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Sexualverhalten

Ein Molekül für alles

31.01.2018
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Von Daniel Rücker / Das Hormon Kisspep­tin spielt bei der Steuerung der Pubertät und des Menstruationszyklus eine Rolle. Jetzt konnte ein belgisch-deutsches Forscherteam zeigen, dass das Peptidhormon auch das Sexualverhalten beeinflusst: Kisspeptin steuert die Anziehung zum anderen Geschlecht und die sexuelle Motivation, berichten Wissenschaftler der Universitäten von Lüttich und des Saarlandes um Vincent Hellier im Fachjournal »Nature Neuroscience« (DOI: 10.1038/s41467-017-02797-2).

 

Diesen Effekt von Kisspeptin stellten die Forscher an Untersuchungen mit weiblichen Mäusen fest. Von männlichen Mäusen ausgesendete Duftstoffe stimulieren beim Weibchen spezielle Nervenzellen, die Kisspeptin produzieren. 

Der Transmitter sorgt anschließend dafür, dass ein Schaltkreis im Gehirn anspringt. Dieser setzt ein Neurohormon frei, das das Interesse des Weibchens für den Mäusemann steigen lässt. Parallel dazu wird ein weiterer Schaltkreis gestartet, der das Signal für Kisspeptin an Zellen überträgt, die den Transmitter Stickstoffmonoxid produzieren, um die sexuelle Bereitschaft des Weibchens zu erhöhen.

 

Für Professor Dr. Ulrich Boehm, Mitautor der Studie, ist die Entschlüsselung dieser bislang wenig bekannten Funk­tion von Kisspeptin ein wichtiger Schritt. »Diese Forschungsarbeit hat uns neue Erkenntnisse darüber geliefert, wie das Gehirn Signale aus der Außenwelt entschlüsselt und dann in Verhalten umsetzt.« Es sei bekannt, dass Eisprung und Sexualverhalten bei vielen Tieren eng miteinander verbunden sind, was das Fortbestehen der Art schützt. Die neuen Forschungsergebnisse zu Kisspeptin machten deutlich, wie das Gehirn Eisprung, Anziehung und Sex miteinander verbindet. Es sei erstaunlich, dass Kisspeptin als einzelnes Molekül Pubertät, Fruchtbarkeit, Interesse am anderen Geschlecht und sexuelle Motivation kontrollieren kann. /

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