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Dengue-Fieber

Erster Impfstoff für Endemiegebiete

27.01.2016
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Seit wenigen Wochen ist der erste Impfstoff zur Prävention von Dengue-Fieber auf dem Markt. Er bietet einen etwa 60-prozentigen Schutz vor der viralen Erkrankung. Die Vakzine ist für Endemiegebiete bestimmt, nicht für die Reisemedizin.

Nach Mexiko und den Philippinen hat Ende 2015 auch die brasilianische Arzneimittelbehörde dem Einsatz des tetravalenten Impfstoffs Dengvaxia® (CYD-TDV) von Sanofi Pasteur zugestimmt. Dieser ist zugelassen für Menschen von 9 bis 45 Jahre in Endemiegebieten und soll vor den vier bekannten Serotypen des Dengue-Virus schützen.

Am Studienprogramm nahmen nach Angaben des Herstellers mehr als 40 000 Freiwillige teil, von denen 29 000 die Vakzine erhielten. In einer Phase-III-Studie in fünf Ländern Lateinamerikas bekamen knapp 21 000 Kinder von 9 bis 16 Jahren entweder drei Injektionen des attenuierten Lebend­impfstoffs oder Placebo (»New England Journal of Medicine«, DOI: 10.1056/NEJMoa1411037). Die Nachbeobachtungszeit betrug 25 Monate. Die Schutzrate lag bei knapp 61 Prozent (je nach Virus-Subtyp 42 bis 78 Prozent). Bei den Teilnehmern, die mindestens eine Dosis erhalten hatten, betrug der Schutz knapp 65 Prozent; gegen schwere Erkrankungen waren 95 Prozent geschützt. Zudem gab es 80 Prozent weniger Krankenhausaufenthalte wegen Dengue. Laut Studie war das Sicherheitsprofil der Vakzine ähnlich wie bei Placebo.

 

Rasante Ausbreitung

 

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Dengue-Fieber die am schnellsten zunehmende, von Stechmücken übertragene Erkrankung. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung sei gefährdet. Jährlich soll es etwa 390 Millionen Infektionen geben, von denen 96 Millionen klinisch manifest werden. Heutzutage ist das Dengue-Virus in Asien, Lateinamerika und Afrika weit verbreitet. Auch in Europa ist der Erreger angekommen: 2010 traten in Frankreich und Kroatien, 2012 auf Madeira einzelne Dengue-Infektionen auf. Laut Robert-Koch-Institut wurden 2014 in Deutschland 626 Erkrankungen gemeldet, etwa ein Drittel davon wurde in Thailand erworben.

 

Hohes Fieber, starke Schmerzen

 

Dengue-Viren werden über weibliche Stechmücken, vor allem der tagaktiven Spezies Aedes aegypti sowie seltener Aedes albopictus, übertragen. Die Infektion kann schwere grippeähnliche Symptome auslösen. Typische Anzeichen sind Fieber von 40 °C und mehr, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schmerzen hinter den Augen, Übelkeit, Erbrechen und Hautausschlag. Die Beschwerden treten etwa vier bis zehn Tage nach dem Stich (Inkubationszeit) auf und halten zwei bis sieben Tage an. Die Genesung kann sich wochenlang hinziehen.

 

Die Erkrankung induziert eine lebenslange Immunität gegen den auslösenden Virus-Subtyp, nicht aber gegen die anderen drei. Wiederholte Erkrankungen sind also möglich.

 

Schwere, zum Teil tödliche Verläufe mit diffusen Blutungen (hämorrhagisches Dengue-Fieber) sowie Kreislauf- und Organversagen (Dengue-Schocksyndrom) wurden vermehrt bei erneuter Infektion mit einem anderen Serotyp und vor allem bei Kindern in Endemiegebieten beobachtet. Zunächst verläuft die Krankheit auch hier klassisch. Doch mit dem Fieberabfall beginnt eine dramatische Verschlechterung mit erhöhter Durchlässigkeit der Blutgefäße, Störung der Thrombozyten und der Blutgerinnung. Schwere Bauchschmerzen, ständiges Erbrechen, auch von Blut, beschleunigte Atmung, Unruhe, Angst und Herzrasen können bis zum Vollbild eines Schocks führen.

 

Die WHO schätzt, dass jährlich etwa 500 000 Menschen mit schwerem Dengue-Fieber im Krankenhaus behandelt werden. Etwa 2,5 Prozent sterben daran. Die Therapie erfolgt symptomatisch.

 

Die wichtigste Prophylaxe für Reisende ist nach wie vor der Schutz vor Mückenstichen auch tagsüber: Moskitonetze an den Fenstern und über den Betten, lange Kleidung und Repellentien sind hilfreich. In Endemiegebieten hat die Bekämpfung der Vektoren oberste Priorität. Am effektivsten ist es, die Brutplätze der Aedes-Mücken, zum Beispiel stehende Wasserstellen, in Wohngebieten zu beseitigen. /

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