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Pille danach

Gröhe will keine Freigabe

12.02.2014
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Von Ev Tebroke / Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) spricht sich explizit gegen die Freigabe der Pille danach aus. Bei Sozialdemokraten und Opposition sorgt das für Unbehagen.

Im Interview mit der »Welt am Sonntag« sagte Gröhe: »Wir brauchen einen zügigen, diskriminierungsfreien Zugang zur Pille danach und wir brauchen eine gute Beratung. Dies ist am besten gewährleistet, wenn es bei der Verschreibungspflicht bleibt.« Damit stellt sich der Minister gegen die Empfehlung des zuständigen Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht, der Mitte Januar die Aufhebung der Rezeptpflicht erneut empfohlen hatte. Auch der Bundesrat hatte sich im vergangenen Herbst für die Rezeptfreiheit des Notfallkontrazeptivums mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ausgesprochen.

 

Schwere Nebenwirkungen

 

Nach Ansicht von Gröhe ist eine Rezeptpflicht aber notwendig, da es sich um einen Wirkstoff handele, der «in Einzelfällen auch schwere Nebenwirkungen hat«. Zudem sei in Deutschland überall und jederzeit ein schneller Zugang zu einem Arzt möglich, etwa auch in der Notfallambulanz der Krankenhäuser. Natürlich könnten auch die Apotheker beraten, so der Gesundheitsminister. Ob das aber im Notdienst an der Fensterklappe in ausreichender Weise geschehen könne, darüber lasse sich streiten.

 

Die Opposition reagierte empört und wirft dem Minister eine Blockadehaltung und Realitätsferne vor. »Gesundheitsminister Gröhe ist von der Lebensrealität offensichtlich weit entfernt«, kritisierte die Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft der Grünen, Kordula Schulz-Asche. Die Pille danach sei wesentlich für Frauen, die in Not geraten sind, um selbstbestimmt und schnell agieren zu können.

 

Gröhes Haltung sorgt auch für Missmut beim Koalitionspartner SPD, der ebenfalls für die Aufhebung der Rezeptpflicht ist. »Das ist eine Bevormundung von Frauen, denen in einer Notlage die Ausübung ihrer Rechte vorenthalten wird«, sagte der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Karl Lauterbach, der »Süddeutschen Zeitung« zufolge. Die SPD werde zu einem späteren Zeitpunkt womöglich gegen Gröhes Entscheidung vorgehen. »Denkbar wäre zum Beispiel eine Initiative des Bundesrates«, so Lauterbach. /

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