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Ästhetische Chirurgie

Ist das Natur oder vom Arzt?

26.01.2015  14:41 Uhr

Von Nicole Schuster / Die wenigsten Menschen sind mit ihrem Körper völlig zufrieden. Eine kleinere Nase, eine größere Brust oder straffere Oberschenkel – die moderne ästhetische Chirurgie verspricht offenbar mühelos Abhilfe. Das Ganze hat seinen Preis, finanziell und manchmal auch gesundheitlich.

Immer wieder geraten Menschen in die Schlagzeilen, die bei einer missglückten ästhetischen Operation ihr Leben verlieren oder Schaden erleiden. Doch sind es bei Weitem nicht nur Hollywoodstars und andere Prominente, die für das Streben nach körperlicher Makellosigkeit und Perfektion bereit sind, gesunde Körperteile verletzen zu lassen. Sie erhoffen sich davon, zufriedener zu sein und sich wohler mit ihrem Äußeren zu fühlen (1, 2). Die kosmetische Chirurgie ist gesellschaftsfähig geworden und auch für den kleineren Geldbeutel zu haben. Die Angebotspalette an Interventionen ist breit und verspricht, beinahe jeden Wunsch zu erfüllen. Mit Brustvergrößerung und -verkleinerung, Fettabsaugung, Gesichtsstraffung, Nase- oder Lippenkorrektur sowie Schweißdrüsenentfernung werben »Schönheitschirurgen« ebenso um Kundinnen und Kunden wie mit Offerten aus dem Bereich der Genitalchirurgie.

 

Zur Zahl ästhetischer Operationen in Deutschland gibt es nur Hochrechnungen, die aber keine einheitlichen Zahlen melden. Schätzungen gehen von etwa einer halben Million Opera­tionen pro Jahr aus.

 

Zur Bereitschaft der Bevölkerung zu solchen invasiven Behandlungen gibt es ebenfalls nur vage Angaben. Laut einer Forsa-Studie aus 2011 können sich 7 Prozent der ostdeutschen und 11 Prozent der westdeutschen Frauen und Männer für sich selbst die kosmetische Chirurgie vorstellen oder haben bereits eine entsprechende Operation hinter sich (3). Eine Befragung vom Umfrageinstitut EMNID zum Thema »Einstellung der Deutschen zu Schönheitsoperationen« liefert in etwa vergleichbare Zahlen (4).

 

TOP 3 auf der Chirurgenliste

 

Brustvergrößerung, Lidstraffung und Fettabsaugung waren laut einer bundesweiten Patientenbefragung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) die »Top 3« der kosmetischen Eingriffe in Deutschland 2012 (5). Gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr die Behandlung mit Eigenfett, das weniger Nebenwirkung und eine bessere Verträglichkeit verspricht.

 

Bei der chirurgischen Vergrößerung des Busenvolumens oder einer Veränderung der Form werden Implantate an einer geeigneten Stelle in die Brust eingesetzt. In der Regel bestehen die Implantate aus Silikon. Die Mamma-Augmentation kann auch mit Eigenfett oder Hyaluronsäure erfolgen. ­Entscheidend für das Ergebnis sind vor allem die Implantatform und -größe. Auch vom richtig gewählten Volumen hängt ab, ob die neue Brust zur Frau passt oder unnatürlich wirkt. Der Eingriff findet stationär statt und kostet mehrere Tausend Euro. Nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa wenn eine Brust nach einer Krebserkrankung wieder aufgebaut werden muss, tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

 

Bei der Fettabsaugung (Liposuktion) werden Fettzellen unter der Haut mit Kanülen abgesaugt. Bei der gängigsten Methode wird zunächst eine stark verdünnte Narkoselösung (Tumeszenzlösung) ins Unterhautfettgewebe gespritzt. Die Fettzellen saugen sich mit der Lösung voll und lassen sich dadurch leichter aus dem Gewebe herauslösen. Gleichzeitig findet eine lokale Betäubung statt. Die entstandene Emulsion aus Fettzellen wird über Kanülen, die der Chirurg über kleine Hautschnitte einführt, entfernt. Dieser Eingriff kann zwar eine Gewichtsabnahme unterstützen, sollte jedoch nicht als mühe­lose Alternative zu herkömmlichen ­Methoden der Gewichtsreduktion missverstanden werden (6).

