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Ausbruch im Urlaubsparadies

14.02.2006  13:18 Uhr

Chikungunya-Fieber

Ausbruch im Urlaubsparadies

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean ist die Chikungunya-Krankheit ausgebrochen. Seit Mitte Dezember 2005 sind in dem französischen Überseedepartement rund 45.000 Menschen erkrankt, meldet die Cellule InterRégionale Epidémiologique (CIRE).

 

Die örtliche Gesundheitsbehörde geht von mittlerweile mehr als 50.000 Infizierten aus und rechnet mit einer weiteren Ausbreitung der Infektionskrankheit in die südlichen Landesteile im Laufe der nächsten Sommerregenzeit.

 

Auslöser des Chikungunya-Fiebers sind Alpha-Viren, die durch Moskitos auf den Menschen übertragen werden. Der Name Chikungunya kommt ursprünglich aus Tansania und bedeutet auf Kiswaheli »sich zusammenkrümmen«. Damit werden die Hauptbeschwerden der Infektion beschrieben: starke Muskel- und Gliederschmerzen, die zu einer zusammengekrümmten Körperhaltung führen. Hauptsächlich in Süd- und Südostasien sowie Afrika tritt diese Virusinfektion auf. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis acht Tagen entwickeln die Patienten die charakteristischen Muskelschmerzen sowie hohes Fieber, Schüttelfrost und Hautrötungen. Danach kommt es meist zu einer Phase der Besserung und zum Fieberabfall. Die Infektion heilt im Normalfall nach etwa einer Woche von alleine wieder aus. Bei schweren Verläufen halten die Gelenkbeschwerden und Hautausschläge allerdings monate- oder jahrelang an. Persistierende Gelenksteife mit Schmerzen und rezidivierender Gelenkschwellung treten bei etwa 5 Prozent der Infizierten auf. Ein zehnjähriger Junge auf La Réunion starb vergangene Woche an der Infektion. Vermutlich ist er das weltweit erste Todesopfer an Chikungungya-Fieber.

 

Die Viren selbst oder spezifische Antikörper gegen die Erreger können im Blut nachgewiesen werden. Damit wird sichergestellt, dass es sich bei der Erkrankung nicht um Malaria oder ein hämorrhagisches Fieber wie Ebola handelt. Einen Einfluss auf die Therapie hat die Blutuntersuchung jedoch nicht. Chikungunya-Fieber ist nur rein symptomatisch zu behandeln. Patienten erhalten fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente. Antiphlogistika bringen meist nur wenig Schmerzlinderung. Eine antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung.

 

Ebenso gibt es keine Impfung gegen die Krankheit. Den besten Schutz bietet die Expositions-Prophylaxe. Da auch tagaktive Moskitos die Alpha-Viren übertragen, sollten Reisende in Risikogebiete rund um die Uhr Repellentien auftragen. Zudem empfiehlt es sich, in Feuchtgebieten lange Kleidung zu tragen.

 

Auf Grund des geringen Bekanntheitsgrades der reisemedizinischen Infektion in Deutschland ist anzunehmen, dass die Ärzte nur wenige Fälle diagnostizieren. Vor allem bei lang anhaltenden Gelenkbeschwerden nach Reisen in Endemiegebiete sollte an Chikungunya-Fieber gedacht werden.

Unterdessen plant Frankreich, den Inselbewohnern bei der Ausrottung der krankheitsübertragenden Stechmücken zu helfen. Der französische Premierminister Dominique de Villepin kündigte Unterstützung für die Inselbewohner durch 400 Soldaten aus Frankreich an.

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