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Arzt-Apotheker-Verhältnis

Studierende legen Grundstein für Zusammenarbeit

05.01.2010  08:06 Uhr

Von Elisabeth Kersten / Nicht immer ist die interdisziplinäre Kooperation zwischen Apothekern und Ärzten, so gewinnbringend sie auch sein kann, selbstverständlich. Doch schon im Studium gibt es Ansätze, gegenseitig Kompetenzbereiche auszuloten und Vorurteile abzubauen. Eine Möglichkeit dazu war der Bundeskongress der Medizinstudierenden in Deutschland im Dezember in Jena, wo auch Pharmaziestudierende zu Gast waren.

Es ist ein Standardfehler im Krankenhaus: Der Patient liegt flach in seinem Bett und kann durch diese Stellung seine Medikamente nicht richtig verdauen. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, bei dem ein Apotheker auf Station den Therapieerfolg mit Medikamenten optimieren kann, wie Michael Höckel, Leiter der Krankenhausapotheke des St. Georg Klinikums in Eisenach, in einem Vortrag ausführte. Doch nur die wenigsten Kliniken in Deutschland bekommen direkt auf der Station pharmazeutische Unterstützung. Im Gespräch mit Arzt und Patient könnten die Apotheker die Medikation optimieren und die Arzneimittelsicherheit erhöhen.

Lea Berger, Medizinstudierende aus Aachen, kann sich gut vorstellen, später im Krankenhaus mit Pharmazeuten zusammenzuarbeiten. Es gibt immer spezielleres Wissen; als Arzt ist es nicht möglich, die ganze Pharmakologie der Medikamente sicher draufzuhaben, so Berger. Jedoch sieht sie das Problem, dass Ärzte für diese Zusammenarbeit auch Verantwortung abgeben müssen, wofür viele nicht bereit wären.

 

Warum wirken Arzneimittel manchmal unterschiedlich? Was bei Ärzten oft für Kopfzerbrechen sorgt, dafür hat der Apotheker häufig Erklärungen. Jan Erdmann, Bildungs- und Tagungsbeauftragter des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), hat in seinem Vortrag dieses Problem näher beleuchtet. »Hier überschneiden sich pharmazeutische Forschung und Medizin. Für eine Kooperation mit Ärzten ist es ein schönes Beratungsthema«, sagte der Pharmaziestudierende. So spielen zum Beispiel Geschlecht, Alter und Vitalität des Patienten bei der Therapie eine große Rolle. Aber auch genetische Unterschiede, wie die Mutation der für den Stoffwechsel notwendigen Cytochrom-P450-Enzyme, können entscheidenden Einfluss haben.

 

Insgesamt gab es mehr als 40 Workshops, in denen sich die Studierenden mit Brennpunktthemen wie Korruption in der Pharmaindustrie, Aids oder laienorientierter Gesundheitskommunikation auseinandersetzen konnten. Jede Sekunde zwischen Festvorträgen und Workshops war mit einem abwechslungsreichen Freizeitprogramm verplant. Bei einer Stadtführung und einem romantischen Abendspaziergang lernten die Tagungsteilnehmer Jena näher kennen, abends gab es bei den Partys im Jentower und im Planetarium mit Poetryslam und Live-Musik genug Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen.

 

Demnächst wird es noch weitere interdisziplinäre Veranstaltungen geben. Denn vor Kurzem hat sich die Initiative zur Zusammenarbeit angehender Gesundheitsberufler (IZaG) gegründet. Diese Vereinigung möchte eine Brücke zwischen Medizinern, Pharmazeuten, Pflegern, Fachleuten für Public Health und Psychologen bauen. Ziel ist das gegenseitige Kennenlernen der Kompetenzen unterschiedlicher Fachrichtungen, um Kooperationen zu erleichtern. / 

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