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Antiaging

Präparate mit geringem Nutzen

15.02.2011
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Der Antiaging-Markt boomt. Hormonpräparate sollen helfen, die offen­baren Spuren des Alters zu verwischen. Der Nutzen solcher Arzneimittel als Antiaging-Präparate ist aber begrenzt, sagt der Dermatologe Professor Dr. Roland Kaufmann.

»Der Bedarf, Lösungen für die erkennbaren Auswirkungen des Alterns zu finden, steigt«, konstatierte Kaufmann mit Blick auf die demografische Entwicklung in den meisten Ländern. 2025 werde es weltweit rund 1,1 Milliarden postmenopausale Frauen geben. Diesen Markt bedient die pharmazeutische Industrie schon heute mit topischen Hormonpräparaten. Doch nur in den seltensten Fällen gebe es Hinweise auf deren Wirksamkeit, so Kaufmann, der Direktor der Klinik für Dermatologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main ist.

Der Versuch, Alterungsprozesse der Haut mit Hormonen, vor allem Estrogenen, Testosteron, DHEA oder Wachs­tums­hormonen, zu behandeln, sei naheliegend, sagte Kaufmann. Schließlich sinke der Hormonspiegel im Alter. Allerdings müsse die Frage beachtet werden, »ob wir altern, weil wir weniger Hormone produzieren, oder ob wir weniger Hormone produzieren, weil wir altern«. Kaufmann hält die zweite Variante für richtig. Damit lasse sich auch begründen, warum die Wirksamkeit der Präparate klinisch selten belegt ist.

 

Das gilt unter anderem für die Estrogene. Völlig wirkungs­los seien topisch angewendete Präparate zwar nicht, wie der Mediziner ausführt. Die Wirksamkeit sei aber kein Effekt des Estrogens, sondern ein »hoch­signifkanter Placebo-Effekt«. Zudem könne hier, wie bei anderen topischen Zubereitungen, bereits die Salbengrundlage einen positiven Effekt auf die Haut haben. Anders ist die Datenlage bei der systemischen Gabe von Estrogenen zur Behandlung und Vermeidung der Urogenitalatrophie. Hier sei der Nutzen unstrittig. Für die Verzögerung von Alterungs­prozessen der Haut empfiehlt die Leitlinie der AWMF den Einsatz von Hormonen jedoch nicht.

 

Für Testosteron, dem positive Effekte auf Hirnleistung, Muskelkraft, Knochendichte oder Libido nachgesagt werden, gibt es ebenfalls keine validen Belege, dass es die Hautalterung aufhält. Es existierten sogar Zweifel, ob es zwischen den Symptomen und dem niedrigeren Testo­steronspiegel überhaupt einen Zusammenhang gebe, sagte Kaufmann. Humanes Wachstumshormon (hGH, auch Somatotropin genannt) fördert ebenfalls Knochenwachstum und Muskelaufbau. Doch analog zum Testosteron verbessere die topische Anwendung von hGH den Zustand der alternden Haut nicht.

 

Nicht viel besser ist es um die Datenlage zu DHEA (Dehydroepiandrosteron) bestellt. Im Tierexperiment habe die Substanz zwar altersbedingte Erkrankungen vermindert und die Haut der Versuchs­tiere feuchter und dicker werden lassen. Beim Menschen gebe es für diese Effekte jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis. Gänzlich den Stab über DHEA brechen mochte Kaufmann allerdings nicht. Bei postmenopausalen Frauen entstehen Estrogene ausschließlich über DHEA. Deshalb müsse seine Wirksamkeit in der Hormonersatztherapie weiter untersucht werden.

 

Kaufmanns Urteil über die Wirksamkeit von Phytohormonen fällt auch nicht besser aus. Die Isoflavone von Soja, Rotklee oder Traubensilberkerze binden zwar an Estradiolrezeptoren. Für ihre Fähigkeit, Alterungsprozesse zu verzögern, gebe es aber keinen Beleg. Gleichzeitig warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung sogar vor der Einnahme von Nahrungs­ergänzungsmitteln mit hohem Isoflavongehalt. Wer Isoflavone zu sich nehmen wolle, der sollte dies in Form einer mediterranen oder asiatischen Diät tun, aber auf künstlich angereicherte Lebensmittel verzichten, empfiehlt Kaufmann.

 

Zum Ende seines Vortrages hatte der Dermatologe dann doch noch eine etwas positivere Botschaft für die Pharmacon-Teilnehmer. Hormonpräparate können Alterungsprozesse der Haut zwar nicht verhindern. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Schutz gibt. Am wirkungsvollsten sei es, schädigende Noxen zu vermeiden. UV-Licht und Nikotin beschleunigten den sichtbaren Verfall der Haut erheblich. Zudem gibt es weitere medizinische Optionen gegen Falten und andere Alterungserscheinungen. In seinem Skript zum Vortrag erwähnte der Mediziner neben topischen Retinoiden und Peelings Injektionen von Botulinumtoxin, allerdings ohne deren Einsatz zu bewerten.

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