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Bauchspeicheldrüsenkrebs

Neue Kombinationstherapie macht Hoffnung

14.01.2014  14:31 Uhr

Von Kerstin A. Gräfe / Die Kombination von an Albumin gebundenem Paclitaxel (nab-Paclitaxel, Abraxane®) plus Gemcitabin könnte sich beim Pankreaskarzinom als neuer Therapiestandard etablieren.

 

Sie erhielt kürzlich die europäische Zulassung zur Erstlinien-Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse oder metastasiertem Bauchspei­chel­drüsenkrebs. Laut Hersteller Celgene ist dies nach nahezu sieben Jahren erstmals wieder eine neue Therapieoption. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA gewährte der Kombi­nation bereits im September 2013 die Zulassung in dieser Indikation.

Das Pankreaskarzinom gilt aufgrund seiner schlechten Prognose nach wie vor als das Sorgenkind der Onkologie. Die Mehrzahl der Karzinome ist bei Diagnose­stellung bereits metastasiert oder zumindest lokal fortge­schritten. Solche Patienten haben nach der Diagnose eine durchschnittliche Lebenser­wartung von rund drei bis sechs Monaten. In diesen Stadien stellt die palliative Chemo­therapie die wichtigste therapeutische Option dar, wobei Gemcitabin mit oder ohne Erlotinib seit vielen Jahren Standard in der Erstli­ni­en­the­rapie ist. Mit FOLFIRINOX konnte 2011 ein weiteres vielversprechendes Therapie­­regime, bestehend aus 5-Fluorouracil, Leucovorin, Irinotecan und Oxaliplatin, etabliert werden. Es lieferte die bislang besten Über­lebens­zeiten, die beim metastasierten Pankreaskarzinom erzielt werden konnten. Diese wurden allerdings mit einer erhöhten Toxizität erkauft. FOLFIRINOX kommt daher momentan nur bei Patienten in einem guten Allge­meinzustand infrage. Viele Patienten im klinischen Alltag sind jedoch älter beziehungs­weise in vergleichs­weise schlechter körperlicher Verfassung. Die neue Therapie könnte vor allem für sie eine effektive Behandlungsoption darstellen.

 

Die EU-Zulassung von Abraxane plus Gemcitabin basiert auf den Ergebnissen der MPACT-Studie, einer nicht verblindeten randomisierten Phase-III-Studie. 861 therapienaive Patienten mit einem metastasierten Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse erhielten Gemcit­abin entweder als Monotherapie oder in Kombination mit nab-Paclitaxel. Primärer Endpunkt war das Gesamt­überleben, sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben und die Ansprechrate. Das Ergebnis: Die Kombinationstherapie verlängerte im Vergleich zur Monotherapie signifikant das Gesamtüberleben (8,5 versus 6,7 Monate). Gleiches galt für das progressionsfreie Über­leben (5,5 versus 3,7 Monate). Die Ansprechrate betrug unter der Kombinations­therapie 23 versus 7 Prozent unter der Gemcitabin-Monotherapie. Als Nebenwirkungen dritten Grades und höher traten unter der Kombina­tionstherapie Neutropenie, Fatigue und periphere Neuropathie auf. / 

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