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Sinupret

Dem Mechanismus auf der Spur

21.01.2015
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Von Kerstin A. Gräfe / US-amerikanische Forscher haben einen weiteren Teil des Wirkmechanismus des Phytopharmakons Sinupret® aufgeklärt. Das Praparat aktiviert in vitro zusätzlich zum epithelialen Ionenkanal CFTR den Calcium-abhängigen Kanal TMEM16A. Beide Kanäle sind maßgeblich am Transport von Chloridionen aus der Zelle beteiligt und somit letztlich an einer besseren mukoziliären Clearance.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Shaoyan Zhang von der Universität Alabama, Birmingham, USA, wies bereits in einer früheren Untersuchung nach, dass die pflanzliche Fünffach-Kombination aus Schlüsselblumenblüten, Sauerampferkraut, Holunderblüten, Enzianwurzel und Eisenkraut in vitro und in vivo den Chloridionen-Transport stimuliert (DOI: 10.1002/lary.20871).

 

Extrakt aktiviert weiteren Chloridionen-Kanal

 

In ihrer neuen Studie gingen die Forscher der Frage nach, ob Sinupret die ziliäre Schlagfrequenz (Ciliary Beat Frequency, CBL) und die Solschicht der Schleimhaut (Airway Surface Liquid, ASL) erhöht. Letztere ist wichtig für die mukoziliäre Clearance: Nimmt das Volumen der ASL ab, verschlechtert sich die Clearance. Zudem wollten die Wissenschaftler herausfinden, auf welchen Mechanismen diese Effekte beruhen. Dazu bedienten sie sich nasaler Epithelzellen von Maus und Mensch.

 

Wenig überraschend war, dass Sinupret im In-vitro-Testmodell den epithelialen Ionenkanal CFTR (Cystic Fibrosis Transmembrane-Conductance Regulator) aktivierte. Dies war unlängst bekannt. Neu war jedoch, dass der Extrakt zusätzlich den Kanal TMEM16A stimuliert. Dieser öffnet sich in Abhängigkeit von der Calciumionen-Konzen­tration in den Gefäßwandzellen und lässt Chloridionen aus den Zellen he­rausströmen. Da die Chloridionen- Konzentration direkt die Solschicht der Schleimhaut beeinflusst, erklärt sich aus dieser Beobachtung ein weiteres Ergebnis: Das Volumen der ASL nahm unter Sinupret zu. Zudem erhöhte das Phytopharmakon die ziliäre Schlag­frequenz. Insgesamt resultieren daraus den Forscher zufolge eine Verflüssigung des Schleims und ein erleichterter Abtransport. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin »PLOS One« veröffentlicht (DOI: 10.1371/journal.pone.0104090).

 

Sinupret wird bei bei unkomplizierter akuter Rhinosinusitis eingesetzt. Zuverlässige Studien zur Epidemiologie der Erkrankung gibt es laut der AWMF-Leitlinie Rhinosinusitis aus Deutschland derzeit nicht. Unbestritten ist jedoch, dass die verschiedenen Formen der Rhinosinusitis zusammen eine Erkrankungsgruppe mit sehr hoher Prävalenz und erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung bilden.

Sekretolytika statt Antibiotika

 

Man unterscheidet zwischen der akuten und chronischen Form. Von Letzterer spricht man, wenn die Symptome länger als drei Monate anhalten. Die akute Sinusitis benötigt in der Regel acht bis vierzehn Tage zur Ausheilung. In 70 bis 90 Prozent der Fälle werden laut Leitlinie Antibiotika verordnet, obwohl Rhinosinusitiden in der überwiegenden Mehrzahl viral bedingt sind. Abschwellende Nasentropfen und pflanzliche Sekretolytika können hier in vielen Fällen eine Alternative sein. /

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