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Apotheker ohne Grenzen

Unsere Hilfe wird noch lange gebraucht

26.01.2010
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Von Daniel Rücker / Apotheker ohne Grenzen ist der deutsche Ableger der international operierenden Hilfsorganisation »Pharmaciens sans frontières«. Apotheker Ulrich Brunner steht seit der Gründung im Jahr 2000 an der Spitze des Vereins, der regelmäßig Experten in Krisengebiete schickt.

PZ: Sie haben vorletzte Woche die Apothekerin Dr. Julia Micklinghoff nach Haiti geschickt. Welche Aufgaben hat sie dort?

 

Brunner: Unsere Mitarbeiterin betreut derzeit die Arzneidepots beziehungsweise Behelfsapotheken von drei Kliniken auf Haiti. Im »Krankenhaus der Hoffnung« werden momentan zahlreiche Patienten stationär betreut. Im Stadtteil DELMAS 31 befindet sich die Augenklinik der Christoffel Blindenmission Deutschland, die dank der deutschen Einsatzkräfte nun wieder für Patienten offensteht. Das dritte Hospital steht in Léogâne, einer etwas weiter entfernten Stadt.

 

PZ: Wie stellt sich die Situation in Port-au-Prince dar?

Brunner: Noch immer gilt es, schwere Eingriffe wie zum Beispiel Amputationen mit einfachsten Hilfsmitteln zu bewältigen. Die Zahl der Notfälle geht aber langsam zurück. Zudem erreichen immer mehr Hilfsgüter das Land. Nun muss gewährleistet werden, dass diese wertvolle Fracht auch die Bedürftigen erreicht. Darin sehen wir eine unserer Hauptaufgaben. Mit unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern stellen wir sicher, dass die gespendeten Arzneimittel sachgerecht angewendet werden.

 

Wir haben nicht nur Personal nach Haiti geschickt. Mit dem von uns beschafften Emergency Health kit, einer standardisierten Zusammenstellung von Arzneimitteln wie Antibiotika, Schmerzmittel sowie Verbandmaterial und Wasserentkeimungstabletten nach den Richtlinien der WHO, können wir bis zu 10 000 Menschen über drei Monate versorgen.

PZ: Mit welchen Hilfsorganisationen arbeiten sie zusammen?

 

Brunner: Unsere Partner vor Ort sind derzeit die Ärzteteams von Humedica aus Kaufbeuren sowie Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation (NRO) Landsaid aus Kaufering. Zudem gibt es Kontakt zu verschiedenen lokalen NRO. Wir stellen unser pharmazeutisches Know-how aber auch anderen internationalen Partnern vor Ort zur Verfügung.

 

PZ: Werden Sie noch weitere Apotheker in das Erdbebengebiet entsenden?

 

Brunner: Dies ist bereits geschehen. Seit Montag haben wir unser Team in Haiti um drei weitere Mitarbeiter aufgestockt. Die Apothekerinnen Carina Jochum und Karin Gröschner unterstützen Julia Micklinghoff bei der Betreuung der drei Apotheken. Unser Koordinator Dr. Thomas Bergmann kümmert sich um logistische Aufgaben und pflegt den Kontakt zu anderen Hilfsorganisationen und Behörden.

 

Es ist davon auszugehen, dass unsere Hilfe bei der medizinischen Grundversorgung der Menschen auf Haiti noch lange gebraucht wird, in jedem Fall über Wochen, wenn nicht sogar Monate. Dazu stehen weitere Teams mit gut ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern aus Deutschland bereit.

 

PZ: Welche Fähigkeiten müssen die Apotheker und Apothekerinnen haben, die für »Apotheker ohne Grenzen« solche Einsätze wahrnehmen?

 

Brunner: Neben ihrer Berufsausbildung müssen die Kolleginnen und Kollegen auf einen solchen Einsatz mit all seinen He-rausforderungen bestmöglich vorbereitet werden. Wir schulen unsere Mitarbeiter daher regelmäßig unter möglichst realen Bedingungen. Sie lernen beispielsweise den Arbeitsalltag in einem Hilfsteam kennen oder beschäftigen sich mit dem Aufbau einer Behelfsapotheke. Bei solchen Schulungen vermitteln wir auch Aspekte wie Teambuilding oder Eigenschutz.

 

PZ: Wollen Sie Ihre Hilfe für Haiti weiter ausbauen?

 

Brunner: Nach Abschluss der Notfallhilfe gilt es, sich Gedanken über ein sinnvolles und nachhaltiges langfristiges Engagement auf Haiti zu machen. Dieser Herausforderung werden wir uns stellen.

 

PZ: Sind sie mit dem Spendenaufkommen zufrieden?

 

Brunner: Erst die Solidarität der Menschen in Deutschland und ihre Bereitschaft zu spenden ermöglichen unsere Arbeit. Wir freuen uns über die große Solidarität unserer Kolleginnen und Kollegen. Ich bitte aber unsere Spender, uns weiterhin großzügig zu unterstützen, denn nur so können wir auf Haiti die so wichtige langfristige Aufbauarbeit leisten. Alle unsere Hilfskräfte arbeiten ehrenamtlich. Deshalb fließen alle Spenden direkt in unsere Projekte.

 

PZ: Nimmt »Apotheker ohne Grenzen« auch Sachspenden?

 

Brunner: Nein. Wir richten uns bei unserer Arbeit streng nach den Kriterien der WHO zur »guten Arzneimittelspenden-Praxis«. Dies verbietet uns beispielsweise die Annahme von nicht mehr benötigten Alt-Medikamenten. Solche Spenden sind zudem wenig zielgerichtet. Im schlimmsten Fall müssen unbrauchbare Spenden später aufwendig entsorgt werden. Wir klären daher zunächst den Bedarf vor Ort und beschaffen die Hilfsgüter bei speziellen Anbietern in guter Qualität zu möglichst günstigen Konditionen. /

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