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Hühneraugen

Schmerzhaft, aber harmlos

09.02.2016  13:01 Uhr

Von Maria Pues / Falsch sitzende Schuhe sind der häufigste Auslöser von Hühneraugen. Sie lassen sich in der Regel im Rahmen der Selbstmedikation gut behandeln. Doch nicht alles, was wie ein Clavus aussieht, ist auch eines.

Sie sehen harmlos aus und sind es meistens auch. Aber Hühneraugen können Betroffene quälen, und nicht jeder sollte sie in Eigenregie behandeln. Die Rede ist von Clavi: Hühneraugen, auch Krähenaugen oder Leichdorn genannt. 

 

Dabei handelt es sich um kleine Hornhautkegel, die spitz in die Haut hineinwachsen und bei Belastung drückende und/oder stechende Schmerzen verursachen. Es gibt verschiedene Arten (siehe Kasten).

 

Hühneraugen entstehen – meist an den Füßen –, wenn punktuell ein anhaltend starker Druck auf einem kleinen Hautbereich lastet. Häufig ist zu enges oder ungeeignetes Schuhwerk der Grund. Aber auch Fußfehlstellungen, die zu einer veränderten Druckverteilung im Fuß führen, begünstigen die Ausbildung eines Hühnerauges. Zu diesen gehören etwa ein Hallux valgus (Schiefstand des Großzehs) oder Hammerzehen. An der belasteten Stelle verdickt sich die Hornhaut und im Zentrum bildet sich ein kleiner Hornhaut­kegel, der mit seiner Spitze in tiefere Hautschichten hineinwächst. Ihn umgibt ein kleiner Hornhautwulst, was dem Ganzen das Aussehen eines Auges verleiht. Die meisten Hühneraugen messen rund einen halben bis einen Zentimeter im Durchmesser; es gibt aber auch größere Exemplare.

 


Doch kein Hühnerauge

 

Einem Hühnerauge ähnlich sehen können Plantarwarzen (Verruca plantaris). Auch sie findet man bevorzugt an den Füßen und dort an Stellen, die hohem Druck ausgesetzt sind. Anders als Hühneraugen werden sie jedoch durch humane Papillomaviren (HPV) verursacht, durch Schmierinfektion übertragen und sind entsprechend ansteckend – insbesondere bei unsachgemäßer Manipulation. Meist sind sie flacher als Hühneraugen. Allerdings kann es auch bei Dornwarzen, die zu den Plantarwarzen gehören, zur Ausbildung eines Hornhautkegels kommen.

 

In ihrem Aussehen lassen sich Plantarwarzen von einfachen Hühneraugen meist anhand kleiner, dunkler Punkte unterscheiden, die aus geronnenem Blut bestehen. Auch wenn Patienten von »ganz vielen Hühneraugen an einer Stelle« berichten, kann es sich um Plantarwarzen handeln. Man spricht dann von Mosaikwarzen. Ein weiterer möglicher Hinweis: mutmaßliche Hühner­augen, die trotz aller Bemühungen und Behandlungen nicht verschwinden wollen. Denn dies dauert bei Plantarwarzen oft erheblich länger als bei Hühneraugen, die sich meist innerhalb weniger Tage beseitigen lassen.

Hühneraugen-Arten

  • Clavus durus: Hühnerauge mit einem harten, stark verdichteten Hornhautkern
  • Clavus mollis: Hühnerauge mit weichem, flachem Kern; findet sich häufig zwischen sehr dicht stehenden, verformten Zehen
  • Clavus vascularis: Hühnerauge mit kleinen Blutgefäßen; blutet häufig beim Entfernen
  • Clavus neurovascularis: Hühner­auge mit kleinen Blutgefäßen und sensiblen Nerven; kann sehr schmerzhaft sein
  • Clavus subungualis: Hühnerauge unter einem Nagel

Selbstmedikation erlaubt

 

Hühneraugen lassen sich im Rahmen der Selbstmedikation gut behandeln. Zur Wahl stehen vor allem Hühneraugenpflaster und -tinkturen. Nicht geeignet: mechanische Manipulationen durch den Betroffenen selbst mittels spitzer oder scharfer Gegenstände.

 

Hühneraugenpflaster bestehen in der Regel aus einer Schaumstoffauf­lage, in deren Mitte sich eine Vertiefung befindet, in die ein Keratolytikum – meist Salicylsäure – aufgebracht ist. Die Schaumstoffauflage dient einer Druckentlastung, die häufig schnell zu einer ersten Linderung der Beschwerden führt. Das Keratolytikum löst den Hornkegel nach und nach auf. Damit das Pflaster gut haften kann, sollten Anwender die Hautstelle zunächst gut mit Wasser und Seife reinigen und dann trocknen, um Hautfett und Cremereste zu entfernen.

 

Pflaster lassen sich jedoch nicht an jeder Stelle des Fußes so anbringen, dass sie beim Gehen nicht verrutschen. Dann ist häufig eine Hühneraugentinktur die geeignetere Alternative. Diese wird an mehreren Tagen hintereinander wiederholt aufgetragen. Um die gesunde Haut um das Hühnerauge zu schützen, können Anwender auf den umgebenden Bereich zunächst eine Hautcreme oder Vaseline auftragen. Nach einigen Tagen lässt sich das Hühnerauge dann nach einem warmen Fußbad meist leicht entfernen.

 

Grenzen der Selbstmedikation

 

Hühneraugenpflaster und -tinkturen beseitigen jedoch nicht die Auslöser eines Hühnerauges. Bleibt die Belastung bestehen, muss mit neuen Hühneraugen gerechnet werden. Betroffene sollten daher auf häufige Ursachen wie drückendes Schuhwerk oder Fußfehlstellungen hingewiesen werden. 

Leiden sie außerdem an einer sehr trockenen Haut, kann eine entsprechende Pflege der Füße dazu beitragen, die Hautfunktion zu unterstützen und erneuten Hühneraugen vorzubeugen. Weiche Auflagen und Druckentlastungsringe, etwa aus Silikon oder Schaumstoff, können helfen, einen punktuellen Druck und damit das Risiko für erneute Hühneraugen zu mindern.

 

Nicht alle Betroffenen sollten selbst zur Tat schreiten, um ein Hühnerauge wieder loszuwerden. Dies gilt insbesondere für Diabetiker. Zum einen ist ihre Haut meist sehr trocken und damit anfällig für Infektionen und Entzündungen. Zum anderen bemerken Diabetiker mit Neuropathie kleine Verletzungen häufig nicht. Sie spüren möglicherweise aber auch das Vorhandensein eines Hühnerauges nicht, das unbemerkt zu Komplikationen führen kann – ein Grund mehr, Patienten mit Diabetes zu täglichen Inspektionen der Füße und regelmäßigen Kontrollen durch einen Podologen zu raten. Aber auch ältere Menschen, die nicht gut sehen, ob sich das Pflaster oder die Tinktur auch wirklich auf dem Hühnerauge befindet, und/oder die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, sollten von einer Selbstbehandlung absehen. /

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