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Forum Beruf

Wohin nach dem Pharmaziestudium?

30.01.2012
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Von Dorothee Müssemeier und Sabine Viefhues / Etwa 150 Pharmaziestudierende kamen am Mitte Januar zum Forum Beruf in Bonn, das die Apothekerkammer Nordrhein, die Regionalgruppe Rheinland der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und das Alumni-Netzwerk der Universität Bonn im jährlichen Wechsel Bonn–Düsseldorf gemeinsam als Orientierungshilfe für den Einstieg ins Berufsleben anbieten.

Der Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Lutz Engelen, begrüßte die Teilnehmer und referierte gemeinsam mit Manfred Krüger, dem Landesbeauftragten Pharmazeutische Betreuung, über die Chancen in der Offizinpharmazie. »Füllen auch Sie das Leistungsversprechen des roten Apotheken-A´s mit Leben!«, forderte Engelen den beruflichen Nachwuchs auf.

Er äußerte sich zur grundsätzlichen Entwicklung der Pharmazie in der Gesellschaft und betonte, dass der demografische Wandel auch für Apotheker die Herausforderung der Zukunft ist. Bedingt durch die Polypharmazie würden ältere Menschen zwei- bis fünfmal häufiger unter arzneimittelbezogenen Problemen leiden als jede andere Altersgruppe in der Bevölkerung. Solche individuellen Probleme erfordern individuelle Lösungen, sodass der Apotheker der Zukunft mehr und mehr klinisch-pharmazeutisch tätig sein werde. Diese Entwicklung müsse sich in Aus- und Weiterbildung niederschlagen. Mit der Klinischen Pharmazie als eigenständigem Fachbereich sei bereits ein großer Schritt getan. Weiterbildungen in Allgemeinpharmazie oder Geriatrischer Pharmazie bauen das im Studium erworbene klinisch-pharmazeutische Fachwissen weiter aus. Engelen zitierte eine aktuelle und repräsentative Studie des Instituts für Handelsforschung, die bestätigt, dass auch die Patienten eine individualisierte, kompetente und wohnortnahe pharmazeutische Versorgung wünschen.

 

Offizin und Krankenhaus

 

Krüger sprach offen über die aktuellen Probleme auf der kaufmännischen Seite der Offizinpharmazie. Der Wettbewerb werde immer härter, die Einkaufskonditionen des Großhandels würden sich permanent verschlechtern und der Versandhandel etabliere sich zunehmend. Krüger nahm den Aktionsplan des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit auf, in den auch die Apotheker eingebunden sind. Er sieht die Zukunft des Apothekers als heilberuflicher Dienstleister für Prävention, Medikationsmanagement und indikationsbezogene, spezialisierte Dienstleistungen, die aber auch entsprechend honoriert werden müssen. In der öffentlichen Apotheke würden insbesondere gute Kenntnisse in Klinischer Pharmazie und zu Therapiekonzepten benötigt, darüber hinaus Kommunikationsfreude und gutes Kommunikationsvermögen, Teamfähigkeit, aber auch Führungseigenschaften sowie betriebswirtschaftliche und Marketingkenntnisse.

»In der Krankenhausapotheke ist kein Tag wie der andere«, berichtete Krankenhausapothekerin Nicole Hohn. Das Universitätsklinikum Aachen habe 1400 Betten. Dementsprechend würden dort sehr viele Kollegen zusammenarbeiten, was eine gute Koordination erfordere. Keiner sei ausschließlich auf ein Spezialgebiet festgelegt. Jeder müsse die Aufgabengebiete Arzneimittelausgabe und -information, Rezeptur/Defektur, Sterilherstellung, Zytostatikaabteilung, Analytik und Tätigkeit auf Station kennenlernen, um während der Zeiten der Rufbereitschaft flexibel einsetzbar zu sein. Der Arbeitsalltag sei spannend und abwechslungsreich mit immer wieder neuen Herausforderungen. Das bedeute aber auch, dass man in der Lage sein muss, sich selbst gut zu organisieren. Als Krankenhausapotheker könne man die Ärzte vor allem durch kompetente und verantwortungsbewusste Arzneimittelinforma-tion entlasten – von der Arzneimittelanamnese bis zum Entlassmanagement. Auch die Bereiche Pharmakovigilanz und Pharmakoökonomie spielen im Krankenhaus eine wichtige Rolle. Mitarbeit bei klinischen Studien sowie an Leitlinien ist möglich.

 

Jobs in der Industrie

 

»Apotheker sind gute Projektmanager«, so die Erfahrung von Dr. Hans-Jürgen Hamann, Bayer Animal Health GmbH. Als naturwissenschaftlicher Generalist könne der Apotheker sich gut in neue Zusammenhänge einarbeiten, die Hintergründe schnell verstehen und interdisziplinäre Teams gut moderieren. In Bereichen wie der Qualitätssicherung, der Arzneimittelherstellung oder der Entwicklung von Arzneiformen seien viele Apotheker vertreten, während in Tätigkeitsfeldern wie Analytik, Zulassung und medizinisch-wissenschaftliche Information eine höhere Konkurrenz durch andere Berufsgruppen besteht. Insgesamt bewertete Hamann die Beschäftigungssituation für Apotheker in der Pharmazeutischen Industrie als gut. Auch die Möglichkeiten, im Ausland tätig zu werden, seien sehr gut, weil viele Pharmafirmen international vernetzt sind. Eine Promotion ist wünschenswert. Gute Englischkenntnisse sind ebenso gefragt wie Flexibilität und Organisationstalent.

