Pharmazeutische Zeitung online

Gefahr durch illegale Importe

10.01.2006
Datenschutz bei der PZ

Vogelgrippe

Gefahr durch illegale Importe

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Nach dem Tod von drei Kindern durch die Vogelgrippe greift in der Türkei die Angst um sich. Täglich werden neue Infektionen bei Menschen oder Geflügel gemeldet. Für Deutschland besteht nach Expertenmeinung bislang kein Anlass zur Sorge ­ nur illegale Importe stellen eine gewisse Gefahr dar.

 

Ende vergangenen Jahres im Osten der Türkei ausgebrochen, hat sich die Vogelgrippeseither im Südosten, in der Mitte des Landes mit der Hauptstadt Ankara, am Schwarzen Meer im Norden und im Westen bis Istanbul ausgebreitet. So trat das Influenzavirus nun auch in einem Urlaubsort an der ägäischen Küste auf. Insgesamt zwölf Menschen sind nachweislich mit dem gefährlichen Influenzaerreger H5N1 infiziert. Mehr als 30 Verdachtsfälle werden laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Krankenhäusern, hauptsächlich in der osttürkischen Provinz Van, behandelt.

 

Hier waren in den vergangenen Tagen drei Geschwister an der Vogelgrippe gestorben, zwei von ihnen nachweislich am Virussubtyp H5N1. Bislang gibt es laut WHO keine Hinweise auf eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. Alle drei Geschwister sowie ihr kleiner Bruder, der ebenfalls erkrankt ist, hätten sich bei direktem Kontakt mit erkranktem Geflügel angesteckt.

 

Um die Seuche einzudämmen, wurden nach Angaben des türkischen Landwirtschaftsministers Mehdi Eker bereits mehr als 30.000 Tiere getötet. Einige Bauern weigern sich, ihr Geflügel abzugeben. Damit sie kooperieren, zahlt der Staat großzügige Entschädigungen, die sogar über dem Marktpreis liegen.

 

Für die Infektionen bei Menschen könnte zum Teil die in ländlichen Gebieten übliche Praxis verantwortlich sein, bei kaltem Wetter das Geflügel mit ins Haus zu nehmen. Dies will Eker in Zukunft verbieten. Außerdem klärt die Regierung die Bevölkerung mittlerweile mit Merkblättern zum Thema Vogelgrippe und über den Umgang mit infizierten Tieren auf.

 

Die Seuche muss nun schnell eingedämmt werden, denn im Februar beginnt der Vogelzug. Durch ihn könnte sich das Virus nach Westen und Norden ausbreiten. Derzeit sind neben Asien Rumänien, Russland, Kroatien und die Ukraine betroffen.

 

Situation in Deutschland

 

Für Deutschland besteht bislang keine Gefahr. Solange das Importverbot beachtet wird, ist die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung des Erregers über den legalen Handel mit Vögeln und Geflügelprodukten zu vernachlässigen. Dies meldet das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in einer aktuellen Veröffentlichung zur Risikobewertung. So ist weder die Einfuhr von Geflügel noch von Geflügelprodukten aus der Türkei in die EU gestattet. Gleiches gilt für die Ausbruchsländer Rumänien und Russland. Aus der Ukraine dürfen seit Ende des Jahres keine unbehandelten Federn mehr eingeführt werden, und in Kroatien sind bislang nur Wildvögel erkrankt, so dass auch von hier keine Einschleppungsgefahr besteht.

 

Das größte Risiko stellen nach Einschätzung des FLI illegale Importe von Geflügel, Ziervögeln, Trophäen oder Federn dar. Da die Türkei und Kroatien beliebte Reiseziele der Deutschen sind, ist das Reiseaufkommen zwischen diesen Ländern erheblich. In Deutschland wurden die Kontrollen an Flughäfen und auch von Reisebussen verstärkt. Die Kontrolleure suchen vor allem nach mitgebrachten Lebensmitteln wie rohem Geflügelfleisch, Eiern und Federn. Durchgegartes Fleisch stellt nach Angaben des FLI keine Gefahr dar, weil Temperaturen über 70 Grad Celsius den Erreger inaktivieren. Zum Teil werden am Frankfurter Flughafen bis zu 200 Kilogramm Risikolebensmittel pro Flug aus einem Ausbruchsland beschlagnahmt.

 

Eine Bedrohung geht vor allem vom illegalen Handel mit Greifvögeln aus. Dies zeigte sich zum Beispiel im Oktober 2004, als Zollbeamte in Brüssel im Handgepäck eines Flugreisenden aus Thailand zwei Bergadler fanden. Ein Tier wies Influenzaviren vom Subtyp H5N1 in den Lungen auf, weshalb beide Vögel getötet werden mussten. Das FLI befürchtet, dass Vögel und Geflügel in größerem Maßstab mithilfe gefälschter Dokumente importiert werden könnten. Daher sei eine sorgfältige Kontrolle der Unterlagen an den Grenzen notwendig.

 

Die Gefahr der Einschleppung der Vogelgrippe durch Zugvögel schätzt das Institut derzeit als gering ein. Dies könne sich aber mit einer Änderung der Situation in den betroffenen Ländern und dem Beginn des Heimzugs im Februar rasch ändern. Vögel, die in Süd- und Westafrika oder auf der Iberischen Halbinsel überwintern, kehren über die Süd-West-Route zu ihren Brutplätzen nach Europa beziehungsweise Deutschland heim. Tiere, die in Ostafrika, im Vorderen Orient und Kleinasien den Winter verbringen, fliegen auf ihrem Heimzug östlich um das Mittelmeer herum nach Norden. Dabei überfliegen einige Arten die aktuellen Ausbruchsgebiete im Donaudelta und auf der Krim. Zu Beginn des Heimzugs, der von Februar bis Mai andauert, will das FLI das Risiko der Einschleppung neu bewerten.

Informationen für Reisende

Eine vollständige Liste aller von Vogelgrippe betroffenen Länder führt das Luftfahrt-Bundesamt auf seiner Website (www.lba.de/deutsch/oeffentlich/vogel.htm) auf. Außerdem stellt es ein Informationsblatt zum richtigen Verhalten bei Reisen in Ausbruchsgebiete in fünf Sprachen zum Download zur Verfügung.

Mehr von Avoxa