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Blutdruck

Wassertrinken aktiviert Regler in Leber

01.02.2011
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PZ / Deutsche Forscher haben bei Mäusen eine neue Gruppe von Sensoren in der Leber identifiziert, die Blutdruck und Stoffwechsel mitsteuern. Diese werden allein durch Wasseraufnahme aktiviert und erhöhen bei kranken und älteren Menschen den Blutdruck.

Dies berichtet das Forscherteam um Stefan Lechner und Gary Lewin vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin und Jens Jordan von der Medizinischen Hochschule Hannover im Fachjournal »Neuron« (doi: 10.1016/j.neuron. 2010.12.028). Vor mehr als zehn Jahren beobachteten Jordan und seine Kollegen bei Patienten mit geschädigtem Nervensystem, dass sich der Blutdruck um bis zu 50 mmHg erhöhen kann, wenn diese in einem Zug einen halben Liter Leitungswasser tranken. Auch bei gesunden älteren Menschen war der Effekt zu beobachten. Die Wissenschaftler machten sich auf die Suche nach der Ursache.

Im Mausmodell wurden sie fündig: Sie identifizierten spezialisierte Nervenzellen in der Leber, die das Absinken der Osmolalität im Blut, das durch die Leber fließt, registrieren. Sinkt der Wert unter den Sollwert, wandeln die Osmorezeptoren diese Information in ein elektrisches Signal um. Dies löst dann ein Aktionspotenzial aus, das den Nervenzellen in den sympathischen Ganglien signalisiert, den Blutdruck zu erhöhen.

 

Als Sensor fungiert dabei ein Ionenkanal, der empfindlich auf Veränderungen der Osmolalität reagiert. »Der Ionenkanal TRPV4 öffnet sich in wenigen hundert Millisekunden wie das Objektiv einer Kamera, um das elektrische Signal hindurchzulassen und dadurch einen Regler in Gang zu setzen«, sagt Lechner.

 

Die neuen Erkenntnisse verbesserten nicht nur das physiologische Verständnis der Blutdruckregulation, sondern hätten auch therapeutische Bedeutung. Sie könnten in Zukunft zu Therapieoptionen für Erkrankungen führen, die auf einem Gendefekt für den Ionenkanal TRPV4 beruhen. Zudem würde das Wassertrinken zum Teil schon in der Praxis genutzt: »Wir lassen Patienten, die aufgrund von Störungen der Blutdruckregulation im Stehen Ohnmachtsanfälle erleiden, gezielt Wasser trinken«, sagt Jordan. Auch gesunde Menschen könnten bei langem Stehen oder anderen Belastungen wie Blutspenden Ohnmachtsanfälle erleiden, die in vielen Fällen durch Wassertrinken vermeidbar wären. /

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