 Prozent der Menschen über 80 Jahre sind erkrankt. In der Gruppe der 65-Jährigen sind es halb so viele. Es gibt aber auch eine deutlich seltenere juvenile Parkinson-Variante, die sich bereits vor dem vierzigsten Lebensjahr zeigt.Auslöser für die Erkrankung ist der Untergang von Neuronen im Gehirn. Betroffen sind vor allem die dopaminergen Zellen der Substantia nigra, ein Areal im Mittelhirn. Ursprünglich seien Wissenschaftler davon ausgegangen, dies sei die einzige betroffene Region im Gehirn. Heute wisse man aber, dass auch andere Regionen, zum Beispiel das Riechzen­trum, betroffen sind.

 

Im Mittelpunkt der Erkrankung steht der Dopaminmangel im Gehirn. Dadurch kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Dopamin und den beiden Transmittern Glutamat und Acetylcholin. Auffälligstes Symptom der Erkrankung ist der Tremor, der Arme und Beine auch in Ruhestellung zittern lässt. Hinzu kommen Bewegungsstarre (Akinese) und Muskelsteifigkeit (Rigor) sowie eine Haltungsinstabilität (posturale Instabilität). Neben diesen Hauptsymptomen treten auch Apathie, Obstipation und Schlafstörungen auf. In späten Stadien können kognitive Einschränkungen bis hin zur Demenz vorkommen.

 

Schwerpunkt liegt auf medikamentöser Therapie

 

Erfreulicherweise gibt es heute eine ganze Reihe von Therapieoptionen, wobei Medikamente ganz klar im Mittelpunkt stehen. Ziel der Arzneimitteltherapie ist es, den Dopaminmangel zu beheben und das Gleichgewicht der Neurotransmitter wiederherzustellen. Für die Dopaminsubstitution würden heute vor allem Levodopa, die hirngängige Vorstufe des Neurotransmitters, und verschiedene Dopamin-Analoga eingesetzt, erklärte Stark. Hinzu komme ein Decarboxylase-Hemmer wie Carbi­dopa oder Benserazid. Diese verhindern, dass Levodopa bereits vor der Passage durch die Blut-Hirn-Schranke decarboxyliert wird und dadurch seine Hirngängigkeit verlieren würde. Im Hirn übernehmen dann Decarboxylasen die Aufgabe, das Prodrug Levodopa in Dopamin umzuwandeln. Bei der dopaminergen Behandlung sollte die Therapie grundsätzlich mit einer möglichst niedrigen Dosierung begonnen werden, sagte Stark. So blieben bei einer Progression der lebenslangen Erkrankung möglichst viele Therapie­optionen übrig.

 

Tiefe Hirnstimulation als Ergänzung

 

Auch Dopaminagonisten können den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen, zum Beispiel solche vom Nicht-Ergolintyp, etwa Pramipexol und Ropinirol, oder Mutterkornderivate wie Pergolid oder Cabergolin. Ein höherer Dopaminspiegel lässt sich aber auch erreichen, indem man den Abbau des Transmitters und seiner Vorstufe hemmt. Dazu müssen die beiden dafür zuständigen Enzyme, MAO (Monoaminoxidase)-B und COMT (Catecholamin-O-Methyltransferase) gehemmt werden. Dabei dürfen COMT-Hemmer wie Entacapon oder Tolcapon laut Stark nur zusammen mit L-Dopa eingesetzt werden, während MAO-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin auch als Monotherapie verabreicht werden dürfen.

 

Ein weiterer Therapieansatz besteht darin, die beiden an der Pathophysiologie ebenfalls beteiligten Transmitter Glutamat und Acetylcholin herunter zu regulieren. Dies geschieht mit den NMDA (N-Methyl-D-Aspartat)-Antagonisten Amantadin und Budipin. Der NMDA-Rezeptor ist ein Subtyp des Glutamatrezeptors. Ebenso lässt sich die Acetylcholin-Konzentration mittels Anti­cholinergika senken.

 

Neben medikamentösen Therapien gebe es eine Reihe weiterer Optionen, sagte Stark. Das größte öffentliche Interesse hat dabei sicherlich die sogenannte »Tiefe Hirnstimulation« erregt. Hier werden Hirnareale über zwei in das Gehirn implantierte Elektroden stimuliert. Angewendet wird diese Technik als Ergänzung zur Arzneimitteltherapie, wenn es nicht gelingt, die Erkrankung allein mit Medikamenten in den Griff zu bekommen.

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