 

Meist sind es Frauen, die sich ohne medizinische Notwendigkeit unters Messer legen. In den letzten Jahren wuchs aber auch bei Männern das ­Interesse an optischen Korrekturen. Ihr Anteil lag 2012 laut DGPRÄC bei etwa 15 Prozent (5). Einige Eingriffe wie ­Haartransplantationen werden überwiegend von Männern gewünscht. ­Dagegen gelten Oberschenkel- oder Oberarmstraffungen als typisch weibliche Wünsche.

 

Schönheits-OP versus Body-Modification

 

Doch was zählt eigentlich alles zur ästhetischen Chirurgie und wie grenzt sich diese zur Heilmedizin ab? Professor Dr. Jutta Liebau, Chefärztin der Klinik für Plastische Chirurgie im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und Präsidentin der DGPRÄC, klärt gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung auf: »Im Prinzip könnte man jeden Eingriff, der keine funktionelle Verbesserung mit sich bringt, als sogenannte Schönheitsoperation bezeichnen, also auch die Entfernung eines Leberflecks, wenn dafür keine medizinische Notwendigkeit besteht.«

 

Nicht zu verwechseln ist die ästhetische Chirurgie mit der sogenannten Body-Modification, also der gezielten Modifikation und Veränderung des Körpers. Hierzu zählen im Gegensatz zu durch Körperbemalung oder Training erreichbaren Veränderungen solche, die erst entstehen, wenn ähnlich wie bei kosmetischen Operationen gesunde Körperteile verändert werden. Beispiele sind Tätowierungen und Piercing, aber auch Zungenspaltung, Ziernarben, Brandmale oder die Subinzision (Spaltung der Harnröhre an der Unterseite des Penis).

 

»Diese Eingriffe erfolgen nicht durch Ärzte und sollten daher nicht zum Bereich der ästhetischen Chirurgie gezählt werden«, sagt Liebau. Hinzu komme, dass kosmetische Operationen meist dazu dienten, sich einer so empfundenen ästhetischen Norm anzunähern und um eine optische Verjüngung zu erreichen. »Das Motiv einer klassischen Body-Modification scheint mir hingegen eher die Abgrenzung von gängigen Normen zu sein.«

Tabelle: Korrekturen des äußeren Erscheinungsbilds und Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen (Beispiele); modifiziert aus (10)

Eingriff Kassenleistung im Ausnahmefall
Narbenkorrektur bei Funktionsbehinderung oder Entstellung
Nasenkorrektur bei Atembehinderung
Anlegen abstehender Ohren bei Kindern, wenn sie zu psychosozialen Problemen führen
Brustwiederherstellung nach Krebs, bei Brustfehl- oder minderanlage
Brustverkleinerung bei objektivierbarem Krankheitsbild
Hautfleckenentfernung bei Neigung zur malignen Entartung
Beseitigung von Bauchfettschürzen bei therapieresistenten Intertriginalekzemen

Wiederherstellung bis Optimierung

 

Die Krankenkassen erstatten nur in ganz bestimmten Fällen Operationen aus dem Bereich der plastischen Chirurgie. Dazu gehören rekonstruierende ­Eingriffe nach Krebserkrankungen, Unfällen oder Brandverletzungen (Tabelle).

 

Ein typischer Fall ist die Rekonstruk­tion des Busens, etwa nach Entfernung der Brust wegen einer Krebserkrankung. Die Wiederherstellung des weiblichen Erscheinungsbilds beeinflusst bei vielen Frauen die psychische Gesundung erheblich und kann ihnen Selbstwertgefühl zurückgeben. Medizinisch indiziert kann auch das Anlegen von abstehenden Ohren bei Kindern sein oder eine Verkleinerung einer im Verhältnis zur übrigen Anatomie übergroßen Brust. Entscheidend ist der Leidensdruck, entweder ausgelöst durch Mobbing und Spott im Fall der abstehenden Ohren oder gewichts- und haltungsbedingte Wirbelsäulenschäden infolge einer zu großen Oberweite.

