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IfH widerlegt Glaeske und Lauterbach

09.02.2010  18:06 Uhr

Von Daniel Rücker / Das Institut für Handelsforschung (IfH) fürchtet erhebliche Einschnitte in der flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Nach Erkenntnissen aus dem vom IfH vorgenommenen Apothekenbetriebsvergleich steht jede dritte Apotheke in Deutschland gegenwärtig vor dem Aus.

 

Heftige Kritik übt das IfH vor diesem Hintergrund an den Forderungen von Gesundheitsökonom Gerd Glaeske und SPD-Politiker Karl Lauterbach, die eine Reduzierung des Apothekenhonorars vorschlagen. Würde dies umgesetzt, könne mehr als die Hälfte der Apotheken nicht mehr rentabel arbeiten, sagt IfH-Bereichsleiter Markus Preißner. Besonders gefährdet seien Apotheken auf dem Land.

 

Finanzielle Sorgen haben aber nicht nur Apotheken auf dem Land. Betroffen seien Apotheken unabhängig von ihrer Lage, also auch in Städten mit mehr als 20 000 Einwohnern. Ihr dauerhafter Fortbestand ist unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten mehr als fraglich.

 

Oft sind es Zahlenspiele, mit denen sich wirtschaftliche schwache Apotheken doch noch rentabel rechnen. Dr. Markus Preißner: »Viele Apotheken schaffen künstlichen Gewinn, indem sie die Verluste mit Gewinnen aus anderen Bereichen – beispielsweise Einkünften aus Vermögensanlagen – verrechnen, Rücklagen aufzehren und kalkulatorische Kosten nicht hinreichend berücksichtigen. Spätestens bei Verkauf oder Verpachtung ist das Überleben dieser Apotheken und ihrer Standorte mehr als fraglich.«

 

Das IfH kritisiert Glaeske und Lauterbach auch deshalb, weil sie ihre Forderungen nicht betriebswirtschaftlich begründen. Nach Preißners Berechnungen würden die meisten Apotheken einen Rückgang ihrer Vergütung um 20 Prozent nicht überleben.

 

Jede zweite Apotheke unrentabel

 

Anhand der Daten von 125 am Betriebsvergleich teilnehmenden deutschen Durchschnittsapotheken hat das IfH die Konsequenzen aus Glaeskes Vorschlag berechnet. Das Ergebnis ist fatal: Bei einer Absenkung der Vergütung auf 4,80 Euro, wären 53 Prozent der Apotheken nicht mehr rentabel. Für die Patienten bedeutete dies längere Wege zur nächsten Apotheke. /

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