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NSAR

Bei Schnupfen ist Vorsicht geboten

08.02.2017
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Von Annette Mende / Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sollten bei akuten Infekten der oberen Atemwege zurückhaltend eingesetzt werden, da sie das während solcher Erkrankungen bereits erhöhte Herzinfarktrisiko weiter steigern könnten.

 

Diese Empfehlung leiten Wissenschaftler um Yao-Chun Wen von der Universität Taiwan aus einer Beobachtungsstudie mit knapp 10 000 Teilnehmern ab. 

Die Forscher analysierten, wie viele der Patienten, die wegen eines akuten Herz­infarkts hospitalisiert worden waren, in den sieben Tagen vor dem Ereignis eine Atemwegsinfektion gehabt und/oder ein NSAR angewendet hatten. Daraus errechneten sie das jeweilige relative Risiko. In einem Case-Crossover-Design diente dabei jeder Teilnehmer zu einem früheren Zeitpunkt als seine eigene Kontrolle.

 

Im »Journal of Infectious Diseases« geben die Wissenschaftler folgende relativen Risikoanstiege an: Bei Atemwegserkrankung plus NSAR-Anwendung hatten die Teilnehmer ein 3,4-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko, eine Atemwegserkrankung allein erhöhte das Risiko um das 2,7-Fache, die alleinige NSAR-Anwendung dagegen um das 1,5-Fache. Waren die Patienten während einer Atemwegsinfektion intra­venös mit einem NSAR behandelt worden, ließ das sogar das Risiko für einen späteren Herzinfarkt um das 7,2-Fache ansteigen (DOI: 10.1093/infdis/jiw603).

 

Wie bei jeder Beobachtungsstudie belegen diese Daten lediglich eine Asso­ziation, keine Kausalität. Dennoch mahnen sie zur Vorsicht vor einem leichtfertigen Einsatz von NSAR bei Erkältung und Grippe. Insbesondere Patienten mit bereits erhöhtem Herzinfarktrisiko sollten hier zurückhaltend sein und im Zweifelsfall vorher mit ihrem Arzt sprechen. /

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