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Diabetes

Individuell intervenieren

15.02.2011
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Gerade Diabetes-Patienten sind eine dankbare Klientel für professionelle Pharmazeutische Betreuung. Apotheker können helfen, individuell zu intervenieren. Das kann den Therapieerfolg deutlich erhöhen.

Nicht nur die »Erstinstruktion« nach Dia­gnose, sondern auch neue oder geänderte Therapiepläne bei Typ-1-Diabetes müssen gezielte Informationen über Gründe, den weiteren Verlauf, Komplikationen und Therapieziele beinhalten, so Professor Dr. Kurt Hersberger, Basel. Der Patient muss wissen, wie er Alarmsymptome, also Hypo- und Hyperglykämie, beherrschen kann. Er muss über neueste Erkenntnisse zur Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie über Neuerungen in der Körper- und Fußpflege eingewiesen werden. Der diabetische Fuß gilt als gefürchtete Spätkomplikation. Stärkste Waffe in der Bekämpfung ist regelmäßige Kontrolle.

Menschen mit Diabetes mellitus, die ihren Blutzucker regelmäßig selbst bestimmen, haben eine höhere Lebenserwartung und eine bessere Lebensqualität. Je häufiger der Blutzucker bestimmt wird, desto besser lässt sich die Insulingabe abstimmen und desto seltener sind Folgeschäden wie Herzinfarkt, Nephro- und Retinopathie.

 

Die Selbstkontrolle ist wichtig gerade für insulinpflichtige Diabetiker. Hierbei kann jedoch einiges schiefgehen. Daher ist hier die besondere Aufmerksamkeit des Apothekers angezeigt, so der Referent. Die Blutzucker-Selbstkontrolle muss im Fokus der Patientenschulung stehen, daher sei die Bedeutung der grafischen Darstellung der mithilfe von Messgeräten gewonnenen Daten nicht zu unterschätzen. »Die Apotheke kann Unterstützung zum Beispiel bei der monatlichen Auswertung bieten.«

 

Jedes neue Hilfsmittel, jedes neue Mess­gerät, jeder neue Applikator bedarf der detaillierten Einweisung, betonte Hersberger, der von einem großen Beratungsbedarf sprach. Die generelle Medikations­analyse auch im Rahmen von Hausbesuchen lohne sich und trage zur Stärkung der Kundenbindung bei. »Das alles geht jedoch nur in Zusammenarbeit mit dem Arzt«, so der niedergelassene Pharmazeut mit eigener Apotheke, der auch als Hochschullehrer an der Universität Basel tätig ist.

 

Die Änderung des Lebensstils spielt Studien gemäß in der Vorbeugung und im Krankheitsverlauf des Typ-2-Diabetes eine besondere Rolle. Durch gezieltes (Prä-)Screening kann die Apotheke einen bedeutenden Beitrag sowohl in der Prävention als auch in der Therapieoptimierung leisten.

»Jedes neue Messgerät bedarf der detaillierten Einweisung.«

Die Pharmazeutische Betreuung muss nicht nur Fragen zur Familienanamnese sowie Informationen über Gefahren durch mangelnde Bewegung und Nikotinabusus beinhalten. Sie muss auch die regelmäßige Bestimmung des Risikoprofils unter anderem durch Messung des Blutdrucks, der Blutglucose, der Triglyceride, des HDL- und LDL-Cholesterols sowie des Bauchumfangs umfassen. Ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus und HerzKreislauf-Erkrankungen besteht bei Frauen mit mehr als 88 cm, bei Männern mit mehr als 102 cm Taillenumfang. Hersberger plädierte für die erhöhte Sensitivität und Spezifität bei der Suche nach Risikopersonen, die noch keine Pharmakotherapie benötigen, sondern vor allem von der Änderung des Lebensstils profitieren.

 

Im Verlauf einer Diabetes-Erkrankung nehmen Begleiterkrankungen meistens zu. Psychische Probleme und Depressionen können die Therapie erschweren und die Prognose verschlechtern. Auch die zunehmende Komedikation mache die Intensivierung der Zuwendung notwendig. Multimorbidität berge zudem ein erhöhtes Risiko für Interaktionen, das es auszuschließen gilt. Der regelmäßige Polymedikations-Check sei zudem zur Identifikation und Lösung arzneimittelbezogener Probleme geeignet. Hersberger: »Der weit höhere Betreuungsbedarf des Typ-2-Dia­betikers wird auch durch Innovationen im Bereich der Antidiabetika bestimmt, die für den Patienten neue Chancen und für den betreuenden Apotheker neue Herausforderungen bedeuten«.

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