 

»Gut sind die Aussichten auch im Bereich Regulatory Affairs«, so Dr. Annette Koggel, die bei Lohmann & Rauscher im Bereich Medical & Regulatory Affairs für Medizinprodukte tätig ist. Sie schilderte die Aufgaben dieser Abteilung in Abhängigkeit vom Lebenszyklus eines Produktes. In der Pre-market-Phase würde man unter anderem da-rauf achten, dass die regulatorischen Anforderungen eingehalten werden sowie Klinische Studien organisieren und durchführen. In der On-market-Phase gebe die Abteilung den medizinisch-wissenschaftlichen Input für Broschüren oder organisiere Schulungen, und in der Post-market-Phase gehörten die Beantwortung von Kundenfragen oder nationale und internationale Stellungnahmen zu Behördenanfragen sowie die Zuständigkeit als Sicherheitsbeauftragte zu den Aufgaben im Bereich Medical & Regulatory Affairs.

 

Um ihrer Aufgabe und Funktion in der Gesellschaft umfassend gerecht zu werden, sollten Apotheker auch in der Gesundheitspolitik an den entsprechenden Stellen vertreten sein, so Dr. Holger Neye, Leiter der Pharmakotherapieberatung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Neben den kassenärztlichen Vereinigungen gebe es auch bei den Krankenkassen oder in der Pharmazeutischen Industrie entsprechende Stellen für Apotheker. Wenn es zum Beispiel darum gehe, mit den Krankenkassen einen Vertrag zur Verbesserung der Versorgung von Osteoporosepatienten auszuhandeln, sollten auch Apotheker mit ihrem Fachwissen beteiligt sein. Zu den Aufgaben eines Apothekers bei einer Kassenärztlichen Vereinigung gehören unter anderem die Pharmakotherapieberatung der Ärzte auf Basis der Verordnungsdaten einer Praxis, die Beteiligung an der Vorbereitung der Verhandlungen mit den Krankenkassen und die Information der Ärzte zu gesetzlichen Änderungen, Leitlinien und speziellen Therapiehinweisen.

 

Behörde und Bundeswehr

 

Berufliche Möglichkeiten für Apotheker bieten auch die Behörden, wie Dr. Valerie Strassmann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn berichtete. Alle Stellenangebote finden sich unter www.bund.de. Die fachlichen Anforderungen, die in den einzelnen Behörden an Apotheker gestellt werden, variieren von Stelle zu Stelle. Eine Promotion ist häufig erwünscht, ebenso Englisch- und EDV-Kenntnisse. Auch über »Social Skills« wie Teamfähigkeit und die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit sollte der Bewerber verfügen. Die Stellen sind meist befristet, eine Verlängerung nicht immer möglich.

 

»Zurzeit gibt es 230 Apotheker bei der Bundeswehr, davon sind 30 Prozent Frauen«, so berichtete Oberfeldapotheker Thomas Bertelmann. Auch die Bundeswehr bietet ein spannendes und breites Tätigkeitsfeld für Apotheker. Neben all den Aufgaben, die der Apotheker auch in der Zivilgesellschaft wahrnimmt, ist er bei der Bundeswehr zusätzlich für die lebensmittelchemische Überwachung verantwortlich und der Logistiker des Sanitätsdienstes. Mut, Einsatzfreude, Neugierde, körperliche Fitness, interdisziplinäres Handeln und Englischkenntnisse sollte der Bewerber mitbringen. Veränderte gesundheitspolitische Rahmenbedingungen betreffen die Bundeswehr kaum.

 

An der Uni bleiben

 

»Wenn der Doktorand am Ende zu seinem Thema mehr Wissen hat als der Doktorvater, ist das allen Beteiligten nur recht«, sagte Professor Dr. Klaus Mohr, Leiter des Institutes für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. Gemeinsam mit dem Doktoranden Andreas Bock nahm er zu den Chancen für Apotheker in der Wissenschaft Stellung. Wissenschaft bedeute Forschung und Lehre, kritisches Hinterfragen, ständiges Erlernen von Neuem und dieses auch zu kommunizieren. Auch außerhalb der Universitäten gebe es Möglichkeiten, wissenschaftlich zu arbeiten, so zum Beispiel am BfArM oder am Forschungszentrum Caesar in Bonn. Ein einjähriges Masterstudium bietet die Möglichkeit, die persönliche Neigung zur wissenschaftlichen Arbeit zu erproben.

 

Für eine Doktorarbeit, so die Einschätzung von Bock, müsse man mit drei Jahren Labortätigkeit und etwa einem halben Jahr für das Zusammenschreiben rechnen. Insbesondere die Anfangsphase sei schwierig. Es braucht viel Geduld und Idealismus, bis erste verwendbare Ergebnisse vorliegen. In der Anfangsphase ist aber auch die Betreuung durch den Doktorvater besonders intensiv. Während einer Doktorarbeit sollte man nicht von geregelten Arbeitszeiten ausgehen, da sie zeitweise sehr viel persönlichen Einsatz erfordert. Als Nachwuchswissenschaftler sammelt man Auslandserfahrung, arbeitet eigenständig, gründet einen Arbeitkreis, wirbt Drittmittel ein und publiziert. Die Hochschulprofessur bietet ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Mohr schätzt die ständige Beschäftigung mit Neuem und mit jungen, wissbegierigen Menschen sehr.

 

Die Vorträge weckten bei den Studierenden großes Interesse an weiterführenden Gesprächen. Auf dem anschließenden »Markt der Möglichkeiten«, an dem zahlreiche weitere Fachleute aus den einzelnen Bereichen teilnahmen, wurden ihre vielen Fragen ausführlich beantwortet. Es gab viele Tipps, Anregungen und informative Gespräche. Die Präsentationen zu den Vorträgen können unter folgendem Link nachgelesen werden: www.aknr.de/fortbildung/forumberuf/veranstaltung/index.php /

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