| Lukas Brockfeld |
| 08.05.2026 17:00 Uhr |
Viele Krankenhausbehandlungen könnten auch ambulant erfolgen. / © Getty Images/Halfdark
Die hohe Zahl der stationären Behandlungen in Deutschland steht schon lange in der Kritik. Die oft vermeidbaren Krankenhausaufenthalte sind nicht nur für die Patientinnen und Patienten eine Belastung, sie sind auch sehr teuer und tragen so zu den finanziellen Problemen der Gesetzlichen Krankenversicherung bei. Vertreterinnen und Vertreter der niedergelassenen Ärzteschaft sprechen sich daher schon lange für eine stärkere Ambulantisierung des Gesundheitswesens aus.
Diese Forderungen bekommen durch den »Krankenhaus-Report 2026« des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Rückenwind. Der Report zeigt, dass in allen 16 Bundesländern mehr als die Hälfte der heute stationär versorgten Fälle potenziell vermieden oder ambulant versorgt werden könnten. Nach Angaben der AOK liegt das »Ambulantisierungspotenzial« in allen Bundesländern zwischen 53 und 58 Prozent.
Für die Analyse hat das WIdO in einer Modellrechnung alle wissenschaftlichen Ansätze zur Vermeidung oder zur Verlagerung von Krankenhausfällen in den ambulanten Bereich gemeinsam betrachtet und jeden im Jahr 2024 abgerechneten Krankenhausfall auf dieser Basis überprüft. Dabei habe sich gezeigt, dass deutschlandweit von 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 etwa 8,6 Millionen Fälle »ambulantisierbar« oder vermeidbar waren. Das Institut errechnete so ein Verlagerungspotenzial von 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und von 39 Prozent der Klinikausgaben.
»Die ambulante Erbringung medizinischer Leistungen führt zu deutlich geringeren Kosten als die stationäre Versorgung, da vor allem der teure Bedarf einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung entfällt«, erklärt WIdo-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen. »Die verminderten Kosten sollten in der Umsetzung allerdings auch zu geringeren Erlösen führen, um einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen zu erreichen.«
Die Bundesregierung arbeitet aktuell an einer großen Krankenhausreform. »Die Reform enthält praktisch keine Maßnahmen zur Ambulantisierung, die angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Kosten im Krankenhausbereich aber dringend notwendig wäre«, klagt David Scheller-Kreinsen. Die Regierung müsse vor allem bei der geplanten Vorhaltefinanzierung nachjustieren und die angenommenen Kapazitäten um die »ambulantisierbaren« Leistungen bereinigen.