Diese Fälle gelten in der Regel als medizinisch indiziert und die Krankenkasse trägt die Kosten. Ansonsten muss der Patient den Eingriff selbst bezahlen.

 

Regina Behrendt, Referentin Gesundheitsmarkt an der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf (7), warnt im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung: »Auch wenn Komplikationen auftreten und Nachbehandlungen notwendig werden, hat die gesetzliche Krankenkasse die Versicherten in an­gemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen und das Krankengeld für die Dauer dieser ­Behandlung ganz oder teilweise zu ­versagen oder zurückzufordern.« Auch Folgekosten seien zu bedenken. »Viele Schönheitsoperationen müssen im Lauf der Zeit wiederholt werden. Brustimplantate müssen unter Umständen alle zehn bis 15 Jahre erneuert werden, Botulinumtoxin verliert schon nach ein paar Monaten seine Wirkung«, so Behrendt.

 

Auch wenn manche Operationen im Ausland kostengünstiger angeboten werden, rät die Verbraucherschützerin zur Vorsicht: »Die Qualität eines ausländischen Arztes oder einer ausländischen Klinik ist oftmals schwer zu beurteilen. Hinzu kommen häufig Sprachprobleme und zusätzliche Kosten durch die Anreise und den Aufenthalt vor Ort.« Wer sich einem ausländischen Arzt anvertrauen möchte, solle unbedingt vorab regeln, welcher Arzt daheim die Nachsorge übernimmt.

 

Die Suche nach dem richtigen Arzt

 

Vielen Patienten stellt sich die Frage nach dem richtigen Ansprechpartner. Begriffe wie Schönheitschirurg oder kosmetischer Chirurg sind nicht geschützt und von Berufsverbänden nicht als Fachgebiete definiert. Zudem ist dafür weder eine spezielle Ausbildung noch Erfahrung notwendig, sodass sich jeder niedergelassene Arzt so nennen kann. Behrendt rät daher, bei der Arztsuche auf die Facharztbezeichnung »plastische und ästhetische Chirurgie« oder die Zusatzausbildung »plastische Operationen« zu achten (Kasten).

 

Als Facharzt ausgezeichnete Mediziner haben neben der Approbation als Arzt eine von den Landesärztekammern geregelte, mehrjährige Zusatzausbildung an Weiterbildungskliniken absolviert, Prüfungen bestanden und mindestens sechs Jahre auf ihrem Gebiet Erfahrung gesammelt. Adressen von entsprechenden Chirurgen stellen die beiden Fachgesellschaften, also die DGPRÄC sowie die Vereinigung Deutscher Ästhetisch-Plastischer Chirurgen (VDÄPC), zur Verfügung. »Erkundigen Sie sich auch bei den Ärzten selbst über ihre fachlichen Qualifikationen und fragen Sie nach, wie oft sie den geplanten Eingriff schon durchgeführt haben«, rät Behrendt.

 

Patienten sollten zudem alle wichtigen Details im Vorfeld klären und laut der Verbraucherschützerin am besten in einem schriftlichen Behandlungs­vertrag festhalten. »Dazu gehören die vereinbarten Leistungen, wer den Eingriff und die Nachbehandlung durchführt, sowie die Kosten.« Wichtig sei es, die angebotenen Leistungen genau zu prüfen und nach Möglichkeit auch die Behandlungsräume zu besichtigen. »Lassen Sie sich mehrere Angebote erstellen und vergleichen Sie in Ruhe. Eine Schönheitsoperation ist nicht eilig und sollte wohl überlegt sein«, so ­Behrendt. Sinnvoll sei zudem, mit dem Hausarzt oder einem anderen Arzt des Vertrauens den geplanten Eingriff und dessen mögliche Folgen zu besprechen.

