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Qualität

Keine Beratung ist ein Verstoß gegen die Berufspflichten

09.02.2010  17:37 Uhr

Von Daniel Rücker / Die Bundesapothekerkammer wird ihre Qualitätsoffensive fortsetzen. Arzneimitteltherapiesicherheit und Testkäufe stehen im Mittelpunkt. Die BAK-Präsidentin Erika Fink erläutert die Strategie.

PZ: Die Bundesapothekerkammer will in diesem Jahr einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auf die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) legen. Was bedeutet dies?

 

Fink: Mit dem Begriff der Arzneimittelsicherheit ist zunächst einmal gemeint, dass das Arzneimittel an sich sicher ist, das heißt, dass die Qualität, die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit gewährleistet sind. Dies bedeutet jedoch noch nicht zwangsweise, dass die Therapie mit einem Arzneimittel auch eine sichere ist. Die falsche Indikation, die falsche Dosierung, die Nichtbeachtung von Kontraindikationen oder Warnhinweisen, die nicht sachgerechte Anwendung, Kommunikationsfehler oder Verwechslungen – die Ursachen für unerwünschte Arzneimittelereignisse sind vielfältig und können im gesamten Medikationsprozess auftreten. Der Begriff Arzneimitteltherapiesicherheit umfasst daher Maßnahmen, die gewährleisten, dass die Behandlung des Patienten mit einem Arzneimittel so sicher und selbstverständlich so wirksam wie möglich ist.

 

Die Initiative zu AMTS kam von der Bundesregierung. Sie hatte 2007 einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit veröffentlicht.

 

PZ: Ist AMTS etwas grundlegend Neues oder nur eine andere Bezeichnung klassischer Tätigkeiten der Apotheker?

 

Fink: Es ist eine Mischung aus beidem. Eine Reihe pharmazeutischer Tätigkeiten, die wir bislang als Beitrag zur Arzneimittelsicherheit verstanden haben, betreffen die Arzneimitteltherapiesicherheit. Denken Sie an unsere Verpflichtung zur Information und Beratung. Durch sie wird nicht das Arzneimittel sicherer, sondern dessen Anwendung. Trotzdem ist Arzneimitteltherapiesicherheit kein alter Wein im neuen Schlauch. Wir wollen eine Sicherheitskultur etablieren, zu der alle am Medikationsprozess Beteiligten ihren Beitrag leisten.

 

PZ: Müssen die Apotheker dafür neue Kenntnisse erwerben?

 

Fink: Wir Apothekerinnen und Apotheker sind dazu verpflichtet, unser Wissen ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Insofern fließen Aspekte der Arzneimitteltherapiesicherheit in die Fortbildungsangebote der Apothekerkammern ein.

 

PZ: Sind Fortbildungsformen, wie Vorträge, noch zeitgemäß, etwa wenn es um klinisch-pharmazeutische Inhalte geht?

 

Fink: Sicherlich machen wir uns über die Art der Wissensvermittlung Gedanken. Wir müssen das fallorientierte Lernen – auch in Gruppen – intensivieren. Wir erproben dies derzeit mit Vorträgen zu Selbstmedikationsthemen und haben sowohl von den Referenten als auch den Teilnehmern positive Rückmeldungen. Vorträge werden aber weiter ihren Stellenwert haben. Wir werden darauf nicht verzichten können, um schnell viele Kollegen zu wichtigen Themen zu qualifizieren.

 

PZ: Wird die BAK ihre Arbeit zur Qualitätssicherung fortsetzen?

 

Fink: Selbstverständlich werden wir diese Arbeit fortsetzen. Schwerpunkte werden Information, Beratung und Rezeptur sein. Ich wünsche mir, dass in allen Apotheken so gut beraten wird, dass diejenigen, die uns in Erwartung schlechter Ergebnisse mit Testkäufen beglücken, das Interesse daran verlieren.

 

Ob wir wollen oder nicht, wir müssen diese Testkäufe ernst nehmen, weil sie als schlechte oder vermeintlich schlechte Ergebnisse auf die gesamte Branche abfärben. Und das ist nicht sachgerecht. In den Apotheken wird insgesamt gut gearbeitet. Trotzdem: Im Sinne eines Benchmarks sollten solche Testkäufe für jeden von uns Anlass sein zu hinterfragen, wie er denn in der Situation gehandelt hätte.

 

PZ: Die Szenarien und Bewertungskriterien der Testkäufe Externer sind oft nicht praxisnah. Das muss doch Zweifel an der Seriosität wecken?

 

Fink: Natürlich prüfen wir die Szenarien und Bewertungskriterien, soweit sie uns zugänglich sind, und weisen auf Mängel hin. Wir können dies aber erst tun, wenn die Ergebnisse schon über den Ticker geschickt worden sind. Wir haben nicht den Aufschlag, sondern den Return.

 

PZ: Was planen BAK und Kammern zur Verbesserung der Beratungsqualität?

 

Fink: Die freiwilligen Pseudo-Customer-Besuche, die Beratungs-Checks und Testkäufe der Apothekerkammern müssen weitergeführt werden – nicht als polizeiliches Instrument, sondern im Sinne einer innerbetrieblichen Fortbildung. Weiterhin sind wir derzeit dabei, neue Qualifizierungsinstrumente zu erproben, die die Fortbildungsarbeit der Apothekerkammern erweitern und ergänzen. Wir müssen aber klar festhalten, dass keine Information und Beratung ein Verstoß gegen die Berufspflichten, somit sanktionierbar ist.

 

PZ: Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der BAK wird die Rezeptur sein. Sehen Sie da Defizite?

 

Fink: Die Ergebnisse der ZL-Ringversuche zur Rezeptur zeigen, dass die teilnehmenden Apotheken gut arbeiten. Allerdings wird die Herstellung von Rezepturen von einigen Kollegen als lästige Pflicht angesehen, derer sie sich entledigen, indem sie beispielsweise die Patienten wegen vermeintlich langwieriger Beschaffung der Rezeptursubstanzen an andere Apotheken verweisen. Auch wenn es nur Einzelfälle sind, ist das nicht akzeptabel!

 

PZ: Müssen in jeder Apotheke auch in Zukunft Rezepturen hergestellt werden?

 

Fink: Die Herstellung von Rezepturen ist Teil des Berufsbilds des Apothekers und wird in der Ausbildung vermittelt. Sie ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Daher müssen in jeder Apotheke die Rezepturen angefertigt werden, für die es nicht einer über die Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung hinausgehender Ausstattung bedarf. Es gibt mit dem Neuen Rezeptur-Formularium, den Fortbildungsangeboten der Apothekerkammern bis hin zu den Ringversuchen des Zentrallaboratoriums der Deutschen Apotheker viele Möglichkeiten, sich in Sachen Rezeptur fit zu halten. /

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