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AOK-Krankenhausreport

Kliniken fordern eine Entschuldigung

28.01.2014
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Von Anna Hohle / Ärzte und Klinikbetreiber weisen die hohe Zahl von Toten durch Behandlungsfehler zurück, die der AOK-Bundesverband in seinem aktuellen Krankenhausreport angibt. Die Hochrechnungen seien schlichtweg falsch, so ihre Kritik. Die Kasse müsse sich nun entschuldigen.

Die Nachricht verbreitete sich in der vergangenen Woche rasant: Fast 19 000 Menschen kämen in deutschen Kliniken jedes Jahr infolge von Behandlungsfehlern zu Tode. Gemeldet hatte dies der AOK-Bundesverband in seinem jährlich erscheinenden Krankenhaus-Report. Seit 11 Jahren sammelt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) da­rin die neuesten Zahlen und Fakten zur Behandlungsqualität in Kliniken.

 

In seinem aktuellen Bericht beruft sich das WIdO unter anderem auf Zahlen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit sowie ein Gutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen aus dem Jahr 2007. Demnach kommt es bei etwa 1 Prozent der Behandlungen in Krankenhäusern zu einem Fehler. Ein Promille (0,001 Prozent) dieser Fehler verlaufe sogar tödlich. Hochgerechnet auf heutige Behandlungszahlen bedeute das 188 000 Behandlungsfehler und somit 18 880 Todesfälle pro Jahr, heißt es bei der AOK.

 

Die Kliniken wehren sich gegen diese Behauptung. Die AOK habe sich bei ihren Berechnungen nicht auf empirische Daten, sondern auf veraltete Schätzungen gestützt, kritisiert etwa Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Unbelegte Zahlen aus den Jahren 1996 bis 2006 seien einfach hochgerechnet worden, obwohl Kliniken seitdem weit mehr täten, um Fehler zu verhindern. Selbst der Medizinische Dienst der Krankenkassen habe empirisch nur 8600 Todesfälle durch Behandlungsfehler pro Jahr belegen können, so Dänzer.

 

Der AOK wirft er nun vor, eine wissentliche Falschangabe in ihrem Report zu verbreiten. Die Annahme, dass bei jedem zehnten Behandlungsfehler ein Patient zu Tode komme und demnach pro Jahr knapp 19 000 Menschen durch Ärztefehler sterben würden, sei »absolut unseriös«. Er forderte den Verband auf, sich für die Behauptung zu entschuldigen.

 

Bei der AOK will man davon jedoch nichts wissen. »Die Zahlen sind, wie sie sind«, erklärte eine Sprecherin des Bundesverbands. Man habe bei den im Report angeführten Zahlen stets deutlich gemacht, wann es sich um eine Hochrechnung handele. Auch die Studienautoren selbst gaben anlässlich der Kritik eine Stellungnahme heraus. Den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit weise man zurück, heißt es darin. Bei Todesfällen durch Behandlungsfehler gebe es generell eine hohe Dunkelziffer, weswegen die angeführten Hochrechnungen keineswegs unrealistisch zu nennen seien. In vielen Bereichen sei das Risiko für die Patienten nicht gesunken. So sei etwa das prozentuale Vorkommen von Krankenhausinfektionen zwischen 1996 und 2011 quasi gleichgeblieben. /

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