 

Nach der Operation tritt vermutlich erst einmal eine Arbeitsverhinderung ein. Zu beachten ist, dass der Arzt bei chirurgischen Interventionen ohne krankheitsbedingten Hintergrund keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen darf.

Wie gut ist der Arzt?

Die Ärztekammer Nordrhein hat eine Checkliste zur »Schönheitschirurgie« herausgegeben (12). Sie soll Interessenten helfen, einen geeigneten Arzt zu finden. Wichtige Punkte sind demnach:

 

  • Qualifikationen und Erfahrung des Arztes
  • Klärt der Arzt in mindestens zwei Beratungsgesprächen ausreichend auf? Nimmt er sich Zeit, Fragen zu beantworten?
  • Wird die Nachsorge besprochen?
  • Macht der Arzt Erfolgsversprechen, die er nicht halten kann?
  • Erhält der Patient Informationen zum Ablauf der Operation?
  • Gibt es einen Notfallplan bei Zwischen- und Notfällen?
  • Ist das Personal qualifiziert?
  • In welchem Zustand befinden sich die Räumlichkeiten?
  • Wie sieht es mit der Haftung aus?
  • Ist der Arzt Vertragspartner oder ein Unternehmen?
  • Bildet die Gebührenordnung für Ärzte die Grundlage für das Honorar?
  • Werden Vorauszahlungen verlangt?
  • Wird eine ordnungsgemäße Rechnung erstellt?

Motive erfragen, Risiken abwägen

 

Im Beratungsgespräch sollte ein seriöser Arzt nach den Gründen für eine Operation fragen. Im eigenen Interesse sollten Interessenten wahrheitsgemäß antworten. Der Mediziner kann nur dann beurteilen, ob die Operation verantwortbar ist. »Dringend abzuraten ist, wenn der Patientenwunsch nicht nachvollziehbar erscheint oder der Patient in vergleichsweise kurzer Zeit schon übermäßig viele Eingriffe hat vornehmen lassen«, sagt Chefärztin Liebau. Kosmetische Eingriffe wie Fettabsaugen zur Gewichtsreduktion, Gesichtsstraffung bei wenig Hautüberschuss, Ohrenanlegen bei nur geringem Grad des Abstehens oder Nasenkorrekturen ohne fassbare Deformität seien nicht sinnvoll. »Abzuraten ist auch, wenn der Eindruck entsteht, dass der Patient den Wunsch nicht aus sich selbst heraus entwickelt hat, sondern etwa durch den Lebenspartner dazu motiviert wurde. Das Gleiche gilt bei unrealistischen Erwartungen.«

 

Juristisch gesehen handelt es sich bei allen Operationen um eine Körperverletzung, da dabei ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit erfolgt. Wie jede chirurgische Intervention bergen auch ästhetische Eingriffe Risiken. Dazu gehören die bekannten, mit jeder Operation verbundenen Gefahren wie Thrombosen, Embolien, Narkoserisiken, starker Blutverlust oder Infektionen. Auch Nachblutungen, Schmerzen, Schwellungen, Blutergüsse, Ödeme oder Komplikationen bei der Narbenheilung können auftreten. Daneben bestehen vom Eingriff abhängige Risiken wie Asymmetrien etwa bei einer Brustvergrößerung. Auch bleibende Schäden wie Sensibilitätsstörungen und Taubheitsgefühle infolge von Nervenverletzungen, chronische Schmerzen oder Gewebeverhärtungen sind möglich. Komplikationen treten bei etwa jeder fünften kosmetischen Operation auf (8).

 

Speziell bei der ästhetischen Chirurgie besteht das Risiko, dass Patienten mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind und sich in Einzelfällen sogar entstellt fühlen. Darüber sollte ein verantwortungsbewusster Arzt bereits beim Beratungsgespräch aufklären. »Gerade bei nicht notwendigen Eingriffen sind die Aufklärungspflichten des Arztes besonders hoch. Lassen Sie sich ausgiebig über Vor- und Nachteile, Risiken und mögliche Alternativen informieren, auch bezüglich langfristiger Konsequenzen«, rät Behrendt. Sei bei einer Operation etwas »schiefgelaufen«, sollten Patienten möglichst frühzeitig den Hergang der Ereignisse protokollieren und sich rechtlichen Beistand suchen, betont die Verbraucherschützerin.

