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Pneumonie

Eine gefürchtete Krankheit

08.04.2008  17:22 Uhr

Pharmacon Davos 2008

Pneumonie: Eine gefürchtete Krankheit

 

Lungenentzündung ist eine ernst zu nehmende, mitunter tödliche Erkrankung. Die richtige Antibiotikatherapie senkt die Letalität jedoch unter 2 Prozent. Über Resistenzen und neue Therapiemöglichkeiten informierte Professor Dr. Joachim Lorenz.

 

An einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP; Community Acquired Pneumonia) erkranken allein in Deutschland circa 800.000 Menschen pro Jahr. Knapp ein Drittel davon musste nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahre 1998 ins Krankenhaus aufgenommen werden. Damit führte die CAP häufiger zur stationären Aufnahme als die bekannten Volkskrankheiten Herzinfarkt und Schlaganfall, sagte Professor Dr. Joachim Lorenz, Lüdenscheid.

 

Pneumonie ist zurzeit die sechsthäufigste Todesursache in Deutschland. Trotz der Bedeutung der CAP fehlen jedoch zuverlässige Daten zum Erregerspektrum, zur Resistenzsituation und zum Verlauf der Erkrankung. Die Übertragbarkeit verschiedener internationaler Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie auf Deutschland ist nicht gesichert. Lorenz betonte, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung diese Defizite erkannt hat und daher das Kompetenznetz »Ambulant Erworbene Pneumonie« (CAPNet) fördert. Hier arbeiten niedergelassene Ärzte, Kliniker, Mikrobiologen, Virologen, Epidemiologen und Informatiker zur Ermittlung spezifischer Daten zusammen. Sie führen klinische und mikrobiologische Daten zusammen und verwalten sie in einer zentralen Material- und Datenbank.

 

»Fest steht: Die Pneumonie ist eine Erkrankung vorrangig des alten Menschen«, so der Referent. Neben einem höheren Lebensalter (älter als 65 Jahre) gibt es weitere Risikofaktoren: chronisch-obstruktive Atemwegserkrankungen, Rauchen, Herzinsuffizienz, chronische Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder eine vorangegangene Influenzainfektion.

 

Für mehr als 90 Prozent der CAP sind Bakterien und hier hauptsächlich Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Mycoplasma pneumoniae verantwortlich. Bei schweren Verläufen spielen auch Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae und Legionella pneumophila eine Rolle. Enterobakterien und Pseudomonas aeruginosa können mit zunehmendem Alter vermehrt nachgewiesen werden und sind mit einer hohen Letalität assoziiert. Zu berücksichtigen sei, dass in 40 bis 60 Prozent der Fälle aufgrund vielfältiger Ursachen kein Erregernachweis gelingt. 

 

Lorenz machte deutlich, dass weltweit eine zunehmende Unempfindlichkeit der wichtigsten Erreger gegen gängige Antibiotika zu verzeichnen ist, wobei zwischen einzelnen Ländern gravierende Unterschiede bestehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist eine komplette Penicillinresistenz selten, problematisch jedoch ist das Vorliegen einer relativ hohen Rate kombinierter Resistenzen gegen ambulant häufig eingesetzte Substanzen wie Makrolide, Tetracycline und Cotrimoxazol. Bemerkenswert, so Lorenz, sei, dass auch für die neueren Fluorchinolone bereits erste Resistenzen beschrieben wurden.

 

Ob Cephalosporine II bis IIIa (Cefuroxim, Cefpodoxim), Fluorchchinolone II bis IV (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin) oder Makrolide (Erythromycin, Roxithromycin, Clarithromycin, Azithromycin): Der Referent schilderte die Antibiotikatherapie der ambulanten und der stationären, der nicht schweren und der schweren CAP. Als neue (Reserve-)Antibiotika, die zum Teil bereits verfügbar, zum Teil in klinischen Studien sind, nannte er das Oxazolidinon Linezolid, das Glycylcyclin Tigecyclin, das zyklische Lipopetid Daptomycin, das Cephalosporin Ceftobiprol, das Carbapenem Doripenem und das Lipoglykopeptid Telavancin.

 

Die Gesamtletalität der CAP liegt unter 6 Prozent. Bei einer ambulanten Behandlung liegt die Letalitätsrate unter 2 Prozent. Ist eine stationäre Behandlung erforderlich, so steigt sie unabhängig vom Lebensalter und der Risikokategorie auf 2 bis 10 Prozent, je nach Komorbidität und Lebensalter bis auf 20 Prozent. Erkrankt der Patient an einer schweren CAP, so ist von einer Letalität von 15 und 50 Prozent auszugehen.

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