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Rx-Versandverbot

FDP soll sich äußern

01.02.2017
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Von Anna Pannen / In Westfalen-Lippe wollen die Apotheker vor der nächsten Landtagswahl Klarheit über den Standpunkt der FDP zum Versandverbot für Rx-Arzneien. Dazu haben sich die Vorsitzenden des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL) per Brief an FDP-Chef Christian Lindner gewandt.

 

Dieser hatte sich kürzlich gegen das von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Verbot ausgesprochen. Die Apotheker wollen nun wissen, wie ernst es die Partei mit ihrer Ablehnung meint.

»Die Inhaber der 2000 Apotheken in Westfalen-Lippe wollen Orientierung über die politischen Ziele der FDP«, heißt es in dem Schreiben der AVWL. Man erwarte, dass Lindner sich den Fragen der Apotheker persönlich stelle. Immerhin galt die FDP bis vor wenigen Jahren als Stammpartei der Pharmazeuten.

 

Die Apothekerschaft hofft stark auf das von Gröhe versprochene Verbot. Im Oktober hatte der Europäische Gerichtshof bestimmt, dass ausländische Versandapotheken sich nicht mehr an die hierzulande geltende Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente halten müssen. Deutsche Patienten können diese Arzneien deshalb nun günstiger im EU-Ausland bestellen. Im Versandverbot sehen die deutschen Pharmazeuten die einzige Möglichkeit, einen Einnahmerückgang der Offizin-Apotheken zu verhindern.

 

Ein Preiswettbewerb könne das freiberufliche, mittelständische Apothekensystem zerstören, warnt der AVWL in seinem Schreiben. Dies würde sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken: Allein in Westfalen-Lippe seien 15 000 Menschen in Apotheken beschäftigt.

 

Lindner hatte im Dezember vergangenen Jahres erklärt, man müsse Apotheken nicht »unter Naturschutz« stellen. Stattdessen sollten die Pharmazeuten Shops im Einzelhandel aufmachen und dort auch apothekenfremde Waren verkaufen dürfen. Beim AVWL ist man wütend über diesen Vorschlag. Feste Honorare für Rx-Arzneien seien wichtig, heißt es in dem Schreiben an Lindner. Ein Versandverbot sei der einzige Weg, sie zu erhalten. Zweifle die FDP dies an, stelle sie auch die Honorarordnungen anderer freier Berufe infrage. /

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