Grenzfall Jugendliche

 

Ein Grenzfall besteht sicher dann, wenn ein Minderjähriger den Arzt mit dem Wunsch nach einer kosmetischen Operation konfrontiert. Solche Fälle sind vermutlich keine Seltenheit mehr. Eine Umfrage des Kinderbarometers der Bausparkasse LBS von 2013 (9) zeigte, dass in Deutschland jedes siebte Kind zwischen 9 und 14 Jahren über einen Eingriff aus der ästhetischen Chirurgie nachdenkt. Sie erhoffen sich, dadurch glücklicher und zufriedener zu werden. Gesetzlich ist den Eingriffen an Jugendlichen kein Riegel vorgeschoben. »Medizinisch nicht indizierte Eingriffe an Minderjährigen sind mit schriftlicher Zustimmung der Eltern möglich«, bestätigt Liebau.

 

Eine Operation sollte bei Heranwachsenden aber keine generelle Option sein. Zum einen kann sich der Körper später noch von alleine verändern – die Brust beispielsweise noch mit Mitte 20 wachsen –, zum anderen kann ein Wachstumsschub Narben unschön beeinflussen. Viele junge Menschen brauchen weniger eine Operation als vielmehr Selbstbewusstsein und die innere Überzeugung, okay zu sein.

 

Kleine Makel akzeptieren lernen

 

Auch bei Erwachsenen muss es nicht immer eine Operation sein. Die richtige Pflege kann mitunter einiges bewirken. Ein Beispiel sind Narben, die sich mit geeigneten Mitteln oft reduzieren lassen. Je früher die Behandlung beginnt, desto effektiver ist sie. Andere als störend empfundene Makel können auch mit Methoden wie Laserbehandlung oder Botulinumtoxin-Spritzen optisch verbessert werden. Diese Interventionen sind aber häufig nicht unumstritten und die Langzeitfolgen, beispielsweise beim ständigen Botox-Spritzen, nicht geklärt.

 

Meist gilt: Wer gesund lebt und auf genug Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung achtet, kann seinen Körper auch äußerlich länger jung erhalten. Wer unzufrieden mit seinem Äußeren ist, sollte erst einmal überlegen, ob eventuell andere Probleme für das Unwohlsein verantwortlich sind. Eine Therapie kann helfen, innere Konflikte zu lösen und den Körper, so wie er ist, schön zu finden. Wer sich selbst und das eigene Erscheinungsbild mag, strahlt das auch aus – und das macht attraktiver als die ästhetische Chirurgie es allein je könnte. /

PIP-Skandal und die Folgen

Implantate, etwa zur Brustvergrößerung oder zur Modifikation des Gesäßes, unterliegen als Medizinprodukte dem Medizinproduktegesetz. Sie müssen damit feste Standards bezüglich Qualität und Sicherheit garantieren. Das französische Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP) hat diese Qualitätsstandards bei Brustimplantaten nicht erfüllt und damit 2010 einen Skandal ausgelöst. Anstelle mit der deklarierten Silikonfüllung stellte es sie auch mit billigem und nicht für medizinische Zwecke vorgesehenem Industriesilikon her. Weltweit wurden Tausenden Frauen mangelhafte Kissen mit unvorhersehbaren Folgen für die Gesundheit eingesetzt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfahl 2012, die Implantate herausnehmen und/oder ersetzen zu lassen (11).

 

Seit Mitte 2014 soll eine neue Verordnung für mehr Patientensicherheit sorgen und helfen, Betroffene schneller zu identifizieren. Neben Vorschriften für die Dokumentation beim Arzt gehören dazu eine schriftliche Patienteninformation sowie ein Implantatpass mit Angaben zu Bezeichnung, Art, Typ sowie Seriennummer des ­Medizinprodukts. 

