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Mitarbeiterführung

Der Wert der Wertschätzung

05.01.2010
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Von Cornelia Bergemann / Nur etwa jeder dritte Angestellte fühlt sich an seinem Arbeitsplatz wirklich anerkannt. Das sorgt für Unzufriedenheit und senkt die Motivation. Dieses Problem gibt es auch in Apotheken. Deshalb sollten Führungskräfte bewusst auf die Leistungen ihrer Mitarbeiter achten und gegebenenfalls ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen.

Viele Unternehmen haben laut Professor Dr. Johannes Sigrist, Medizinsoziologe an der Universität Düsseldorf, im Bereich Anerkennung und Wertschätzung große Defizite. Das bestätigen auch eigene Erfahrungen als Teamcoach in Apotheken. Mitarbeiter fühlen sich nicht geachtet, manchmal nicht einmal beachtet. Sie bemängeln. ihre persönliche Leistung werde einfach nicht bemerkt.

 

Sind Sie als Chef oder Chefin genauso freundlich zu Ihren Mitarbeitern, wie diese es aus Ihrer Sicht zu den Kunden sein sollen? Sagen Sie nicht vorschnell »Ja«, sondern lassen Sie den Apothekenalltag einmal vor Ihrem geistigen Auge Revue passieren. Wie oft sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern? Und hören Sie dann nicht nur hin, sondern auch zu? Wie denken Sie über Ihre Mitarbeiter? Versuchen Sie, sie zu motivieren? Und wie geht das überhaupt? Auf die letzte Frage gibt es leider keine allgemeingültige Antwort. Denn jeder Mensch hat sein eigenes Motivationsprofil. In meinen Führungsseminaren gebe ich am liebsten folgende Antwort: Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was sie demotiviert. Dann wissen Sie, was Sie lassen sollten. Vielleicht müssen Sie sogar viel weniger tun und sagen als bisher.

 

Lob ist jederzeit einsetzbar

 

Führungskräfte sollten in Sachen Wertschätzung und Anerkennung eine Vorbildfunktion einnehmen. Das wird sich positiv auf die Teamstimmung auswirken und ist im Grunde ganz einfach. Es geht darum, die Mitarbeiterin und den Mitarbeiter als Mensch zu schätzen und nicht nur als monetären Wert. Mark Twain hat einmal gesagt: »Mit einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.« Es ist wie Benzin für einen Motor. Es führt dazu, dass im Körper der Glücksbotenstoff Dopamin ausgeschüttet wird und man sich zufrieden und zuversichtlich fühlt. Es spornt an. Deshalb hat Lob eine erhebliche Bedeutung für den Führungsalltag, und es ist kostenlos und zu jeder Zeit einsetzbar.

 

Doch jedes Lob muss authentisch sein. Es sollte von Herzen kommen und auch so wahrgenommen werden. Bevor Sie ohne Überzeugung oder nur aus strategischen Gründen loben, loben Sie lieber nicht. Zudem gilt es, den Blick für das Anerkennungsbedürfnis der Mitarbeiter zu schärfen. Denn dieses ist individuell ganz unterschiedlich ausgeprägt. Eine Führungskraft, die selbst viel Anerkennung braucht, wird Mitarbeiter häufig und individuell loben. Dagegen fehlt einer Führungskraft mit niedrigem Anerkennungsbedürfnis oft der intuitive Zugang zum Thema. Sie handelt eher nach der Maxime: Nicht kritisiert ist schon gelobt. Daneben verliert man oft mit zunehmender eigener Kompetenz den Blick dafür, dass auch kleine Schritte lobenswert sind. Doch was für Sie selbstverständlich ist, muss für Ihr Team noch lange nicht so sein.

Anerkennung und Wertschätzung sind die Führungsinstrumente, um die Leistung zu steigern. Denn ein zufriedener Mitarbeiter begeistert einfach mehr Kunden, die dann gerne in Ihre Apotheke zurückkommen. Eine wertschätzende Führung und eine daraus resultierende gute Teamstimmung sind in einer Apotheke wichtiger als zum Beispiel eine noble Einrichtung, modernste Computeranlagen, Kommissionierautomaten oder Hochglanzbroschüren. Computer brauchen Strom. Mitarbeiter brauchen Führungskräfte, die sie wertschätzen, fördern und fordern, die ihr Potenzial weiterentwickeln und die als Mensch begeistern. Sorgen Sie nicht nur bei Ihren Kunden für ein Wohlfühlgefühl, sondern schenken Sie es auch Ihrem Team. Dann wird es auch sein Bestes geben.

 

Das ist doch nichts Neues, denken Sie jetzt? Ja, das stimmt. Doch was in der Theorie ganz selbstverständlich scheint, geht in der Praxis des Alltags oft verloren. /

Motivierende Maßnahmen

Morgendlicher »walk around«: Begrüßen Sie jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin persönlich mit Blickkontakt und Lächeln.

Nehmen Sie die Leistung Ihrer Mitarbeiter bewusst wahr, achten Sie auf das Positive.

Loben Sie Leistungen, die für den Einzelnen etwas Besonderes sind – auch wenn sie für Ihr Kompetenzniveau möglicherweise selbstverständlich sind.

Koppeln Sie Lob nie mit Kritik.

Führen Sie mit Ihren Mitarbeitern regelmäßig Einzelgespräche, und thematisieren Sie dabei Demotivationsfaktoren.

Stellen Sie bei diesen Gesprächen viele Fragen, hören Sie wirklich zu und handeln Sie entsprechend.

 

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