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Kopfläuse wieder loswerden

13.02.2007  14:49 Uhr

Pharmacon Davos 2007

Kopfläuse wieder loswerden

 

Hauptgrund für die immer noch so häufige Verbreitung von Läusen ist die Unwissenheit der Betroffenen über die Vermehrung, Übertragungswege und adäquate Bekämpfung. Hier ist der Apotheker als erster Ansprechpartner gefordert.

 

»Stellen Sie sich der Verantwortung«, appellierte Dr. Eric Martin, Offizinapotheker in Marktheidenfeld und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer, an die Kongressteilnehmer. Denn ein Therapieversagen aufgrund von Fehlgebrauch, Angst vor unerwünschten Wirkungen oder Anwendung ungeeigneter Mittel führe zur weiteren Verbreitung und Resistenzentwicklung.

 

Prinzipiell unterscheidet man stationäre und temporäre Parasiten. Von beiden sind Letztere das kleinere Übel, da sie wieder gehen, wenn sie satt sind. Zu ihnen zählen Mücken, Zecken, Milben, Wanzen und Flöhe. Ein wesentlich größeres Problem in der Therapie stellen stationäre Parasiten wie Krätzmilben und Läuse dar. Zum einen ist ihre Übertragung sehr leicht. Zum anderen ist der Befall mit einer hohen sozialen Stigmatisierung verbunden, die dazu führt, dass die Betroffenen weder Arzt noch Apotheker aufsuchen. 

 

Krätze gilt als Inbegriff für mangelnde Hygiene. Entgegen ihres Rufs findet sich die Erkrankung jedoch nicht ausschließlich in Randgruppen wieder, sondern in allen sozialen Schichten. Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) sind Grabmilben. Sie verankern sich mit Haftscheiben auf der Haut und bohren innerhalb von 30 Minuten winzige Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Aus ihnen schlüpfen Larven, die sich weiter vermehren - der Teufelskreis beginnt. Dabei beträgt die Latenzzeit zwei bis vier Wochen, dass heißt, die Betroffenen sind zwar symptomfrei, aber ansteckend. Als Krätze bezeichnet man die durch die Bohrtätigkeit hervorgerufene Erkrankung, die sich in einem sehr unangenehmen Juckreiz und Hautrötung äußert. Bevorzugte Plätze des Parasiten sind Fingerzwischenräume, Handrücken und Genitalbereich. Dabei erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch durch Krabbeln bei engem Körperkontakt, einfaches Händeschütteln reicht nicht aus.

 

Die Therapie besteht in einer Ganzkörperbehandlung, ausgenommen ist hier die Gesichtspartie. Ein Sonderfall sind Säuglinge und Kleinkinder. Alle beteiligten Kontaktpersonen müssen mitbehandelt werden. Zur Behandlung steht eine 5-prozentige Permethrin-Creme (zum Beispiel InfectoScab®) zur Verfügung. Permethrin ist ein Insektizid aus der Gruppe der Pyrethroide. In der Regel führt eine Einmal-Anwendung zu einem Abtöten der Krätzemilben. Des Weiteren stehen zur Behandlung ein Antikrätzespray mit dem Wirkstoff Bioallethrin (Spregal®) sowie die Wirkstoffe Crotamiton (Crotamitex® Gel, Lotio, Salbe) und Benzylbenzoat (Antiscabiosum® 10 Prozent für Kinder / 25 Prozent) zur Verfügung. Wegen Verdachts auf Kanzerogenität darf Lindan 0,3 Prozent nur noch befristet bis Ende 2007 eingesetzt werden. Für den Einsatz von Schwefel liegen laut Martin keine ausreichenden Daten vor. Ivermectin, das als Anthelmintikum bei Onchozerkose zugelassen ist, könne als Reservemittel dienen (Off-label).