Literatur 

  1. Margraf, J., et al., Well-Being From the Knife? Psychological Effects of Aesthetic Surgery. Clin Psychol Sci 1 (3) (2013) 239-252.
  2. Presseinformation 73: Warum sich Menschen unter das Messer legen. Schönheitschirurgie macht glücklich. Psychologen aus Bochum und Basel bestätigen langfristige positive Effekte. Ruhr-Universität Bochum, 11. 03. 2013; http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2013/pm00073.html.de, Zugriff am 16. 12. 2014.
  3. Forsa-Umfrage: Bürger der neuen Bundesländer kritischer gegenüber Schönheitsoperationen. Ethianum Klinik für Plastisch-Rekonstruktive, Ästhetische Chirurgie und Präventive Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg, Pressemitteilung vom 17. 08. 2011; http://ethianum-klinik-heidelberg.de/dokumente/upload/bbded_pm-meinungsumfrage-regionen.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.
  4. Kluge, N., Sonnemoser, M., Für die Schönheit unters Messer legen? Über die Einstellung der Deutschen zu Schönheitsoperationen; www.uni-landau.de/kluge/Beitraege_zur_S.u.S/schoenheitsoperationen.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.
  5. DGÄPC-Magazin 2014, Zahlen, Fakten und Trends in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie; www.dgaepc.de/medien/newsletter-magazine/DGAEPC-Magazin_2014.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.
  6. Zimmermann, N. C., Fettabsaugen ist nichts für Übergewichtige, Die Welt, 09. 01. 2013; www.welt.de/gesundheit/article112636266/Fettabsaugen-ist-nichts-fuer-Uebergewich tige.html, Zugriff am 28. 12. 2014.
  7. Schönheitsoperationen. Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.; www.vz-­nrw.de/schoenheitsoperationen, Zugriff am 28. 12. 2014.
  8. Korczak, D., Forschungsprojekt Schönheitsoperationen: Daten, Probleme, Rechtsfragen. Abschlussbericht 2007; http://download.ble.de/05HS020.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.
  9. Presseinformation: Aussehen wie die Stars: Schon Kinder denken über Schönheits-OPs nach! LBS Westdeutsche Landesbausparkasse, 24. 10. 2013; www.lbs.de/presse/p/presseinformationen/kinderbarometer-2013-schoenheits-ops-bei-kindern_281288.jsp, Zugriff am 11. 01. 2015.
  10. Finckenstein, J., Plastische Chirurgie. Was die Kassen als Krankheit anerkennen. Dtsch. Ärzteblatt 97 (4) 2000: A157-A159; http://data.aerzteblatt.org/pdf/97/4/a157-9.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.
  11. Empfehlungen des BfArM, Silikongel-gefüllte Brustimplantate der Hersteller Poly Implant Prothese (PIP) und Rofil Medical Nederland B.V.; www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/Silikon_Brustimplantate_PIP.html, Zugriff am 28. 12. 2014.
  12. Ärztekammer Nordrhein: Schönheitschirurgie. Information für Bürgerinnen und Bürger. Checkliste für Patienten zur »Schönheitschirurgie«; www.aekno.de/downloads/aekno/info_schoenheitschirurgie.pdf, Zugriff am 16. 12. 2014.

Weitere Literatur bei der Verfasserin

Die Autorin

Nicole Schuster studierte zwei Semester Medizin in Bonn, dann Pharmazie und Germanistik in Bonn und später in Düsseldorf. Während ihres Studiums machte sie Praktika bei verschiedenen wissenschaft­lichen Verlagen. Nach dem zweiten Staatsexamen und der Approbation 2010 absolvierte Schuster ein Aufbaustudium in Geschichte der Pharmazie in Marburg und arbeitet seitdem an ihrer Dissertation zu traditionellen pflanzlichen Heilmitteln.

 

Nicole Schuster

Zimmererstraße 9

92318 Neumarkt

E-Mail-Adresse: nicole.m.schuster(at)gmx.de

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