 

Die wichtigste parasitäre Erkrankung sind Kopfläuse. Sie kommen als Parasiten nur beim Menschen vor und ernähren sich ausschließlich von Blut. Die sogenannten Klammergreifer besitzen drei Beinpaare, die alle mit Klammern versehen sind. Ungefähr alle zwei bis drei Stunden sticht eine Laus mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen zum Blutsaugen in die Haut, wobei sie jeweils etwas Speichel in der Haut hinterlässt, der das Blut am vorzeitigen Gerinnen hindert. Dieser Speichel führt häufig zu Juckreiz. Dieser gilt jedoch als »unsicheres« Symptom, da die Allergisierung mehrere Wochen benötigt und insofern die symptomfreie Latenzzeit mehrere Wochen beträgt.

 

Läuse können weder springen noch fliegen und überleben ohne Kontakt zum Menschen nicht lange. Die Übertragung erfolgt aktiv durch rasches Überkrabbeln. Zwar werde immer wieder eine indirekte Übertragung über Mützen, Kleidungsstücke oder Kopfkissen postuliert, dafür gebe es jedoch keine wissenschaftlich schlüssigen Belege, so Martin.

 

Entgegen der populären Meinung führten weder Abwarten, Aushungern noch Kälte zu einem Abtöten der Läuse. Zur erfolgreichen Bekämpfung sind verschiedene Methoden bekannt: Zunächst ist der Nissenkamm ein wichtiges Instrument, um gegen die Läuse vorzugehen. Zum leichten Auffinden der Kopfläuse und ihrer Nissen empfiehlt es sich, die Haare mit dem Kamm über einem großen Bogen weißem Papier sorgfältig auszukämmen. Auf dem Papier lassen sich sowohl Haare, an denen Nissen kleben, als auch die Läuse relativ gut erkennen.

 

Vom Umweltbundesamt (UBA) sind folgende Mittel empfohlen (siehe Kasten). Des Weiteren stehen Dimeticon (Nyda L® Shampoo) sowie Neem- und Teebaumöl zur Verfügung, wobei von den beiden letzteren aufgrund erheblicher potenzieller Toxizität abzuraten sei, so Martin. Nyda L sei erst seit 2006 auf dem Markt, aussagekräftige Daten zur Wirksamkeit lägen laut Arznei-Telegramm noch nicht vor.

Effektive Mittel gegen Kopfläuse

Pyrethrum-Extrakt (Goldgeist® forte): Pyrethrum wirkt schnell und gut gegen alle Entwicklungsstadien der Läuse. Einzelne Larven können jedoch nachschlüpfen. Anwendungsdauer: 30 bis 45 min. Nissen sollten mit einem (dünnen) Nissenkamm ausgekämmt werden und die Anwendung sollte nach etwa sieben bis zehn Tagen wiederholt werden.

 

Allethrin (Jacutin® Spray): Das Spray soll schnell und gut gegen erwachsene Läuse und Larven wirken und ist gegen Eier (Nissen) etwas schlechter wirksam. Nach dem Auskämmen der Nissen muss die Anwendung wiederholt werden. Kontraindikationen sind Asthma oder andere bronchopulmonale Erkrankungen.

 

Permethrin (Infectopedicul®): Dieser Wirkstoff ist ein gegenüber Hitze und UV-Licht stabileres Langzeit-Pyrethroid (0,5 Prozent). Das Mittel enthält auch 39 Volumenprozent Alkohol, der die Schädigung des Nisseninhaltes verstärken soll. Gut wirksam gegen erwachsene Läuse und Larven, keine eierabtötende Wirkung, aber wirksam gegen nachschlüpfende Larven. Die Nissen müssen ausgekämmt werden und die Haare dürfen drei Tage nicht gewaschen werden. Die Anwendung sollte auch hier wiederholt werden, um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern. Wegen des höheren Risikos der Resistenzbildung sollte es Reservemittel bleiben.

 

Kokosölshampoo (Mosquito®): Die Behandlung sollte, falls am Folgetag noch lebende Läuse mit dem Nissenkamm entdeckt werden, sofort wiederholt werden und auch bei negativen Kontrollen sollte die Prozedur nach acht bis zehn Tagen wiederholt werden.

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